Die Sicherheitslage in einem Karibik-Land eskaliert. Kreuzfahrtschiffe fahren Ziele nicht an. Auch das Auswärtige Amt warnt Urlauber vor der Einreise.
Port-au-Prince – Die Karibik-Träume zahlreicher Urlauber platzen jäh: Royal Caribbean, einer der weltgrößten Kreuzfahrtanbieter, hat alle Fahrten zu seinem beliebten Privatresort Labadee in Haiti bis mindestens Mai 2026 gestrichen. Der drastische Schritt folgt auf eine verschärfte Reisewarnung des US-Außenministeriums. Mittlerweile warnen auch deutsche Behörden drastisch.
Die Entscheidung trifft Tausende von Passagieren, die sich auf paradiesische Strände und Wassersportabenteuer gefreut hatten. Alleine auf der „Freedom of the Seas“ finden laut Anbieter 3634 Gäste Platz. Die Realität in Haiti ist aktuell düster: Seit März 2024 kontrollieren bewaffnete Banden weite Teile des Landes, und selbst der internationale Flughafen von Port-au-Prince musste nach Beschuss durch kriminelle Gruppen geschlossen werden. Auf dem größten Kreuzfahrtschiff der Welt von Royal Caribbean wurde der Traumurlaub im August zum Alptraum.
Gewalt und Entführungen in Haiti: Kreuzfahrten gestrichen – deutsche Behörden warnen vor Einreise
Das deutsche Auswärtige Amt zeichnet ein bedrohliches Bild der Sicherheitslage: Koordiniert vorgehende Gangs führen regelrechte Gefechte mit der Nationalpolizei, stürmen Gefängnisse und attackieren Regierungsgebäude. Besonders alarmierend ist die Entführungswelle – täglich werden Menschen verschleppt. Die Täter fordern Lösegelder in Höhe von „Zehntausenden bis Hunderttausenden von Dollar“ und gehen dabei mit „großer Brutalität“ vor.
In der Warnung der deutschen Behörde heißt es: „Deutschen Staatsangehörigen wird empfohlen, im Rahmen vorhandener kommerzieller Flugkapazitäten oder auf jedem sich sonst bietenden sicheren Weg, das Land zu verlassen.“ Es habe bereits „zahlreiche Tote und Verletzte“ gegeben. Ein „Ausnahmezustand und eine nächtliche Ausgangssperre“ seien bereits verhängt sowie die deutsche Botschaft geschlossen worden. „Es besteht weiterhin ein hohes Entführungsrisiko für Ausländer sowie die konkrete Gefahr, bei gewaltsamen Auseinandersetzungen zu Schaden kommen“, schreibt das Auswärtige Amt. Urlauber sollen nicht einreisen.
Keine Kreuzfahrten nach Haiti – Schwere Verluste für die Tourismusbranche
Die Aussetzung der Kreuzfahrten trifft Haiti wirtschaftlich hart. Labadee war mit seinen atemberaubenden Naturschönheiten laut travelandtourworld.de ein Touristenmagnet und ein wichtiger Wirtschaftssektor für die Region. Das private Resort schuf Arbeitsplätze und lokale Unternehmen profitierten von den Kreuzfahrtpassagieren.
Royal Caribbean hatte bereits früher in diesem Jahr begonnen, Schiffe von Labadee umzuleiten, doch die nun bis 2026 verlängerte Aussetzung bedeutet einen schweren Schlag für Haitis ohnehin angeschlagene Tourismusbranche. Für die betroffenen Passagiere bietet Royal Caribbean Ersatzziele an, darunter Jamaika, die Bahamas und die Dominikanische Republik. In Puerto Rico kam es auf einem Schiff der Reederei zu einem tragischen Zwischenfall. (Quellen: US-Außenministerium, Auswärtiges Amt, travelandtourworld.de) (jaka)