Am Montag stehen Bus und Bahn in vielen großen Städten in Baden-Württemberg still. Verdi ruft zum Warnstreik auf, und Fahrgäste müssen sich auf massive Einschränkungen einstellen.
Stuttgart – Die Gewerkschaft Verdi plant, am Montag (2. Februar) den Nahverkehr in großen Städten in Baden-Württemberg lahmzulegen. Betroffen sind Städte wie Stuttgart, Karlsruhe, Heilbronn, Freiburg, Baden-Baden, Esslingen und Konstanz, wie der Verdi-Landesbezirk mitteilte. Dieser eintägige Streik ist Teil einer bundesweiten Arbeitsniederlegung.
In den sieben Städten werden die Fahrzeuge voraussichtlich größtenteils in den Depots bleiben. Verdi geht davon aus, dass keine Busse und Bahnen verkehren werden. Ob einzelne Linien der bestreikten kommunalen Verkehrsunternehmen dennoch bedient werden oder ob es Ersatzfahrpläne gibt, ist noch unklar. Sicher ist jedoch, dass Hunderttausende Menschen von dem Streik betroffen sein werden.
Warnstreik in sieben Städten in Baden-Württemberg – unzählige Pendler betroffen
In diesem Frühjahr stehen in allen Bundesländern Verhandlungen über neue Manteltarifverträge für die kommunalen Nahverkehrsbetriebe an. In Baden-Württemberg sind etwa 6.700 Beschäftigte betroffen. Verdi verhandelt für sie mit dem Kommunalen Arbeitgeberverband (KAV) des Landes. Beim Auftakt der Verhandlungen gab es keine Annäherung. Dieses Mal geht es nicht um Gehaltserhöhungen, sondern um den Manteltarifvertrag, der die Arbeitsbedingungen regelt. Verdi fordert unter anderem höhere Zuschläge für Überstunden, Nachtarbeit und Wochenendarbeit. Zudem sollen Zulagen entsprechend der individuellen Entgeltstufe durchgesetzt werden.
Verdi argumentiert, dass Überstunden für Arbeitgeber derzeit günstiger seien als Neueinstellungen und die Beschäftigten durch die Arbeitsverdichtung stark belastet würden. Verbesserte Zuschläge sollen helfen, Überstunden zu reduzieren, neues Personal zu gewinnen und den öffentlichen Personennahverkehr langfristig zu stabilisieren. Verdi-Verhandlungsführer Jan Bleckert zeigte Verständnis für die schwierige finanzielle Lage der Kommunen, betonte jedoch: „Wir akzeptieren nicht, dass die kommunalen Arbeitgeber die Beschäftigten mit der ständigen Androhung von Leistungskürzungen und Preiserhöhungen für Fahrgäste erpressen wollen.“
Die Arbeitgeber legten in der ersten Verhandlungsrunde kein Angebot vor und wiesen die Forderungen mit Verweis auf die „katastrophale Finanzlage“ vieler Städte und Gemeinden zurück. Aufgrund wegbrechender Einnahmen, steigender Ausgaben und teils nicht genehmigter Haushalte seien die finanziellen Spielräume erschöpft. In dieser Situation gehe es darum, den Status quo zu sichern, und zusätzliche Kosten durch höhere Zulagen seien nicht tragbar.
Der Verband verwies auf bereits vereinbarte tarifliche Verbesserungen. Seit 2023 seien die Entgelte einschließlich Zuschlägen um mehr als 20 Prozent gestiegen, und weitere Erhöhungen seien bereits vereinbart. Die Verhandlungen sollen am 9. Februar fortgesetzt werden. Die Friedenspflicht in diesem Konflikt endete bereits am 1. Januar. (nru/dpa)