Die Stimme des Reitsports: Moderator Arnaud Petit ist von Aachen bis Basel unterwegs

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Schmusen auf dem Fichtenhof: Arnaud Petit mit Hannoveraner Jenson Button. © Sabine Hermsdorf-Hiss

Begonnen hat alles mit einem kleinen Turnier in Luxemburg: Seitdem ist Moderator Arnaud Petit nicht mehr aus dem Spitzensport der Pferdewelt wegzudenken. Zuhause ist er auf dem Fichtenhof in Neufahrn.

Neufahrn - Jeder Reitsportbegeisterte, der schon mal auf einem der großen Turniere war, kennt ihn – oder zumindest seine Stimme. Arnaud Petit moderiert seit Jahrzehnten Großevents wie Stuttgart German Masters, CHI Basel, Frankfurter Festhalle und Pferd International in Riem. Der gebürtige Luxemburger wohnt seit 2020 mit seiner Familie auf dem Fichtenhof in Neufahrn bei Schäftlarn. Und ist zehn bis zwölfmal im Jahr auf den größten Reitsportveranstaltungen im deutschsprachigen Raum als Moderator, Sprecher und Kommentator unterwegs.

Mit 26 Jahren jüngster Sprecher beim CHIO Aachen

Noch genießt Petit die Ruhe auf dem Hof, den er zusammen mit seiner Frau Andrea betreibt und hochklassig Dressurpferde ausbildet. Er sitzt auf einer Bank vor dem Stalleingang und streichelt Hund Emma. Vögel zwitschern, Pferde mümmeln Heu in ihren Boxen, seine fünfjährige Tochter Mathilda fährt mit dem Rad über das Kopfsteinpflaster. In wenigen Tagen geht es für den 43-Jährigen los nach Aachen: Fast zwei Wochen moderiert er auf dem CHIO im 40 000-Plätze großen Springstadion die rasanten Ritte mit Hindernissen von einer Höhe bis zu 160 Zentimetern. Das „Weltfest des Pferdesports“, das vom 27. Juni bis 6. Juli stattfindet, bietet Spitzensport in Springen, Dressur, Vielseitigkeit, Voltigieren und Fahren. Petit ist dort seit Jahren die Stimme aus dem Lautsprecher. „2008, mit 26 Jahren, habe in Aachen zum ersten Mal moderiert, damals war ich der jüngste Sprecher“, erinnert er sich. „Das war eine riesige Ehre. Aachen ist immer eine ganz besondere Atmosphäre. Da kommen die Besten aus der ganzen Welt zusammen, aber es gibt auch Entertainment, Schickeria und Charity. Das ist einzigartig.“

Arnaud Petit
Auch selbst im Sattel unterwegs: Arnaud Petit beim Turnier auf seinem Fichtenhof mit seiner Ausnahmestute Danone san Lourenco. © Silvia&Franz Stoib

Angefangen hat seine Moderations-Laufbahn mit 14 Jahren in Luxemburg. Damals wollte er mit Freunden ein Reitturnier auf die Beine stellen. „Wir brauchten jemand, der ins Mikro redet, das habe ich in die Hand genommen.“ Nach seinem Abitur auf einem Internat bei Freiburg hat es Petit nach München gezogen. „Das war die Stadt, wo jeder sein wollte.“ Auf dem Dressur- und Springturnier von Uwe Schanz, der mittlerweile auf dem Waldhauser Hof in Sauerlach beheimatet ist, damals noch in auf der Reitanlage Thann in Holzkirchen war, sammelte er seine ersten Erfahrungen in Bayern. „Dann ging alles Schlag auf Schlag.“ Das Telefon klingelte, und kurze Zeit später war er auch für Großveranstaltungen wie Pferd International in Riem oder den CHI Donaueschingen gebucht.

Viele denken, dass Pferde nur funktionieren, weil wir sie drangsalieren. Das muss aus den Köpfen der Leute wieder raus, weil es einfach nicht stimmt.

Eine Sprechausbildung hat Petit nie gemacht. Gewisse Dinge wie ein Gespür für das Publikum und die Situation, eine schnelle Auffassungsgabe und Handlungsfähigkeit und natürlich die Stimme kann man nicht erlernen. Betonung, Wortwahl, Rhetorik, und Auftreten schon. „Ich hatte mit Christian Graf von Plettenberg einen ganz tollen Mentor, der mir sehr viel beigebracht hat.“ Als Moderator muss man die Emotionen der Zuschauer einfangen können, sie verstärken oder beruhigen und vor allem in Extremsituationen richtig reagieren. „Da kann und muss man beweisen, wie gut man ist.“ Petit erinnert sich an einen schlimmen Sturz von Katrin Eckermann am Wassergraben 2018 in Aachen. „Das hat ewig gedauert, bis alle versorgt waren. Das Stadion war voll und ich hatte keinerlei Infos.“

Gänsehautmoment: Erster Auftritt von Totilas mit seinem Reiter Edward Gal in München

Ein anderer Vorfall ist einmal bei der Präsentation der Ehrengäste des CHIO passiert. Mehrere zehntausend Menschen haben den Linken-Politiker Gregor Gysi ausgebuht. „Da muss man die richtigen Worte finden.“ Doch es gibt natürlich auch unzählige schöne Momente, die Petit erlebt hat: „Der erste Auftritt von Totilas mit seinem Reiter Edward Gal in München. Da bekomme ich heute noch Gänsehaut. Die Leute saßen sogar in den Bäumen rund um das Dressurviereck, es war brechend voll, aber während der Prüfung mucksmäuschenstill.“ Seine Erfahrung gibt Petit auch weiter – als Dozent an der Universität in Nürtingen im Studiengang Pferdewirtschaft.

Sattlerei und Reitsport Max Benz

Mit seiner ersten Frau Friederike hat Arnaud Petit 2004 das Traditionsunternehmen Max Benz Sattlerei & Reitsport in der Fürstenstraße mitten in München übernommen. Eine Firma, die schon seit 1884 Sättel gefertigt hat und über Bayerns Grenzen bekannt ist. 2015 folgte dann der Umzug nach Hergolding bei Baldham. „Das war das letzte Lebensprojekt meiner Frau, zwei Monate danach ist sie gestorben“, sagt Arnaud Petit, der das Unternehmen alleine weitergeführt hat. „Corona war ein harter Schlag.“ Er entschied sich, das Reitsportgeschäft aufzugeben und mit der Sattlerei in den Keller des Fichtenhofs zu ziehen. „Doch leider habe ich kein Personal mehr gefunden. Für die Werkstatt braucht man schon drei bis vier Leute.“ Deshalb hat er sich 2023 schweren Herzens dazu entschieden, die Marke zu verkaufen. „Es gibt aber noch einige Pferde, die mit unseren Sätteln geritten werden, darunter unsere eigenen.“

Zu der Kritik am Reitsport und den unschönen Aufnahmen namhafter Sportler sagt Petit: „Klar gibt es schwarze Schafe, aber das sind einzelne Reiter. Natürlich müssen Strafen folgen, wenn man übertreibt.“ Doch er weiß auch: „Höchstleistungen funktionieren nur durch Vertrauen. Kein Pferd der Welt springt einen 1,60-Meter-Parcours, wenn es gezwungen wird.“ Er muss es wissen. Der 43-Jährige ist selbst erfolgreich im Reitsport. In der Disziplin Working Equitation hat er 2018 an der Weltmeisterschaft in München mit seiner Stute Danone san Lourenco teilgenommen. „Die Gesellschaft entwickelt sich von den Tieren weg und weiß nicht mehr damit umzugehen. Viele denken, dass Pferde nur funktionieren, weil wir sie drangsalieren. Das muss aus den Köpfen der Leute wieder raus, weil es einfach nicht stimmt.“

Fichtenhof-Classics

Bereits zum fünften Mal finden am Wochenende 5. bis 7. September die Fichtenhof-Classics auf dem Hof in Neufahrn statt. Eine Mischung aus Sport und Show. Der Höhepunkt: ein Abend mit Mehrfach-Olympiasiegerin und amtierender Deutschen Meisterin Isabell Werth. Außerdem darf sich wieder auf eine Galanacht der Pferde mit tollen Pferdetrainern und Stuntreitern und ein Working-Equitation-Turnier gefreut werden. Programm und Tickets: fichtenhof-classics.de.

Viel hat Sport- und Showmoderator Arnaud Petit schon erreicht, doch eine Sache fehlt noch: Olympia. „Das ist natürlich ein Ziel, aber liegt nur bedingt in meiner Hand, denn damit ich dort moderieren darf, müssen die Olympischen Spiele nach Deutschland kommen.“ In den nächsten Jahren wird das zwar nicht passieren, aber der Münchener Stadtrat plant eine Olympia-Bewerbung für 2036, 2040 oder 2044. 

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