Kaum hat die Badesaison begonnen, sind an den Seen rund um München innerhalb eines Wochenendes drei Menschen beim Baden im Starnberger sowie im Karlsfelder See gestorben, ein Mann wird noch vermisst.
Landkreis - Die Wasserwacht des Bayerischen Roten Kreuzes beobachtet mit Sorge, dass immer mehr Menschen die Gefahren am und im Wasser unterschätzen. „Das Bewusstsein für das Risiko nimmt ab“, sagt Manfred Gürich, der bei der Kreiswasserwacht für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Besonders an der Isar käme es immer wieder zu gefährlichen Situationen: „Viele nutzen ungeeignete Baumarkt-Schlauchboote, verzichten auf Schwimmwesten und sind teilweise alkoholisiert.“ Erst kürzlich waren zwei Männer mit ihrem Schlauchboot im Kehrwasser gefangen und konnten sich nur durch Glück vor dem Eintreffen der Rettungskräfte befreien.
Drohnen und neue Rettungsboote
Technisch sei die Wasserwacht top ausgestattet: Neue Handsonargeräte mit KI-Technologie erleichtern die Suche nach Personen unter Wasser. Die Alarmierung läuft nun digital, sodass die Einsatzkräfte noch schneller reagieren können. Auch Drohnen werden in brenzligen Situationen immer häufiger eingesetzt, um schneller einen Überblick zu gewinnen. Ein weiterer Fortschritt: Die Münchner Wasserwacht hat kürzlich vier neue Motorrettungsboote an Feringasee, Unterschleißheimer See und Heimstettener See in Betrieb genommen und damit ältere Modelle ersetzt.
Aber ohne Ehrenamtliche läuft nichts. An jedem Wachwochenende sind mindestens fünf Helferinnen und Helfer der Wasserwacht am Feringasee, Unterschleißheimer See, im Freibad Unterhaching und Heimstettener See im Einsatz: Wachleiter, Rettungstaucher, Bootsführer, Rettungsschwimmer und meistens noch ein Mitglied der Jugendgruppe. „Häufig sind sogar mehr Leute da“, sagt Gürich.
Mehr Ehrenamtliche werden gebraucht
Freiwillige der DLRG-Ortsgruppen übernehmen am Oberschleißheimer Regattabadesee, am Garchinger See, am Deininger Weiher und im Haarer Freibad die Badeaufsicht. Damit jeder – schon kleine Kinder ab drei Jahren – das Schwimmen lernen kann, bietet die DLRG in Oberschleißheim und Haar Schwimmkurse für Kinder und Erwachsene an, vom Seepferdchen bis zum Schwimmabzeichen Gold.
Jugendliche übernehmen bei DLRG und Wasserwacht schon früh Verantwortung, und der Zusammenhalt sei groß, sagt Gürich. Doch das Engagement gehe leicht zurück. Ob es daran liegt, dass die Menschen mobiler werden oder beruflich mehr gefordert sind? „Genau lässt es sich nicht sagen“, die Wasserwacht wirbt dennoch: „Ein Ehrenamt bei uns ist sinnvoll, spannend und verbindet.“ Wer mitmachen will, kann früh starten – von der Schwimmausbildung über Erste Hilfe bis zum Rettungsschwimmer. Später stehen zahlreiche Spezialisierungen offen: Wasserretter, Sanitäter, Motorbootführer oder Rettungstaucher.