Der Gemeinderat Pullach hat sich nicht auf Maßnahmen für mehr Verkehrssicherheit am Kirchplatz einigen können.
Pullach – Pullach hat unheimlich viele Projekte in der Pipeline, die alle ab einem bestimmten Punkt nicht weitergehen. Weil sich der Gemeinderat kaum einigen kann. Es ist unheimlich schwer, im Gremium Mehrheiten zu bekommen. Jetzt ist auch ein Teil des umfangreichen Verkehrskonzeptes, das die Verwaltung vorgeschlagen hat, durchgefallen.
Mobilitätsbeauftragte Anna-Lena Fackler stellt Konzept vor
Zwei Stunden wurde über die Angelegenheit diskutiert. Es ging um fünf konkrete Einzelmaßnahmen, die nur ein Teil sind des insgesamt 39 Punkte umfassenden Konzeptes. Das hatte die Mobilitätsbeauftragte Anna-Lena Fackler zusammengestellt, auf der Grundlage umfangreicher Verkehrszählungen. Vier dieser fünf Punkte wurden abgelehnt, teils mit äußerst knappem Stimmenverhältnis von zehn zu zehn.
Entscheidung löst Briefwechsel von Gemeinderäten aus
Hinterher ergab sich ein Briefwechsel von Gemeinderäten, erst verwies Peter Bekk von den Grünen auf die „moralisch-ethische Verantwortlichkeit unserer Entscheidungen bei Sicherheitsthemen“. Und bat die anderen förmlich darum, sich des Themas noch einmal in Ruhe zu widmen, unter Umständen dazu auch einen Bürgerrat einzuberufen. Mehrfach habe er beobachtet, dass am Kirchplatz, für den Fackler auch Verbesserungsvorschläge gemacht hatte, beinah Unfälle mit Kindern passiert wären.
Alle sind sich der Verantwortung bewusst
Michael Reich von der FDP, die mit der CSU und der WiP vier von fünf Maßnahmen abgelehnt hatte, schrieb Bekk zurück, er sei sich seiner Verantwortung durchaus bewusst und habe andere Vorschläge, um den Kirchplatz sicherer zu machen. Andreas Most von Pullach Plus sagte nach der Sitzung: „Aus meiner Sicht ist es bedauerlich, dass offensichtlich schon jetzt der Wahlkampf eingeläutet wurde und schonungslos an der Sache vorbei Klientel-Politik betrieben wird.“
Schrägparkplätze vor der Bäckerei bleiben
Abgelehnt worden war der Vorschlag, die Autofahrer in der Heilmann- wie Habenschadenstraße durch „versetztes Parken“ auszubremsen, ebensowenig wollte der Gemeinderat die drei von der Verwaltung als problematisch empfundenen Schrägparkplätze vor der Bäckerei gestrichen haben. Er fand es auch keine gute Idee, die Gefahrenstelle Zebrastreifen gleich bei diesen Schrägparkplätzen über das Aufstellen von Pflanztrögen zu entschärfen. Die einzige verkehrsberuhigende Maßnahme, die in der Sitzung durchging, ist das Aufbringen einer gezackten Markierung bei Rechts-vor-links-Kreuzungen.
Christine Eisenmann (CSU) kritisiert: Geschäftsleute nicht ins Konzept eingebunden
Christine Eisenmann (CSU) sagte nach der Sitzung, die Verwaltung habe das Konzept gemacht, ohne die Gewerbetreibenden mitzunehmen. Kunden und Mitarbeiter bräuchten Stellflächen auf dem Kirchplatz. Versetztes Parken behindere Einsatzkräfte bei einem Notfall, im Winter müsste, wenn auf dem Kirchplatz Pflanztröge stehen, per Hand geräumt werden. „Die Ortsmitte ist der Pulsschlag der Gemeinde.“ Tenor ihrer Ausführungen: Es seien noch nicht alle Möglichkeiten überlegt.
Holger Ptacek fordert seit Jahren Verkehrsberuhigung in der Habenschadenstraße
Holger Ptacek (SPD) der seit Jahren Verkehrsberuhigung in der Habenschadenstraße fordert, sagte wiederum: „Mich hat weniger die Entscheidung überrascht, Maßnahmen auf dem Kirchplatz werden seit Jahren blockiert. Ich fand mehr die Art unangemessen, wie in der Sitzung die Verwaltung beschulmeistert wurde.“
Auch mit Radfahrern gibt es Probleme
Dabei geht es beim Verkehrskonzept nicht nur darum, die Autofahrer in die Schranken zu weisen, in Pullach nehmen auch die Radler überhand, die von München kommend über den Kirchplatz brausen. Bis zu 3000 pro Tag sind das auch unter der Woche. Most deshalb: „Wir brauchen das Gesamtkonzept.“ Die Schrägparkplätze seien so kritisch, weil beim Ausparken die Autofahrer auf den Zebrastreifen ausweichen müssen. Der Pullach Plus-Vertreter kritisierte, dass immerhin zum Thema zwei öffentliche Workshops im Vorfeld stattgefunden hatten. „Beim zweiten Termin waren wir nur zu zweit.“