Uni-Professor fordert: Medienbildung als Schulfach

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Mehr als 90 Prozent der Jugendlichen in Deutschland sind regelmäßig in den sozialen Medien unterwegs. Das ergeben mehrere Studien. © Ralf Homburg/Lobeca/IMAGO

Kürzlich hat sich Bundesjustizministerin Stefanie Hubig für eine Altersgrenze bei der Nutzung der sozialen Medien ausgesprochen. Auch im Landkreis beschäftigt man sich mit dem Thema, statt einer Altersgrenze soll jedoch die Medienkompetenz gefördert werden.

Landkreis - In Australien gilt sie schon: die Altersbeschränkung für soziale Medien. Dort dürfen seit vergangenem Jahr Kinder und Jugendlichen erst ab 16 Jahren die sozialen Medien nutzen. Kürzlich hat sich auch Bundesjustizministerin Stefanie Hubig für eine solche Altersgrenze ausgesprochen. Eine klare und vor allem wirksame Grenze für die Nutzung sozialer Medien schütze Kinder in ihrer Privatsphäre und fördere zudem eine gesunde Entwicklung, so die SPD-Politikerin gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. „Kinder und Jugendliche brauchen Schutz statt Selbstdarstellungsdruck.“ Auch im Landkreis beschäftigt man sich mit dem Thema, statt einer Altersgrenze soll jedoch die Medienkompetenz gefördert werden.

Jugendliche schauen ständig auf Smartphone

Deniz Dadli, Leiter der Einrichtung Planet O in Oberschleißheim, arbeitet seit mehr als 25 Jahren dort mit Kindern und Jugendlichen zusammen und hat schon viele Entwicklungen mitbekommen. „Wenn sie kein Wlan haben, ist es so wie wenn sie kein Wasser hätten.“ Oft herrsche Stille im Jugendtreff, weil alle auf ihr Smartphone schauen. „Das gab es früher nicht, da war es immer laut.“ Dadli versucht die Kinder und Jugendlichen dann mit Brettspielen, Kicker oder Billard wieder in die richtige Welt zu holen. „Da haben sie dann auch Spaß.“ Eine Altersgrenze für die sozialen Medien befürwortet er deshalb prinzipiell. „Man muss allerdings wissen, wenn man ein Verbot beschließt, dass die Jugendlichen es irgendwie schaffen, die Apps und Plattformen zu besuchen.“ Dadli setzt auf präventive Arbeit – die von der Schule, den Eltern, Sportvereinen oder eben Jugendtreffs geleistet werden muss.

Man muss wissen, wenn man ein Verbot beschließt, dass die Jugendlichen es irgendwie schaffen, die Apps zu besuchen.

Ähnlich sieht das Philipp Stern vom JUZ Grünwald. „Die sozialen Medien sind nicht mehr wegzudenken, sie sind Teil der Lebenswelt der Jugendlichen“, sagt er. „Statt einer Altersfreigabe sollte man die Medienkompetenz schulen.“ Eine Aufgabe, die Stern regelmäßig im JUZ ausführt – beratend und erklärend, etwa wenn es um Themen wie Fake News, Selbstdarstellung, Trends, gewalttätige Videos, die der Algorithmus ausspuckt oder einfach mal die AGBs lesen geht. „Wenn jemand kompetent im Umgang mit Medien ist, kann man viel vorbeugen.“ Auch sollten die Firmen mehr in die Verantwortung genommen werden. „Auf den Plattformen soll endlich der Jugendschutz durchgesetzt werden.“

Jonas Schützeneder, Professor für Digitalen Journalismus an der Universität der Bundeswehr München in Neubiberg, beschäftigt sich schon lange mit dem Thema. „Ich bin froh, dass es endlich in der ersten politischen Reihe angekommen ist. Das ist dringend an der Zeit. Es gibt sehr gute Gründe, genauer draufzuschauen, was da passiert.“ Denn in Deutschland seien mehr als 90 Prozent der Jugendlichen regelmäßig in den sozialen Medien unterwegs.

Eltern seien zunehmend überfordert, fühlen sich hilflos und alleingelassen

Welche Folgen ein falscher Konsum von Social Media hat, zeige zahlreiche Studien: Cybermobbing, Stress, Sucht und Abhängigkeit, mentaler Druck. „Den Jugendlichen geht es deutlich schlechter, seit es die sozialen Medien gibt.“ Und auch die Eltern seien zunehmend überfordert, fühlen sich hilflos und alleingelassen, so Schützeneder.

Ich fordere das Schulfach Medienbildung, das genauso eine Wertigkeit wie der Mathematikunterricht haben soll.

Er hält ein flächendeckendes Verbot allerdings aktuell nicht sinnvoll. „Das ist noch zu wenig durchdacht. Wie soll das umgesetzt oder kontrolliert werden?“ Das Beispiel in Australien habe gezeigt, dass Jugendliche die Altersgrenze mit einfachen Tricks leicht umgehen können.

Auch Schützeneder spricht sich dafür aus, Kompetenzen herzustellen, statt Verbote auszusprechen. „Ich fordere das Schulfach Medienbildung, das genauso eine Wertigkeit wie der Mathematikunterricht haben soll.“ Laut ihm sollte schon in der Grundschule damit begonnen werden. „Medienbildung muss mit Kindern mitwachsen.“

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