Forschende finden quadratischen Menschenschädel – Erklärung überrascht

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Die ungewöhnliche Form eines 1500 Jahre alten Schädels aus Mexiko gibt Forschenden überraschende Einblicke in die Identität und den Status früher Kulturen.

Balcón de Montezuma – Forschende gelangten zu neuen Erkenntnissen über einen ungewöhnlich geformten menschlichen Schädel aus Mexiko. Laut Untersuchung der Archäologen des Nationalinstituts für Anthropologie und Geschichte INAH stammt der Fund aus der archäologischen Stätte Balcón de Montezuma in der Sierra Madre Oriental im Norden der Huasteca-Region und wird auf ein Alter von etwa 1.500 Jahren datiert. Die spezielle würfelartige Form des Schädels ist in dieser Region „beispiellos“, wie es in einer Pressemitteilung des Instituts heißt. Der Fund erzählt demnach zudem viel über die Kultur der damaligen Zeit.

Ein 1500 Jahre alter Schädel aus Mexiko wirft neue Fragen auf: Seine ungewöhnlich kantige Form gibt Forschern überraschende Einblicke in Identität und Status früher Kulturen (Symbolbild).
Ein 1500 Jahre alter Schädel aus Mexiko wirft neue Fragen auf: Seine ungewöhnlich kantige Form gibt Forschern überraschende Einblicke in Identität und Status früher Kulturen (Symbolbild). © IMAGO/Zoonar.com/Anton Chalakov

Es handelt sich um eine absichtliche Schädelverformung aus kulturellen Gründen, die ein quadratisches Profil ergibt. Die Forschenden sprechen von einem oberen Tabularkopf oder einer parallelepipedischen Deformation. Der Eingriff erfolgte laut den Forschenden kurz nach der Geburt, als der Kopf des Mannes noch verformbar war. Wahrscheinlich hatte man eine Art Brett mit straffen Bandagen am Kopf fixiert. Die Prozedur war riskant und erforderte großes Wissen. Die Menschen drückten mit diesem kulturellen Zeichen ihre Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe oder einen bestimmten Status aus.

Mesoamerika

Mesoamerika bezeichnet ein Gebiet, das Teile von Costa Rica, Nicaragua, Honduras, El Salvador, Guatemala, Belize sowie Mittel- und Südmexiko umfasst. Dort lebten über viele Jahrhunderte hinweg Kulturen wie die Olmeken, Zapoteken, Maya, Huasteken, Tolteken und Azteken – und ihre Nachfahren sind bis heute in der Region präsent. Die frühe Besiedlung dieses Kulturraums begann laut Forschenden möglicherweise schon um rund 20.000 vor Christus. Das Ende der kulturellen Region Mesoamerika wird auf das Jahr 1521 datiert, als das letzte mesoamerikanische Reich an die Spanier unter Hernán Cortés fiel. Der quadratische Schädel stammt aus der Zeit der mesoamerikanischen Klassik zwischen 400 und 900 n. Chr.

Unerwartetes Ergebnis: Wie die Isotopenanalyse den Forscherblick veränderte

In Mesoamerika waren solche Schädelverformungen in der damaligen Zeit gängig. Die kubische Form war allerdings nicht in der Huasteca-Region bekannt, sondern nur aus El Zapotal in Veracruz oder dem Maya-Gebiet. Naheliegend war für die Forschenden daher zunächst die Hypothese, dass der gefundene 40-Jährige womöglich zugewandert war. Die Isotopenanalyse ergab allerdings etwas anderes: Die Forschenden analysierten die Wasser-Isotopen im Körper des Mannes, denn diese variieren im Grundwasser von Region zu Region.

Alles, was Menschen essen und trinken, hinterlässt eine Signatur im Körper, insbesondere in Knochen und Zähnen. Während sich der Zahnschmelz in der Kindheit bildet und danach kaum mehr verändert, bauen sich Knochen ständig um und geben Aufschluss über die letzten zehn Lebensjahre des Mannes. Die Wissenschaftler konnten daher nachweisen, dass der Mann in der Sierra Madre geboren wurde, dort lebte und verstarb. „Die Ergebnisse schließen somit eine direkte Migrationsbeziehung zu den Gruppen von El Zapotal oder weiter südlich gelegenen Gebieten aus“, so der INAH-Experte Velasco González.

Das sagt der Fund tatsächlich aus: Die Idee reist

Der Fund beweist damit, dass in diesem Fall die Idee reiste und nicht der Mensch. Das Wissen über die Schädelverformung und deren kulturelle Bedeutung wurde also weiterverbreitet und ist ein Indikator für Beziehungen zwischen den Völkern verschiedener Regionen. Denkbar für die Übertragung des Wissens sind anhand früherer Forschungen etwa Netzwerke oder Handelsrouten.

Der Schädel war schon vor 30 Jahren gefunden worden, doch erst moderne Techniken führten zu den neuen bahnbrechenden Erkenntnissen. Tonantzin Silva Cárdenas, Direktor des INAH-Zentrums in Tamaulipas, betont die Wichtigkeit der Wiederaufnahme der Forschung. Die neuen Methoden konnten demnach Verbindungen zu Kulturen an der Golfküste, in Nordmexiko und bis in den Süden der heutigen USA aufzeigen, betont die Expertin. (Quellen: INAH, National Geographic, Britannica) (bme)

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