Weil dem Mint-Campus in Dachau wichtige Fördergelder des Landkreises und der Gemeinden wegbrechen, steht dessen Zukunft auf wackeligen Beinen. Der Förderverein des Schülerforschungszentrums will die Finanzierung nun auf eigene Beine stellen – und sucht dafür dringend Unterstützer.
Dachau – Lötkolben, Lego-Roboter, Drechselbänke, 3D-Drucker: In den Holz-, Metall- und IT-Werkstätten des Mint-Campus Dachau gibt es alles, was das Tüftlerherz begehrt. Seit 2015 können Kinder und Jugendliche im Schülerforschungszentrum experimentieren und ihre naturwissenschaftlichen und handwerklichen Talente entdecken. Das Ziel: Fachkräfte für die Zukunft in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (Mint) zu gewinnen. Doch damit könnte bald Schluss sein. Denn: Die angespannte Finanzlage der Gemeinden und des Landkreises erfordert Sparmaßnahmen, die vor allem freiwillige Leistungen betreffen – so auch die finanzielle Unterstützung des Mint-Campus Dachau. „Das ist ein herber Rückschlag für uns“, sagt Ulrich Dachs, Kreishandwerksmeister und zweiter Vorsitzender des Fördervereins Mint-Campus.
Normalerweise erhält das Schülerforschungszentrum rund 60 000 Euro pro Jahr an Fördergeldern. „In diesem Jahr wird es wohl nur ein Bruchteil davon sein“, sagt er. Der Haushalt von rund 100 000 Euro für das Jahr 2024 sei zwar weitgehend gedeckt; aktuell fehlen allerdings noch rund 7000 Euro. Doch für das kommende Jahr sehe es nach aktuellen Schätzungen nicht gut aus, erklärt Dachs. Obwohl der Förderverein den Trägerverein in den vergangenen sieben Jahren mit rund 100 000 Euro unterstützt hat, betont der Fördervereinsvorsitzende, dass es ohne die Unterstützung des Landkreises „schwierig“ werde.
Mint-Campus wichtig für die langfristige Gewinnung von Fachkräften
Damit auch in Zukunft Schüler ab der dritten Klasse ohne Notenzwang experimentieren, erfinden und tüfteln können, möchte der Mint-Campus die Finanzierung nun auf eigene Beine stellen – unabhängig von öffentlichen Fördermitteln. Deshalb wurde jetzt als erster Schritt eine Crowdfunding-Kampagne, also eine Schwarmfinanzierung, gestartet. Noch bis zum 5. Juli besteht die Möglichkeit, den Förderverein mit Spenden auf der Seite der Volksbank Raiffeisenbank Dachau zu unterstützen. Das erste Ziel: 4250 Euro. „Eigentlich ist aber das Zehnfache notwendig“, betont der Kreishandwerksmeister.
Dass die Arbeit am Mint-Campus aber unbedingt weitergehen müsse, betonte auch Peter Fink, Vorsitzender des Fördervereins und ehemaliger Vorsitzender des IHK-Regionalausschusses Dachau. Schließlich sei das Forschungszentrum ein entscheidender Bestandteil bei der Gewinnung und Sicherung von Fachkräften im Landkreis. „Außerdem profitieren die Unternehmen davon, dass die Jugendlichen schon vor der Ausbildung beispielsweise mit dem Lötkolben umgehen können und nicht bei Null anfangen müssen“, betont er.
Jugendliche erwerben grundlegende handwerkliche Fähigkeiten
Deshalb will der Förderverein künftig noch enger mit Unternehmen aus der Region zusammenarbeiten – auch in Form von Fördermitgliedschaften. „Immer mehr Ausbildungsplätze im Landkreis bleiben unbesetzt“, erklärt Fink. Gerade für Unternehmen aus dem naturwissenschaftlichen und handwerklichen Bereich sei es daher sinnvoll, eine enge Partnerschaft mit dem Campus einzugehen, um qualifizierte Auszubildende zu gewinnen.
„Am Mint-Campus erwerben Mädchen und Jungen grundlegende handwerkliche Fertigkeiten wie den sicheren Umgang mit Lötkolben oder 3D-Druckern“, erklärt Eva Rehm, Projektleiterin des Mint-Campus. „Zudem haben sie hier die Möglichkeit, zu programmieren, zu schweißen oder zu drechseln.“
Im vergangenen Jahr haben allein 6000 Kinder und Jugendliche im Schülerforschungszentrum experimentiert und getüftelt. Die Nachfrage ist enorm. „Das Angebot richtet sich an alle Schüler ab der dritten Klasse. Auch Förderschüler besuchen die Forschungseinrichtung“, erklärt Rehm. Ohne Spendengelder und Fördermitgliedschaften könnte die erfolgreiche Arbeit des Schülerforschungszentrums allerdings bald Geschichte sein.
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