Es ist die Nacht, in der Menschen weltweit auf ein besseres Jahr hoffen. In der Ukraine aber kommt der Krieg direkt in die Neujahrsfeiern. Russland und die Ukraine werfen sich zum Jahreswechsel gegenseitig gezielte Angriffe auf Zivilisten vor, so „Reuters“.
Moskau spricht von einem tödlichen ukrainischen Drohnenangriff auf ein Hotel und ein Café in Khorly, einem von Russland besetzten Ort in der südukrainischen Region Cherson. 24 Menschen seien getötet und mindestens 50 verletzt worden, so das russische Außenministerium laut „AP“.
Russland spricht von „Kriegsverbrechen“, Ukraine von über 200 Drohnen
Der von Russland eingesetzte Regionalchef Wladimir Saldo sagt, drei ukrainische Drohnen hätten eine Neujahrsfeier in Khorly getroffen. Es habe sich um einen „gezielten Schlag gegen Zivilisten“ gehandelt, viele Menschen seien „bei lebendigem Leib verbrannt“, so Saldo laut „Reuters“.
Die Vorsitzende des Föderationsrats, Walentina Matwijenko, erklärt, der Angriff „stärkt“ den russischen Willen, seine Ziele im Krieg schneller zu erreichen, so „AP“.
Kiew äußert sich nicht konkret zu dem Angriff auf das Hotel, betont aber, grundsätzlich nur militärische und Energieziele anzugreifen, so „Reuters“. Gleichzeitig berichtet die Ukraine selbst von massiven russischen Luftangriffen.
Selenskyj: „Russland bringt an Neujahr absichtlich den Krieg“
Ukraines Präsident Wolodymyr Selenskyj schildert die Nacht als beispiellose Angriffswelle. „An Neujahr bringt Russland absichtlich den Krieg. Über 200 Angriffsdrohnen wurden in der Nacht auf die Ukraine abgefeuert“, schreibt er auf Telegram, so „Reuters“.
Getroffen worden sei Energie-Infrastruktur in sieben Regionen, was erneut zu Stromausfällen und Angst in der Bevölkerung geführt habe. Selenskyj warnt, die Angriffe zeigten, dass sich sein Land keine Verzögerungen bei der Luftverteidigung leisten könne. Man erwarte, „dass alles, was mit den Vereinigten Staaten Ende Dezember für unsere Verteidigung vereinbart wurde, rechtzeitig eintrifft“, so Selenskyj laut „Reuters“.
Nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe seien 176 von 205 Drohnen abgeschossen oder gestört worden, dennoch habe es 24 Treffer an 15 Orten gegeben, so „AP“.
Friedensgespräche „zu 90 Prozent“ – doch das letzte Stück entscheidet alles
Während an der Front Menschen sterben, sprechen Politiker von Fortschritten auf dem diplomatischen Parkett. In seiner Neujahrsansprache sagt Selenskyj, ein Friedensabkommen sei „zu 90 Prozent fertig“, doch die restlichen 10 Prozent würden „das Schicksal des Friedens, das Schicksal der Ukraine und Europas bestimmen“, so „AP“.
Laut „Reuters“ finden parallel intensive Gespräche statt, die unter anderem von US-Präsident Donald Trump begleitet werden. Sein Sondergesandter Steve Witkoff spricht auf X von einem „produktiven“ Austausch mit Sicherheitsberatern aus Großbritannien, Frankreich, Deutschland und der Ukraine über Sicherheitsgarantien und Mechanismen, um neue Eskalationen zu verhindern.