Wegen des Klimawandels drohen mehr Wald- und Feldbrände. Die Plattform Red Farmer soll Landwirte und Feuerwehr vernetzen.
Riedersheim – Zusammenhalten und durch Vernetzung Lösungen und Alternativen finden: So lautete das Motto bei der Ortsobmännertagung des Bayerischen Bauernverbands Erding–Freising. Der Ladung von Kreisobmann Jakob Maier waren rund 50 Landwirte ins Gasthaus Prostmeier im Bockhorner Gemeindeteil Riedersheim gefolgt.
Hilfe von den Bauern erhofft sich Kreisbrandinspektor Richard Obermaier. Dank des Klimawandels sei in den folgenden Jahren mit immer mehr Hitzeperioden und Dürre zu rechnen, ist den Feuerwehren bewusst: „Und da werden wir irgendwann dann das Problem kriegen, dass wir größere Flächenbrände oder Waldbrände bekämpfen müssen.“
Deshalb habe man sich bereits vor einem Jahr hingesetzt für ein Vegetationsbrandkonzept, das man derzeit erweitere. Dabei will der Feuerwehrverband nun auch mit dem Bauernverband zusammenarbeiten. Die Feuerwehr sei zwar gut ausgerüstet „aber wenn alles zusammenkommt, dann brauchen wir die Landwirte. Die haben Gerätschaften, davon können wir nur träumen“, so Obermaier. Und bei großen Flächen mache es eben einen Unterschied, ob die Feuerwehr mit ihrem 3000-Liter-Wassertank anrückt oder der Bauer 20 000 Liter Wasser transportieren kann.
Auch die Fahrzeuge, Ressourcen und Gerätschaften, vom Güllefass bis zum Pflug, können im Ernstfall hilfreich sein – ganz zu schweigen von der Ortskenntnis der Landwirte. Deshalb wirbt Obermaier für die Plattform „Red Farmer“. Dort sollen sich die Bauern registrieren und ihre Daten angeben. Diese werden dann wiederum weitergegeben an die Leitstellen.
Satellitenbilder für Düngearbeiten
Bei Bedarf würden die dann nicht nur die Feuerwehren, sondern auch den anliegenden Landwirt alarmieren, sodass der mit der Feuerwehreinsatzleitung zusammenarbeiten kann. Das Projekt läuft bereits in Oberbayern und weite sich nun auf die einzelnen Landkreise aus.
Ebenfalls referierte Landwirt Ludwig Aigner aus Altham (Stadt Erding). Zusammen mit seiner Frau Kathi hatte er 2022 den Stall des Familienbetriebs in einen Stall für über 300 Strohschweine angepasst. Eine hohe Investitionssumme, doch damit steigerte sich auch das Tierwohl erheblich. Und sein Plan scheint aufzugehen, berichtete er zufrieden. „Das war schon interessant, einmal zu hören, welche anderen Haltungsformen es auch noch gibt“, bestätigte Kreisobmann Maier.
Wie das Thema Düngung sowohl für die Landwirte als auch den Trinkwasserschutz effizienter werden kann, beschäftigt Martin Mittermayer von der Technischen Universität München. Mit dem Startup-Unternehmen YieldXperts hofft er, dass die Bauern künftig weg von Auflagen nach dem Gießkannenprinzip hin zu punktgenauen Vorgaben kommen. „Die Menge Nitrat, die ins Grundwasser kommt, kann innerhalb von einer Fläche komplett unterschiedlich sein“, erklärte er.
Dementsprechend sei auch er froh über die Gerichtsentscheidung im vergangenen Oktober. Zuvor gab es Gebiete namens „rote Flächen“ mit hoher Nitratbelastung im Grundwasser, die strengere Düngevorschriften hatten. Das Urteil führte zu einer vorübergehenden Rückkehr zu normalen Düngevorgaben, bis neue Regelungen geschaffen werden. Mit den Infos, die der Landwirt über Boden und Pflanzenbestand hat, könne man mithilfe von Satellitenaufnahmen individuelle und effizientere Auflagen zum Düngen schaffen.
Doch die Technikpreise sind hoch, gerade bei mittleren bis kleinen Betrieben lohne sich das oft nicht, so Mittermayer. Das Startup wolle daher die Kommunen an den Tisch holen, dass jene für die komplette Gemeinde die Analyse bezahlen und die Ergebnisse allen Landwirten kostenlos zur Verfügung stellen. „Das ist eine Gemeinschaftsaufgabe.“
Ein Dankeschön an Anton Mitterer
Den ersten Vortrag des Tages hatte Karin Deischl gehalten, Fachbereichsleiterin vom Veterinäramt in Erding. Sie gab einen Rundumblick über den aktuellen Stand bei Vogelgrippe, Blauzungenkrankheit, Maul- und Klauenseuche sowie bei der afrikanischen Schweinepest.
Mit einem kleinen Präsent ehrten Maier und sein Vize Bernhard Hartl noch Anton Mitterer. Er war von 1990 bis 2025 am Amt für Landwirtschaft Pflanzenbauberater und für die Lehrlingsausbildung zuständig. Bei dem Termin ging es auch um das weitere Vorgehen der Stadt Erding mit der Krähenplage (Bericht folgt).