Ein zweistelliger Millionenbetrag floss in die Modernisierung der größten Therme Europas. Sechs Gärtner kümmern sich um rund 23.000 Pflanzen.
Erding – Sie verstehe die Frage nicht, meinte die Frau aus Potsdam. Natürlich sei sie Stammgast in der Therme Erding. Ein, zwei Mal im Jahr gönne sie sich dies, und „ja, die alte Grotte vermisse ich ein bisschen“. Das war die einzige Kritik, die sie hatte an ihrem Bad, das in 24 Novembertagen während des laufenden Betriebs umgebaut wurde. „So hell, so spektakulär, und so viele Blumen“, fasste sie zusammen. Therme-Geschäftsführer Marcus Maier ging während einer Pressekonferenz genauer ins Detail.
Umbau der Therme Erding sei eine logistische Herausforderung gewesen
Dass der Umbau in so kurzer Zeit gelang, war eine logistische Herausforderung. „Zeitgleich waren teilweise über 160 Mitarbeiter auf der Baustelle“, erzählt Maier. Investiert wurde dabei ein zweistelliger Millionenbetrag, aber das sind ja die üblichen Dimensionen der größten Therme Europas. 2023 wurde der 30-millionste Gast begrüßt. „Gestern habe ich ausgerechnet, dass wir ab 2028 den 40-millionsten Gast haben werden“, so Maier.
Ein zentraler Impuls für die Neugestaltung kam von Dr. Robert Hanea, dem Betreiber der Therme Bukarest. Nach der Übernahme im vergangenen Jahr sei beschlossen wurden, „dass wir den Mittelbereich ein wenig upgraden“. Dieser sei „ein wenig in die Jahre gekommen – wie ein alter BMW“, so Maier. Heraus kam ein Facelifting: 550 Quadratmeter sogenannte Greenwalls mit Pflanzen, große Screens und ein komplett neu gestalteter Beckenkopf. „Der war früher weiß und ist nun ein grüner Naturstein“, erklärte Maier.
Wo früher die Grotte war, befindet sich jetzt eine große Poolbar. Hinzu kommen ein neuer Duschbereich, das größte Kältebecken Europas sowie drei neue Saunen. Insgesamt wurden rund 23.000 Pflanzen verbaut, darunter etwa 2300 Orchideen. „Die müssen alle zwei bis drei Monate ausgewechselt werden und kommen aus Holland“, sagte Maier. Statt eineinhalb Gärtnern wie vor der Übernahme arbeiten inzwischen sechs fest angestellte Gärtner in der Therme.
Nachfrage der textilen Sauna in der Therme Erding wird immer größer
Neu ist auch die stärkere Verbindung von Kunst und Wellness. „Wir haben hier zum ersten Mal das Thema Kunst und Therme verrückt“, so Maier. Gäste könnten Werke sehen, „die man sonst nur im Museum, irgendwo in New York oder sonst auf der Welt sieht“. Im Außenbereich fallen 38 mechanische Blüten ins Auge – in Gedenken an den verstorbenen Thermenvater Josef Wund, der 1938 geboren wurde.
Überarbeitet wurde außerdem der Jungbrunnen-Bereich. Dazu erzählte Maier eine Anekdote mit Markenbotschafter Thomas Müller. „Wir wollten dort ein Fotoshooting mit ihm machen, aber die Location war einfach nicht mehr schön genug.“ Statt der früheren „Sinnesreise, die nicht unbedingt ein Geniestreich war“, so Maier, wurde der Beautybereich deutlich vergrößert.
Große Bedeutung misst Maier dem textilen Saunen bei. „Wir merken, dass die Nachfrage größer wird, weil viele unterschiedliche Kulturen mittlerweile in ganz Deutschland wohnen“, sagte Maier. Und auch viele junge Gäste wollten sich nicht vollständig ausziehen. Rund 350.000 Gäste besuchen inzwischen den textilen, etwa 500.000 den textilfreien Saunabereich., wie Maiers Kollegin Jaqueline Plan ergänzte. „Wir haben komplett umgestellt auf ätherische Öle und reine Kräuter“, sagte sie. Neu seien zudem die Massagebetten mit Wasserdruck, eine Idee aus der Therme in Bukarest, die ebenfalls Hanea betreibt. Auf Solarien werde künftig verzichtet, klassische Massagen bleiben im Angebot.
Weitere Pläne in der Therme Erding: Zwei Dampfbäder und Veranstaltungen
Der Blick geht bereits nach vorn. Geplant sind zwei zusätzliche Dampfbäder sowie Veranstaltungen wie die „Lange Nacht der Saunen“ oder ein Rutschenfestival. „Der Schwerpunkt wird aber immer auf Wellness gehen“, betonte Maier. Jetzt liege erstmal der Fokus auf dem neuen Kelohaus. Einen konkreten Zeitplan für diese nordische Sauna gebe es noch nicht, „aber es soll auf alle Fälle in der ersten Jahreshälfte entstehen“, wie Plan sagte. Der Start im Frühjahr hänge auch vom Architekten aus Finnland ab.
Mit rund 4000 Liegen, etwa 650 direkt bei der Therme Beschäftigten und weiteren 350 Mitarbeitern bei Vertragspartnern bleibt die Therme Erding auch personell konstant. Die Ticketpreise würden wegen des Umbaus nicht erhöht. Wenn, dann geschehe dies wie bisher rein bedingt durch die üblichen Preissteigerungen, so Plan.