Die Millionen-Hilfe für Venetiens Malghe reicht nicht aus. Der Gemeinderat warnt vor Kollaps der 500 Almbetriebe. Sie brauchen einen „Rettungsring“.
Asiago – Neue Hygiene- und Sicherheitsvorschriften, Energieeffizienz-Standards und technologische Innovationen bringen Venetiens jahrhundertealte Almbetriebe an ihre Grenzen. Hinzu kommen Probleme mit Wölfen, die das Vieh bedrohen. 500 sogenannte „Malghe“ in der italienischen Region kämpfen ums Überleben – und eine Million Euro Hilfe der Regionalverwaltung könnte bei Weitem nicht ausreichen, um die traditionellen Betriebe vor dem Kollaps zu bewahren.
„Mayday, mayday! Wir ertrinken! Wir brauchen einen Rettungsring“, kommentiert Nicola Rossi, Stadtrat von Asiago, die aktuellen Entwicklungen verzweifelt auf Social Media. Seine Worte treffen den Kern eines Problems, das weit über die Grenzen seiner Gemeinde hinausreicht. Denn die kleinen Malghe von Italiens Almen, in denen seit vielen Generationen traditionell Käse produziert wird, stehen vor dem Kollaps.
Moderne Anforderungen treiben Kosten in die Höhe
Die Almhütten sind zweifellos ein wichtiges Symbol für die Bergwelt Venetiens: Sie sind nicht nur Orte der Käseherstellung, sondern auch Stätten der Kultur, der Landschaft und der Gemeinschaft. Doch die steigenden Anforderungen an Hygiene, Sicherheit und Energieeffizienz stellen die kleinen Gemeinden, die diese Kosten tragen müssen, vor immer größere Herausforderungen, berichtet das regionale Nachrichtenportal Regione Veneto.
Mit der Verabschiedung einer neuen regionalen Ausschreibung will Venetien die technologische, gesundheitliche und strukturelle Erhaltung der Almhütten nun unterstützen. Die Region Venetien hat Ende Juli 2025 ein Förderprogramm von über 1.055.561,44 Euro genehmigt, so das Nachrichtenportal weiter.
Das Geld stammt demnach aus dem Fonds für die Entwicklung der italienischen Berge (FOSMIT) und soll die traditionellen Malghe unterstützen. Antragsberechtigt für die Förderung sind Gemeinden, Berggemeinschaften und andere öffentliche Eigentümer von Almbetrieben in den Bergen.
Fördersumme reicht nur für wenige Betriebe
Stadtrat Rossi zufolge zeige diese Ausschreibung zwar endlich ein Interesse an der Realität der Almwirte, das viele Jahren gefehlt hatte. Jedoch werde der Betrag unzureichend und laufe Gefahr, rein symbolisch zu bleiben. „Wahrscheinlich werden von allen nur weniger als zehn Malghe die Finanzierung erhalten“, erklärt Rossi gegenüber dem Nachrichtenportal Il Dolomiti.
Der maximale Förderbetrag pro Struktur liege bei 200.000 Euro – ein Betrag, der angesichts der enormen Sanierungskosten schnell aufgebraucht sei. Die Gemeinde Asiago nehme jährlich etwa 80.000 Euro durch die Verpachtung ihrer Malghe ein. Für die komplette Sanierung einer einzigen Malga investierte sie jedoch stolze 250.000 Euro.
Systematischer Ansatz nötig für Erhalt des Kulturerbes
„2024 bis 2025 haben wir mehr als 500.000 Euro in die Malghe investiert“, so Rossi gegenüber Il Dolomiti . Diese seien dabei mehr als nur Molkereien. Sie produzieren Qualitätslebensmittel mit kürzester Lieferkette, schaffen Arbeitsplätze, ziehen den Italien-Tourismus an und tragen dazu bei, das soziale Gefüge der Berge lebendig zu halten.
Rossis Warnung ist daher eindringlich: „Die Malghe sind ein kostbares Erbe, das geschützt werden muss“. Bis zum 29. September 2025 können Anträge per PEC an die Region gestellt werden. Doch selbst wenn alle 500 Malghe Anträge stellen würden, könnte nur ein Bruchteil von ihnen gefördert werden. Ein systematischer Ansatz sei daher nötig, um dieses alpine Kulturerbe für künftige Generationen zu bewahren, so der Stadtrat. (nana/kiba) (Quellen: Regione Veneto, Il Dolomiti)