Begrünung von Windenergie-Standorten: Aiwangers Idee wird am Starnberger See in Pilotprojekt umgesetzt

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Artenreiches Nutzgelände: An einer Windenergieanlage in Berg präsentierten Martin Neumeyer (Bayerische Staatsforsten), Staatsminister Hubert Aiwanger, Emil Hudler (Forstbetrieb München), Alexander Rumpel (Bayerische Staatsforsten) und Korbinian Müller vom Wirtschaftsministerium (v.l.) das Pilotprojekt der Bayerischen Staatsforsten zur Begrünung. © Straub

Das Wetter war perfekt am Mittwoch (3. September), um Medienvertretern vor Ort in der Gemeinde Berg zu zeigen, wie pflanzenreich eine Nutzfläche an einem Windenergie-Standort gestaltet werden kann. Staatsminister und stellvertretender Ministerpräsident Hubert Aiwanger (Freie Wähler) präsentierte die Umsetzung seiner Idee an der zweiten von insgesamt vier Windenergieanlagen des dortigen Bürgerwindprojekts im Wald zwischen Autobahn und Starnberger See.

Berg – Die ökologische Aufwertung des Windenergie-Geländes wurde in den Wadlhauser Gräben in Berg in Form eines Pilotprojekts durchgeführt und wird künftig verpflichtend auf den Flächen der Windkraftanlagen im Staatswald vorgesehen, so Martin Neumeyer, Vorstandsvorsitzender der Bayerischen Staatsforsten. Rund einhundert gibt es dort, 500 sollen bis 2030 noch gebaut werden. Zudem soll das Projekt Schule machen, so der Staatsminister für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie, der auch in der Funktion des Aufsichtsratsvorsitzenden der Bayerischen Staatsforsten in den Landkreis Starnberg kam: Die Flächen privater Betreiber sollen ebenfalls mit heimischen Pflanzen ökologisch aufgewertet werden und damit Lebensraum werden für Tiere, die in den umliegenden dunklen Fichtenwäldern keine Chance haben.

Niedriger blühreicher Pionierrasen wurde angelegt, mit der Vorgabe, dass im Bedarfsfall auch weiterhin ein Kran auf das Gelände fahren kann. Zudem wurde an der 2015 in Betrieb genommenen Anlage am Waldrand eine vielfältige Baum- und Strauchvegetation geschaffen mit ausschließlich naturraumtypischem, gebietsheimischem Saatgut.

Areale um Windkraftanlagen in Berg ökologisch aufgewertet

An zwei Windenergie-Anlagen in Berg ist durch das bundesweit einmalige Pilotprojekt bereits viel heimisches Grün und zugleich Lebensraum für Vögel, Insekten und andere Tiere entstanden. „Keine öde Fläche“ soll nun auch der Raum um weitere Windkraftanlagen bleiben. Erreicht werden soll das durch artenreiches Saatgut auf magerem Boden sowie an den Waldrändern durch abgestufte, einsäumende Bepflanzung mit Bäumen und Büschen.

In Berg waren am Rand beispielgebend zahlreiche Lärchen zu bewundern, dazu Weißdorn, Schlehdorn, Berberitze. Es sollen „lebendige Böden“ entstehen, so Neumeyers Wunsch. Die Begrünung trage auch dazu bei, dass sich die Schotterflächen nicht so stark aufheizen und somit keine Gefahr mehr für den umliegenden Wald darstellen.

Windenergieanlagen in Wäldern „eine Chance für die Ökologie und für den Artenreichtum“

Alles andere als „eine ökologische Katastrophe“, wie behauptet werde, seien Windkraftanlagen in Wäldern, sagte Wirtschaftsminister Aiwanger. Vielmehr seien ihre Standorte „eine Chance für die Ökologie und für den Artenreichtum“. Denn auf den Flächen der Bayerischen Staatsforsten, auf denen rund einhundert Windenergieanlagen betrieben werden, könne kein monotoner Fichtenwald entstehen, jedoch eine abwechslungsreiche Pflanzenwelt und Lebensraum für Tiere. Pro Windrad werde ein Areal von 10.000 Quadratmetern benötigt, die Hälfte davon werde nun mit Pflanzen versehen, die im Hochwald keine Chance hätten, so der Staatsminister. Auch abgelegte Wurzelstöcke sollen dort Lebensraum für Tiere werden, kleine Tümpel könnten folgen, so seine Idee. Auch Anflugsamen darf wachsen. Viele Tiere fühlten sich indem neuen Lebensraum wohl, Igel und Ameisen etwa, Schmetterlinge, Libellen, Hummeln und Bienen, die im dunklen Wald keine Blühflächen finden. Auch Blindschleichen und Ringelnattern.

Windenergie-Gelände: „Ökologische Nische“

Aiwanger glaubt, dass die in diesem Frühjahr angepflanzten Blühstreifen bereits im kommenden Jahr ihre volle Blüte entfalten. Von einem ökologischen Nischenprojekt sprach er im Wald von Berg. Auch was PV-Freiflächenanlagen betreffe, die für Wildtiere geöffnet würden.

In den vergangenen Jahren seien die Rodungsflächen in Berg teils mit Lärchen und vielen weiteren Baumarten aufgeforstet worden, berichtete Emil Hudler, der Leiter des Forstbetriebs München. Heute seien in dem geschaffenen stufigen Anstieg zum Wald bereits viele Wildfährten und Ameisenhäufen zu finden. 60 heimische Arten seien in Form eines Trockenrasens gesät worden. Durch die Maßnahme seien Betreiber der Windenergieanlagen nicht eingeschränkt. Das Gelände sei weiterhin befahrbar und gut einsehbar und die Kosten für die Begrünung sei bezahlbar. Aiwanger bezifferte sie auf 1.000 bis 5.000 Euro. Intelligentes Flächenmanagement attestierte Alexander Rumpel von den Bayerischen Staatsforsten dem Projekt. Das Saatgut stamme von einem Familienbetrieb aus Freising, die Maßnahme könne auf viele Flächen ausgedehnt werden. str

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