Die schlimmsten Überschwemmungen seit 70 Jahren mit 300 Liter Regen pro Quadratmeter verwüsten Ibiza. Betroffene bangen um ihre Existenzen.
Ibiza – Das Wasser schoss wie ein reißender Fluss durch die Straßen von Ibiza. Anwohner und Geschäftsinhaber sahen hilflos zu, wie braune Wassermassen ihre Häuser und Läden verwüsteten. Zum Monatswechsel und dem ersten Oktobertag wüteten die wohl schlimmsten Unwetter seit über 70 Jahren auf der beliebten Baleareninsel.
„Für mich wirkt das wie im Horrorfilm“, sagt eine Anwohnerin im Gespräch mit ntv. Sie habe Ibiza noch nie so gesehen: „Drei Stunden Dauerregen. Ich hab mir nur gedacht: Oje, wann hört das jetzt eigentlich auf?“ Mittlerweile sind die heftigen Regenfälle abgeklungen. Die Verwerfungen dürften für die Menschen vor Ort aber noch länger spürbar sein.
Heftigste Unwetter seit Jahrzehnten stürzen Baleareninsel Ibiza ins Chaos
Verantwortlich für die historischen Unwetter auf Ibiza waren Ausläufer des Ex-Hurrikans „Gabrielle“. In Ibiza-Stadt fielen am Dienstag (1. Oktober) innerhalb von 24 Stunden 254 Liter Regen pro Quadratmeter – eine Menge, die laut dem spanischen Wetterdienst Aemet mehr als die Hälfte des üblichen Jahresniederschlags ausmacht. „Auf Ibiza war es der regenstärkste Tag mindestens seit (Beginn der Messungen im Jahr) 1952“, erklärte Aemet in seiner Unwetterbilanz.
Die Wassermassen verwandelten die beliebte Urlaubsinsel in ein Katastrophengebiet. Am Flughafen wurden 174 Liter pro Quadratmeter gemessen – ebenfalls ein Rekordwert seit Beginn der Aufzeichnungen. Die Behörden registrierten knapp 200 wetterbedingte Notfälle, darunter Überschwemmungen, Erdrutsche und umgestürzte Bäume. Der folgenschwerste Vorfall ereignete sich an einem Hotel in Eivissa, wo ein Felssturz drei Menschen leicht verletzte. Die betroffene Hotelkette Vibra musste rund 220 Gäste evakuieren und in einer anderen Unterkunft unterbringen.
„Weiß nicht, ob ich weitermachen kann“ – Geschäfteinhaber nach Unwettern auf Ibiza verzweifelt
Die Wassermassen überforderten die Infrastruktur der Baleareninsel völlig. Jordi Grivé, Stadtrat für Umwelt und Reinigung, erklärte dem Diario de Ibiza zufolge resigniert: „Es wären fünf Regenrückhaltebecken nötig gewesen. Die Infrastrukturen sind nicht darauf ausgelegt, solche Mengen zu bewältigen.“
Am Tag nach der Katastrophe bot sich ein Bild der Verwüstung. „Kein Geschäft ist verschont geblieben. Und das, was verschont blieb, war ein Wunder“, beschreibt ein Augenzeuge die Lage in Ibiza-Stadt gegenüber der lokalen Tageszeitung. Überall stehen Geschäftsinhaber knietief im Schlamm und versuchen zu retten, was zu retten ist. Die Straßen seien voller Menschen, die einander helfen.
Eine Unternehmerin, die erst vor drei Monaten ihren Laden eröffnet hatte, kämpfte mit den Tränen: „Ich weiß nicht, ob ich weitermachen kann.“ Das Wasser stand einen halben Meter hoch in ihrem Geschäft. Wie sie kritisieren viele Betroffene, dass die Warnung zu spät kam. Die rote Alarmstufe sei erst ausgerufen worden, als das Wasser bereits durch die Straßen rauschte, beklagen manche Betroffene laut Diario de Ibiza. Ein rechtzeitiges Errichten von Schutzbarrieren sei dadurch nicht möglich gewesen. (Quellen: ntv, afp, dpa, Aemet, Diario de Ibiza) (jm)