Am Supervulkan bei Neapel scheint seit einigen Tagen der Asphalt zu kochen. Ursache sind vermutlich heiße Dampfquellen, die ihre Bahn verlagern. Die Angst ist groß.
Pozzuoli/Neapel – Eine neue Entwicklung sorgt in der Roten Zone des Supervulkans der Phlegräischen Felder zwischen Neapel und der Hafenstadt Pozzuoli im Süden Italiens für Aufregung. Der Asphalt der auch von Touristen gerne genutzten Solfatara-Straße scheint zu schmelzen und zu kochen. Es handelt sich um die Via Antiniana, eine der Hauptstraßen, die am Krater und dem Berg Gauro entlangführt. Bilder und Videos der deformierten Straße wurden am Dienstag und Mittwoch (30. September/1. Oktober) auf verschiedenen Social-Media-Kanälen veröffentlicht. „Solche Ereignisse finden statt, wenn ein etablierter Aufstiegskanal blockiert wird. Dann suchen sich das Wasser und die Gase neue Wege an die Oberfläche“, erklärt ein Facebook-User.
Viele Bürger befürchten, dass dieses Phänomen mit dem Bradyseismus der Phlegräischen Felder, der Boden-Hebung und den damit verbundenen Erdbeben zusammenhängt. Die Hitze der aus dem Untergrund aufsteigenden Gas- und Thermalquellen - den Fumarolen - wird dafür verantwortlich gemacht. Deren Temperaturen haben in einigen Gebieten 160 °C überschritten. Es ist allerdings nicht das erste Mal, dass die Via Antiniana von Erdrutschen betroffen ist.
Immer mehr Beulen und Löcher im Asphalt und gestiegene Temperaturen alarmieren Bevölkerung
Auch in den Jahren zuvor kam es bereits zu Erdfällen an den Straßen, doch in den letzten Monaten scheint sich das Phänomen verstärkt zu haben, schreibt das Portal Fanpage.it. So brach schon am 5. Juni in der Via Antiniana kurz nach einem Erdbeben der Stärke 3,2 ein Erdloch auf, aus dem eine Schwefelfumarole austrat. Die Gemeinde Pozzuoli erklärte jedoch damals, die Ursache sei „auf einen geplatzten Kanaldeckel zurückzuführen. Es gab weder ein Erdloch noch ein Absacken der Straße.“
Angesichts der jüngsten Verformungen der Straße, an denen Blasen auftraten, hat das Vesuv-Observatorium des INGV (Nationales Institut für Geophysik und Vulkanologie) beschlossen, eine eingehende Untersuchung durchzuführen. Auf Anfrage von Fanpage.it kündigte das Observatorium an, ein Team von Technikern zu entsenden, um die Situation auf der Via Antiniana zu analysieren.
Private Gruppe erforscht das Phänomen - auch die Staatliche Warnzentrale greift ein
Auch das Team von Solfatara News, eine Gruppe engagierter Bürger, die die Phlegräischen Felder beobachten sowie eine Leidenschaft für Fotografie und Spezialausrüstung wie Drohnen und Wärmebildkameras haben, will das Phänomen untersuchen. Die bereits von ihnen gesammelten Fotos und Videos sind auf ihrem YouTube-Kanal zu sehen.
„Wir sind Bürger der Region Solfatara“, erklärten sie gegenüber Fanpage.it. „In der Vergangenheit kam es in regelmäßigen Abständen von drei bis vier Jahren zu verschiedenen Absenkungen der Straße. Jetzt haben wir jedoch festgestellt, dass sich das Phänomen verstärkt hat. Der Asphalt sieht fast so aus, als würde er schmelzen. Deshalb wollten wir einige Aufnahmen mit Wärmebildkameras machen.“
Neue Wärmebilder zeigen ein beunruhigendes Bild vom Untergrund am Vulkankrater
Bei der Gruppe handelt es sich nicht um Wissenschaftler. „Wir wollen keine Beunruhigung auslösen“, so Solfatara News weiter. „Wir produzieren unsere Videos, um die Menschen zu informieren und zu beruhigen. Und wir sind überzeugt, wie uns offizielle Quellen wiederholt erklärt haben, dass in den Phlegräischen Feldern keine unmittelbare Gefahr besteht. Als Bürger vor Ort beobachten wir die Entwicklung der Situation jedoch selbstverständlich aufmerksam“, erklären die Macher. Wärmebilder von der Straße zeigen auf jeden Fall eine deutliche Erhitzung des Bodens an der Stelle der Blasen.
An der Messstelle des INGV im Solfatarakrater ist die Temperatur von vorletzter Woche um ein Grad auf 166 Grad gestiegen. Gleichzeitig hatte sich die Bebenaktivität aber reduziert. In der vorigen Woche wurden nur 35 Erdstöße gemeldet, in der Woche zuvor waren es mit 76 mehr als doppelt so viele. Die Bodenhebung scheint sogar in der Vorwoche eine Pause eingelegt zu haben. Die Anwohner sind wegen der Blasen im Asphalt und der steigenden Temperaturen im Boden dennoch sehr beunruhigt: „Die Situation wie diese ist keine positive Situation, in der man Schlaf und friedvolle Träume findet, da die Dinge offensichtlich Tag für Tag schlimmer werden“, schreibt ein Facebook-User. Eine Userin fragt: „Warum evakuieren sie nicht?“ Andere vermuten: „Asphalt von niedriger Qualität, dieser Bereich blubbert seit Jahrhunderten und es ist nie etwas passiert.“
Erst kürzlich hatte ein Forscher gewarnt, dass man sich durchaus auf einen Ausbruch des Supervulkans vorbereiten sollte. Unbeeindruckt von der Krise wurde in Neapel derweil eine neue U-Bahn in die Rote Zone des Supervulkans gebaut. Kürzlich wurde zudem ein großer Hohlraum unter dem Vulkan entdeckt.