Ein Italien-Urlauber hinterfragt das Verhalten einiger Fahrradfahrer und sucht Rat. Viele geben ihm recht. Andere erklären die Hintergründe.
München – Jeder soll nach seiner Façon selig werden, heißt es im Volksmund. Dafür ist Toleranz nötig – und das ist oft leichter gesagt als getan, wie die hitzige Debatte unter einem Facebook-Post zum Thema Fahrradfahrer am Gardasee beweist. Der Verfasser des Posts war sich der Zündkraft seiner Worte bewusst. Trotz des „Verdachts, dass ich negative Kommentare bekomme“, fragte er geradeheraus: „Aus welchem Grund fahren denn so viele Radler am Lago auf der Straße und nicht nebenan auf dem Fahrradweg?“
Gardasee-Tourist stellt provokante Frage zu Radfahrer-Verhalten
Der Gardasee etabliert sich tatsächlich zunehmend als erstklassiges Ziel für Fahrradfahrer und bietet eine perfekte Kombination aus spektakulären Landschaften, herausfordernden Anstiegen und guter Infrastruktur. Fahrradverleihe sind flächendeckend verfügbar, es gibt spezialisierte Bike-Hotels und das ambitionierte „Garda by Bike“-Projekt schafft ein 140 Kilometer langes Radwegenetz rund um den See, das bereits teilweise realisiert ist, wie gardasee.de berichtet. Dazu gehört auch der spektakuläre „hängende Radweg“ zwischen Limone sul Garda und Capo Reamol, der als einer der schönsten Radwege Europas gilt. Das Projekt sieht sich jedoch immer wieder mit Hindernissen konfrontiert.
Nun sind die Radfahrer aber natürlich nicht die einzigen, die Urlaub am Gardasee machen. Und genau hier beginnt das Spannungsverhältnis. Nicht wenige Radler – vor allem Rennradfahrer – ziehen der Aussagen vieler Kommentarschreiber die Straßen nämlich nach wie vor den Radwegen vor. Auf den oft engen Landstraßen werden sie so schnell zum Ärgernis für Autofahrer. Ein Facebook-Nutzer ärgert sich darüber, dass einige Radler „im Tunnel ohne Licht“ fahren „oder an engen Stellen auch gerne mal nebeneinander. Oder vor und in Kurven mittig der Fahrbahn.“
Radfahrer, Fußgänger und Autofahrer – jeder kriegt in der Debatte sein Fett weg
Ein anderer merkt indes an, dass „viele Radwege kombinierte Rad-Fusswege sind. Und Fußgänger neigen dazu, den Verkehr nicht wahrzunehmen und einfach mal zur Seite zu gehen (…) Dann ist die Straße eine sicherere Alternative.“ Er wirft vor allen den deutschen Autofahrern Ungeduld vor. Die Italiener seien hier „geduldiger und rücksichtsvoller“.
Auch bei den Radfahrern beobachtet ein User einen deutlichen Unterschied zwischen den Einheimischen und den Urlaubern: „Bei den italienischen Radfahrern ist das kein Problem. Das sind die deutschen Radfahrer. Die gondeln teilweise von links bis zur Straßenmitte. Die Italiener wissen, wie man dort fährt.“ Dazu merkt ein anderer Kommentar passend an: „Dafür muss man aber nicht an den Gardasee fahren: Das ist doch bei uns Standard.“
Streit zwischen Auto- und Radfahrern am Gardasee: Gegenseitige Rücksichtnahme ist wichtig
Trotz Diskussion mahnen viele Stimmen zur gegenseitigen Rücksichtnahme. „Wenn jeder ein bisschen Rücksicht nimmt, haben alle einen schönen und sicheren Urlaub“, bringt es ein Kommentar auf den Punkt. Dazu gehört zum einen etwas Geduld, wenn man im Auto mal wieder hinter einer Gruppe Rennradler hängt, aber natürlich auch, als Fahrradfahrer wann immer möglich Fahrradwege zu nutzen und ein verkehrssicheres Rad zu haben.
Das schließt eine angemessene Beleuchtung ein. Vor allem Rennradfahrer lassen diese gerne weg, um so Gewicht einzusparen und die Aerodynamik nicht zu beeinträchtigen. Auch in Italien ist Beleuchtung jedoch Pflicht, wie Auto Motor Sport informiert. Wer ohne in einen Unfall verwickelt wird, dem kann nach italienischem Recht eine Mitschuld zugesprochen werden. Wird bei einer Kontrolle festgestellt, dass das Licht fehlt oder nicht funktioniert, drohen zudem Bußgelder von bis zu 102 Euro. (sp)