Vom Mangel an Fachpersonal bis zu umfassenden Umbaumaßnahmen: Der neue Leiter des Weilheimer Bürgerheims hat in den nächsten Jahren große Baustellen zu bewältigen. Seine Freude an der Arbeit schmälert das nicht.
Welche Herausforderungen im Bürgerheim auf ihn zukommen, das weiß der neue Chef ziemlich genau. Denn Richard Stiehle ist ja nicht wirklich neu hier: Der 52-jährige Diplom-Kaufmann arbeitet seit April 2022 in Weilheims städtischem Altenheim, er fungierte als Verwaltungsleiter und als Stellvertreter für Einrichtungsleiter Rainer Schlosser. Mit dessen Ruhestand (wir berichteten) rückt er jetzt in die Gesamtverantwortung und ist ab sofort für rund 170 Mitarbeiter zuständig.
Wurde Stiehle als Verwaltungsleiter vor drei Jahren „ins kalte Wasser geschmissen“, wie er zurückblickt, und das noch dazu unter erschwerten „Corona-Bedingungen“, so hatte er für den neuen Posten nun „eine Super-Einarbeitungszeit“: Über Monate begleitete er seinen Vorgänger bereits bei zahlreichen Terminen, wurde von Schlosser „von Anfang an überall mit eingeführt“. Und er merkte dabei, am richtigen Platz zu sein.
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Von seinen vorherigen Stationen unterscheidet sich dieser Platz doch gewaltig: Richard Stiehle – der in Oderding aufgewachsen ist und 1992 am Gymnasium Weilheim Abitur gemacht hat – war nach seinem Wirtschaftsstudium rund 20 Jahre lang in der Wirtschafts- und Steuerberatung tätig. Er arbeitete bei zwei „mittelgroßen Gesellschaften“ in München und einer kleineren in Miesbach, konnte dabei „in sehr viele Unternehmen reinschauen“. Dann aber wollte er „einfach mal was anderes machen“ – und nahm einen schweren Autounfall auf dem Arbeitsweg als Wink des Schicksals. Stiehle musste lange ins Krankenhaus und auf Reha, hat in dieser Zeit hautnah „Pflege kennengelernt“ und stieß just in der Klinik auf die Stellenausschreibung für die Verwaltungsleitung des Bürgerheims. Damit begann zumindest beruflich ein anderes Leben für den damaligen Endvierziger.
Mitarbeiter brauchen Wohnmöglichkeiten
An der Arbeit im Altenheim schätzt er unter anderem, „wie viel Dankbarkeit und Herzlichkeit man von den Bewohnern zu spüren bekommt“, bei den vielen Festivitäten oder beim Gratulieren zu runden Geburtstagen: „Das macht richtig Spaß, das erfüllt einen.“ Und es stärkt für die großen Herausforderungen, die zu bewältigen sind. Stiehle nennt da zuvorderst den Mangel an Fachpersonal. „Wir müssen so viel wie möglich versuchen, selber auszubilden“, sagt der neue Bürgerheim-Chef, und es gebe dafür auch zahlreiche Bewerbungen aus dem Ausland. Doch für diese Kräfte brauche man Wohnmöglichkeiten, „da müssen wir neue Ideen entwickeln“.
Ein wichtiges Projekt, um Personal langfristig zu halten, sei das gerade entstehende „Mehrgenerationenhaus“ des Bürgerheims an der Bahnhofsgasse. Die rund 20 Wohnungen dort sind voraussichtlich im Sommer bezugsfertig und werden wohl „komplett gefüllt mit Mitarbeitern“. Dieser Neubau auf einem geerbten Grundstück kostet rund sechs Millionen Euro und ist eine der Großbaustellen des Heims – neben dem Umbau des Speisesaals, in den künftig auch das Kaffeestüberl für Bewohner und Besucher integriert wird, und der gesetzlich geforderten Modernisierung von Zimmern und Bädern, die eigentlich bis 2030 abgeschlossen sein muss. Für Letztere sind nicht weniger als zehn Bauabschnitte geplant, um im laufenden Heimbetrieb Zug um Zug jeweils rund 15 Zimmer sanieren zu können.
„Es ist eine Herausforderung“
„Es wird nicht langweilig werden“, fasst Richard Stiehle, der Zeit seines Lebens in Polling wohnt, die Situation als Bürgerheimleiter zusammen: „Es ist eine Herausforderung. Aber auch das macht es interessant.“ Er sei jedenfalls noch keinen einzigen Tag ungern den Arbeitsweg hierher angetreten – für den er übrigens am liebsten das Fahrrad nimmt. „Noch radle ich mit einem Lächeln her“, sagt der 52-Jährige. „Und ich hoffe, das bleibt auch so.“
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Generationswechsel beim Bürgerheimpersonal
Nicht nur Richard Stiehle tritt als Einrichtungsleiter im städtischen Bürgerheim, das über 196 Pflegeplätze und 44 seniorengerechte Wohnungen verfügt, eine neue Position an. Es gibt eine Reihe von Personalien: Als Verwaltungsleiter folgt Martin Stenzer auf Stiehle. Neue Hauswirtschaftsleiterin ist seit Februar Angelika Schuster. Und im Mai steht ein Wechsel in der Pflegedienstleitung an: Maria Margarete Egger geht in Ruhestand, für sie rückt Carina Carow nach; Mandy Rau-Beuerle wird deren Stellvertreterin. Zudem wechseln altersbedingt drei Wohnbereichsleitungen, berichtet Stiehle und spricht von einem Generationswechsel in der Leitung des Bürgerheims: „Ich sehe das eigentlich positiv, so etwas gibt ja auch einen neuen Schub.“ Und der neue Chef des Heims ist überzeugt: „Wir haben mit den neuen Leitungen gute Griffe gemacht.“