Drama um Schwalben: Extremer Wetterumschwung fordert viele tote Vögel – „Geht an die Substanz“

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Der extreme Wetterumschwung bringt große Probleme für manche Vogelarten mit sich. Die starken Niederschläge und der Temperatursturz sind vor allem für Mehlschwalben lebensbedrohlich.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Zu kalt, zu nass und das für diese Jahreszeit zu lange: In den vergangenen Tagen sind im Landkreis viele Schwalben tot aufgefunden worden, dazu gibt es einen Zugstau. Walter Wintersberger, Vorsitzender der Kreisgruppe des Landesbunds für Vogelschutz, erklärt, wie man Vögeln helfen kann.

Durchnässte Vögel auf der Suche nach Unterschlupf. Dieses Bild schickte Paul Nöbauer aus Wackesberg.
Durchnässte Vögel auf der Suche nach Unterschlupf. Dieses Bild schickte Paul Nöbauer aus Wackersberg. © Paul Nöbauer

Herr Wintersberger, der Sommer nahm heuer ein sehr abruptes Ende. Die vergangenen Tage waren ungewöhnlich kalt und nass. Was bedeutet das für die Vögel?

Die verschiedenen Vogelarten können unterschiedlich gut mit den Wetterbedingungen umgehen. Zugvögel beispielsweise können gerade nicht weiterfliegen, weil sie es bei dem Wetter nicht über die Alpen schaffen würden, nun sitzen sie hier fest und sind neben dem Zugstau auch dem Regen und der Kälte ausgesetzt. In Wolfratshausen wurden beispielsweise dieser Tage einige Bienenfresser gesehen, die dort verharren, bis sie weiter in den Süden fliegen können.

Wintereinbruch bedroht Vogelarten: Besonders betroffen sind Mehlschwalben

Aber vor allem Schwalben hat das Wetter hart getroffen, oder?

Ja, besonders Mehlschwalben.

Warum?

Mehlschwalben bauen seit jeher ihre Nester im Außenbereich von Gebäuden und haben daher keinen Instinkt, Schutz in Gebäuden zu suchen. Daher sind sie dieser Tage der Wetterlage mit viel Regen und Kälte total ausgesetzt gewesen. Überdies sind Mehlschwalben reine Insektenfresser und fangen die Insekten fast nur aus der Luft, da haben sie zuletzt fast nichts abbekommen. Jetzt muss man sich vorstellen, dass so eine Mehlschwalbe nur 20 bis 30 Gramm wiegt, wenn die mehrere Tage kein Futter bekommen, geht das schnell an die Substanz.

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Und das ist bei anderen Schwalben anders?

Ja. Beispielweise die Rauchschwalbe. Die brüten vor allem in Gebäuden, oft in Kuhställen. Dort sind sie vor Nässe und der extremen Kälte geschützt. Noch dazu sind dort auch mehr Insekten zu finden, als bei Regen in der Luft draußen.

Beide Schwalbenarten als gefährdet eingestuft

Welche Auswirkungen konnten Sie bereits feststellen?

Wir haben sehr viele Meldungen bekommen, dass ganze Schwärme an Schwalben bestimmte Häuser immer wieder anfliegen. Sie suchen unter Dachvorsprüngen, auf Rollokästen oder anderen geeigneten Ansitzmöglichkeiten Schutz. Meistens sind Häuser an Gewässern betroffen, da die Vögel dort noch am meisten Chancen haben, Insekten zu finden. Ein Mann mit einem Haus am Stausee in Bad Tölz hat uns das beispielsweise gemeldet. Mittlerweile hat er vor seinem Haus schon zehn tote Schwalben gefunden. Sie waren so schwach, dass sie sich nicht mehr festhalten konnten. Uns haben auch schon Meldungen aus Ammerland, vom Ickinger Wehr und einige weitere erreicht.

Hat das bereits Auswirkungen auf die Population?

Beide Schwalbenarten sind auf der Roten Liste Deutschlands als gefährdet eingestuft. Ihr Bestand ist in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen.

Was kann man machen, wenn man eine entkräftete, aber noch lebende Schwalbe am Boden findet?

Man sollte sie ganz vorsichtig nehmen und mit einem Küchenpapier sanft abtupfen. Bestenfalls nimmt man sie mit ins Haus und legt sie in einem Karton auf einem Handtuch auf eine lauwarme – keinesfalls zu heiße – Wärmflasche. So können sie etwas zu Kräften kommen. Keinesfalls darf man die Vögel aufschrecken oder wegscheuchen. In so einem Zustand kann bei dem geringen Gewicht jede Bewegung oder Aufregung über Leben und Tod entscheiden. Wer im nächsten Frühjahr Schwalben mit speziellen kostenlosen Nisthilfen unterstützen möchte, kann sich per Mail an walter.wintersberger@lbv.de wenden.

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