- Im Video: Unbekannte bohren sich in Tresorraum von Sparkasse und hinterlassen Mega-Loch
Nach dem spektakulären Millionen-Coup in einer Gelsenkirchener Sparkassenfiliale sind bei den Ermittlern mehrere Dutzend Hinweise auf die Täter eingegangen. Diesen werde derzeit nachgegangen, sagte ein Polizeisprecher. Zudem wurden Details aus einem internen Ermittlungsbericht der Polizei bekannt.
Polizei prüft Hinweise zu Fluchtfahrzeugen
Im Gelsenkirchener Fall werden nach Polizeiangaben Videosequenzen aus einem angrenzenden Parkhaus geprüft, die maskierte Personen und zwei Fahrzeuge zeigen. Überwachungskameras erfassten demnach neben einem hochmotorisierten schwarzen Wagen auch einen weißen Kleintransporter, den die Täter genutzt haben könnten.
Nach seinen Angaben haben sich die Sequenzen in einer WhatsApp-Gruppe verbreitet, in der sich Betroffene zusammengeschlossen haben. Weitere Details zu den Videos nannte die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen nicht. Sie appellierte an Zeugen, Hinweise nicht in den sozialen Medien zu veröffentlichen, sondern sich an die Ermittler zu wenden.
Bereits am Dienstag hatten die Ermittler bekanntgegeben, dass Videokameras in dem Parkhaus am frühen Montagmorgen den schwarzen Wagen mit einem gefälschten Kennzeichen aus Hannover erfasst hätten. Im Auto saßen demnach maskierte Personen. Auch das Kennzeichen des weißen Wagens sei mittlerweile bekannt, sagte der Polizeisprecher am Mittwoch, ohne weitere Details zu nennen.
Brandmeldeanlage verzeichnete Einbruch um 3.59 Uhr
Den großangelegten Einbruch im Stadtteil Buer hatten Einsatzkräfte am frühen Montagmorgen nach einem Alarm der Brandmeldeanlage entdeckt. Die Täter waren nach ersten Erkenntnissen durch mehrere Türen über das Parkhaus zunächst in einen Archivraum eingebrochen, von dem sie sich mit einem Spezialbohrer in den Tresorraum der Bank vorarbeiteten. Wie die "Welt" aus einem internen Ermittlungsbericht der Polizei berichtet, soll der Einbruch um 3.59 Uhr in der Nacht zum Montag stattgefunden haben. Um diese Zeit habe der Brandmelde-Alarm ausgeschlagen und die Kern-Bohrung entdeckt.
Dort brachen die Unbekannten dann fast alle der 3250 Kunden-Schließfächer auf. "Da waren Profis am Werk", sagte der Polizeisprecher. Die Beute war zunächst grob mit der Versicherungssumme in Höhe von rund 30 Millionen Euro angegeben worden, könnte aber auch deutlich darüber liegen.
Bis zu 100.000 Euro in bar in Fächern gelagert
Die Zahl der Geschädigten wird auf mehr als 2500 beziffert. "Wir gehen von einem mittleren zweistelligen Millionenbetrag aus", hatte der Polizeisprecher am Dienstag erklärt. Damit wäre es einer der größten Coups in der bundesdeutschen Kriminalgeschichte.
Bemerkenswert sind laut dem Bericht der "Welt" auch die zum Teil hohen Summen, die in den ausgeraubten Schließfächern eingelagert worden seien. In einzelnen Fällen seien 100.000 Euro in bar in den Schließfächern gelagert worden. Versichert sind bei der Sparkasse aber nur Beträge bis 10.000 Euro.
Verdacht der Ermittler: Tresorknacker könnten von Depots gewusst haben
Wie die "Welt" weiter berichtet, gehen die Ermittler davon aus, dass das in den Schließfächern hinterlegte Geld zum Teil auch aus der organisierten Kriminalität stammen könnte. Die Bar-Beträge seien auffällig hoch. Der Verdacht der Ermittler weiter: Die Tresorknacker könnten von den eingelagerten Vermögen gewusst haben.
Kurz nach Bekanntwerden des Einbruchs hatten sich vor der Filiale der Sparkasse in Gelsenkirchen viele Kunden versammelt und forderten Informationen über den Verbleib ihrer Wertsachen.