In Großbritannien wird ein innovatives Sozialprojekt getestet, bei dem obdachlose Menschen eine Einmalzahlung von 2000 Pfund (etwa 2290 Euro) erhalten. Experten wollen prüfen, ob direkte Geldzahlungen eine effektive Alternative zu traditionellen Unterstützungsmaßnahmen wie Hilfsangeboten von Wohltätigkeitsorganisationen sind. Das berichtet die britische Tageszeitung "The Telegraph".
"Geldtransferprojekt basiert auf einer einfachen, aber wirkungsvollen Überzeugung"
Ligia Teixeira, Geschäftsführerin des Centre for Homelessness Impact, das den Testlauf durchführt, sagte: "Unser Geldtransferprojekt basiert auf einer einfachen, aber wirkungsvollen Überzeugung: Wenn Menschen direkten Zugang zu Ressourcen haben, gewinnen sie die Kontrolle über ihr Leben und ihren Lebensunterhalt zurück."
Die Teilnehmer lebten in Notunterkünften oder waren kürzlich obdachlos. Ein Teil bekam eine bedingungslose Geldüberweisung auf ihr Bankkonto. Die anderen Teilnehmer bekommen weiterhin die gewohnten Unterstützungsleistungen, heißt es vom "Centre of Homelessness Impact".
Obdachlose bekommen 2000 Pfund: So nutzen sie das Geld
Forscher des Policy Institute am King’s College London untersuchen, wie die 2000 Pfund ausgegeben werden, schreibt "The Telegraph". Anfang 2027 wird es dazu Ergebnisse geben. Erste Beobachtungen zeigen jedoch bereits jetzt, wofür das Geld unter anderem genutzt wurde:
- Ein junger Mann nutzte das Geld zur Schuldentilgung. Er hat eine Ausbildung zum Klempner im Blick.
- Ein Teilnehmer kaufte ein Auto. Damit kann er seine Kinder jetzt zur Schule bringen.
- Ein Teilnehmer kann dank der 2000 Pfund nun Fahrstunden nehmen.
- In der Pilotphase wurden unter anderem Mobiltelefon, eine Mitgliedschaft im Fitnessstudio, Bücher, Kleidung, Kinderkleidung und Weihnachtsgeschenke gekauft.
250 Teilnehmer in London und Belfast rekrutiert
Laut dem "Centre of Homelessness Impact gab es bis zum Februar 2025 eine Pilotphase in Glasgow, Perth, North Lanarkshire, Edinburgh, Swansea, Neath Port Talbot und Oxford mit 81 Mitwirkenden.
Mittlerweile wurde das Projekt ausgeweitet und 250 Teilnehmer in London und Belfast rekrutiert. Die zweite Phase startete im Juli und ging bis Dezember. Nun werden die Bereiche Wohnstabilität, Wohnqualität und -zufriedenheit, Wohlbefinden, finanzielle Sicherheit, soziale Kontakte sowie der Kontakt zu öffentlichen Diensten und der Justiz der Gruppen untersucht.