- Der vollständige Artikel auf den sich die folgende Kommentar-Analyse bezieht, ist hier verfügbar: Hannawald rechnet nach Tournee mit Deutschen ab: „Die sind nie mal sauer”
Nach der Vierschanzentournee kritisiert Sven Hannawald Einstellung und Ehrgeiz der deutschen Skispringer. In den Kommentaren entwickeln sich zwei dominante Lager: Während viele Nutzer die fehlende Leidenschaft und den mangelnden Biss der Springer anprangern, betonen andere strukturelle Defizite in der Nachwuchsförderung oder üben Kritik an der Rolle der Medien. Zusätzlich bringen einige Leser ironisch ihre Skepsis gegenüber Leistungsdruck oder dem Hype um Wintersport zum Ausdruck.
Kritik an deutscher Sportmentalität
Mit 66 Prozent aller Stimmen bildet die Kritik an der deutschen Sportmentalität das größte Lager der Diskussion. Einige Leser werfen den Skispringern vor, ehrgeizlos und zu zufrieden mit mittelmäßigen Leistungen zu sein, was sie als Spiegelbild der Gesellschaft sehen. Oft wird auf frühere Generationen verwiesen, die mehr Ehrgeiz und Biss zeigten, sowie auf einen Verlust an Eigenanspruch. Zur Sprache kommen auch Forderungen nach mehr Leistungsdruck im Nachwuchsbereich und ein Vergleich mit anderen Nationen. Die Kommentare beziehen sich dabei konkret auf die im Artikel von Hannawald geäußerte Kritik an der Einstellung der DSV-Athleten.
"Da hat Hannawald schon recht. Wenn ich z. B. Patschke höre, wie er seine Allerweltssprünge selbst einordnet, könnte man meinen, da spricht ein Politiker. Als Ex-Leistungssportler kann ich mir so eine Aussage wohl mal erlauben." Zum Originalkommentar
"Da ist schon was dran, was Hannawald sagt. Ein Dieter Thoma oder ein Jens Weißflog waren da andere Typen. Die machten sich selbst Druck und waren echt angefressen, wenn's nicht so klappte. Heute faselt ein Mentaltrainer etwas von Stressabbau und Entspannung. Und nach jedem mittelmäßigen Sprung wird nach positiven Aspekten gesucht, anstatt nach Fehlern. So klappt's nicht mehr mit den Medaillen." Zum Originalkommentar
"In Deutschland wird Leistung schlechtgeredet, weil der Leistungsbereite den Leistungsschwachen angeblich diskriminiert. Beispiel: Bundesjugendspiele und Jugendfußballturniere ohne Punkte und Tabelle. Warum soll es bei Skispringern anders sein?" Zum Originalkommentar
Skepsis gegenüber Nachwuchsförderung
Neun Prozent der Leser machen Defizite in der Nachwuchsförderung und der sportlichen Ausbildung für den fehlenden Erfolg verantwortlich. Sie vergleichen Deutschland mit Ländern wie Slowenien oder Österreich, die trotz geringerer Einwohnerzahlen mehr Erfolge vorweisen können. Häufig kritisieren sie fehlende Investitionen, mangelnde Konkurrenz und zu wenig Motivation im Profibereich. Die Kommentatoren beziehen sich dabei direkt auf die Nachwuchskrise, die auch im Artikel thematisiert wird.
"Was hat sich in den letzten Jahrzehnten denn in Sachen Nachwuchsförderung getan? Es muss Gründe für den deutschen Absturz geben. Es gibt natürlich weniger Nachwuchs, aber Slowenien oder Österreich haben viel weniger Einwohner. Deshalb muss es an der Art der Förderung und Ausbildung unserer Sportler liegen. In Deutschland werden die Sportler nicht mehr zu Höchstleistungen angetrieben." Zum Originalkommentar
"Willst sportliche Erfolge, musst eben investieren, fördern und bilden! Und Amateure sind das eben nicht mehr! Es reicht eben nicht, aufstehen, bisschen Sport und gut ist! Konkurrenz sehe ich da auch keine!" Zum Originalkommentar
"Sven Hannawald hat sehr recht damit. Die deutschen Springer lächeln in die Kamera. Wohlwissend, dass sie bei den nächsten Wettkämpfen wieder dabei sind, denn es gibt ja keine anderen. Beim nächsten Mal greifen sie dann wieder an und so dümpeln sie sich über die Saison. Es wird auch Zeit, dass mal ein Trainer kommt, der nicht schon fast alle europäischen Länder trainiert hat und der auch mal Biss fordert und nicht mit Samthandschuhen die schlechten Leistungen noch schönredet." Zum Originalkommentar
Sarkasmus zur deutschen Sportleistung
Ebenfalls neun Prozent drücken ihren Frust über die Situation durch sarkastische und ironische Beiträge aus. Mit überzeichneten Vergleichen und spöttischen Bemerkungen kritisieren sie geringe Erwartungen, Mittelmaß und den Stellenwert von Wintersport. Diese Perspektive arbeitet humorvoll gesellschaftliche Muster und Gesamtstimmung auf und verstärkt damit die Debatte um Ehrgeiz und Anspruch im deutschen Sport.
"Bei deutschen Sportmedien ist ein 6. oder 7. - 20. Platz als erfolgreich bewertet. Also, was soll's?" Zum Originalkommentar
"War Skispringen?" Zum Originalkommentar
"Was die Spannung an Sportarten angeht, kommt Skispringen gleich nach der rhythmischen Sportgymnastik. Aber jeder wie er mag." Zum Originalkommentar
Kritik an Medien und Berichterstattung
Sieben Prozent richten ihren Blick auf die Medien. Sie werfen den Berichterstattern vor, die Leistungen der Sportler zu positiv darzustellen, obwohl sie aus ihrer Sicht nicht ausreichend sind. Zudem beklagen sie fehlenden kritischen Journalismus und eine 'Nanny-Kultur', die Leistung relativiert. Damit wird auch die Rolle der Medien, wie im Artikel durch die öffentliche Diskussion dargestellt, ausdrücklich hinterfragt.
"Das liegt zum Teil auch an den Medien. Jeder Sprung ist Weltklasse, aber halt nicht so weit." Zum Originalkommentar
"Friede, Freude, Eierkuchen... nie wird mal kritisch hinterfragt. Das ist die Nanny-Kultur der Medien. Wie in der DDR, alles prima, obwohl die Mängel offensichtlich sind..." Zum Originalkommentar
"Seine Kommentare im TV waren aber auch sehr weichgespült. Ständig die kleinen Schritte, die Anzüge und was weiß ich nicht. Er hat doch auch dieses, sagen wir es so, mannschaftliche Versagen entschuldigt." Zum Originalkommentar
Skepsis gegenüber Belastung
Fünf Prozent der Leser gehen auf die Belastungen und Verletzungen der Athleten ein. Sie machen auf Gesundheitsrisiken und die Gefahr von Überforderung im Profisport aufmerksam. Einige Kommentierende warnen davor, jungen Springern zu viel Druck aufzuerlegen, und plädieren für einen moderateren Weg zwischen sportlichem Ehrgeiz und Wohlbefinden. Der Bezug zum Artikel entsteht über die Diskussion um die Erwartungen an die Leistung und die körperlichen Grenzen der Skispringer.
"Am besten finde ich, dass der eine nun noch eine leichte Erkältung herausgezaubert hat. Beim anderen zwickt es im Knie. Ansonsten wären sie Erster und Zweiter geworden." Zum Originalkommentar
"Man muss doch nicht alle Sportler in den Burnout treiben, so wie Hannawald zu seiner Zeit." Zum Originalkommentar
"Und die heute 50-Jährigen sind doch auch nicht mehr so verbissen wie ihre Väter …. und das ist auch halb so schlimm. Man muss nicht jeden in den Burnout treiben, so wie Hannawald vor Jahren." Zum Originalkommentar
Sonstige Kommentare
Die übrigen vier Prozent beziehen sich auf verschiedene andere Themen, die nicht klar einem der Hauptlager zuordenbar sind. Einige Kommentare greifen Regeldiskussionen oder Zusammenhänge zur Technik und Kontrolle auf, andere thematisieren schlicht Rahmenbedingungen im Skispringen.
"Mit den Anzügen sollte man ein für alle Mal aufräumen. Anzug wie Langläufer anziehen und Ruhe ist." Zum Originalkommentar
"Was mich irgendwie wundert, ist das zeitliche Zusammenfallen der bestenfalls durchschnittlichen Leistungen der deutschen Skispringer mit den ähnlich 'miesen' Leistungen der Norweger seit Aufdeckung der Anzugmanipulationen dort und den seither deutlich strengeren Kontrollen. Klar, aus so einer Korrelation ist ein Kausalzusammenhang schwer herzustellen, aber auffällig ist es meiner Meinung nach schon. Ein Schelm, der Böses dabei denkt..." Zum Originalkommentar
Diskutieren Sie mit: Führt der fehlende Erfolg der Skispringer nun zurück auf Mentalität, Strukturen oder Medien? Welche Rolle spielen Erwartungen, Förderung und der Umgang mit Druck? Teilen Sie Ihre Sichtweise und bringen Sie sich in die Debatte ein!