- Der vollständige Artikel von Hannah Petersohn, auf den sich die folgende Kommentar-Analyse bezieht, ist hier verfügbar: Inflation 2025 bei 2,2 Prozent: Doch viele Deutsche haben kein Geld mehr
Offizielle Zahlen, reale Not: Der Artikel von Hannah Petersohn beleuchtet, warum die Inflation 2025 mit 2,2 Prozent zwar als moderat gilt, viele Haushalte aber dennoch finanziell am Anschlag sind. In den Leserkommentaren dazu stoßen sehr unterschiedliche Meinungsbilder aufeinander. Die eine Seite verweist auf eine gefühlte Inflation, die weit über den offiziellen Angaben liegt und kritisiert statistische Schönfärberei. Andere Leser machen deutlich, dass zunehmende soziale Ungleichheit und hohe Steuerlast vielen schlicht keinen Spielraum mehr lassen. Wiederum andere fragen angesichts voller Restaurants und Böller-Umsätzen, ob die Klagen nicht überzogen sind. Insgesamt verbindet die Leser vor allem eins: Es besteht das Gefühl, das vermeintliche Wohlstandsniveau weicht immer stärker von der sicht- und fühlbaren Realität ab.
Kritik an Politik und Regierungshandeln
Mit 29 Prozent ist die Kritik an der Politik das größte Lager der Leserschaft. Viele Kommentare machen die Regierung und deren Entscheidungen, etwa in Steuer-, Sozial- und Klimapolitik, für die finanzielle Verschlechterung verantwortlich. Sie lehnen die Wahrnehmung einer bloß psychologisch bedingten Konsumflaute aus dem Artikel ab und sehen vor allem zunehmende Steuern, Bürokratie und ideologisch motivierte Impulse als Ursachen. Häufig wird gefordert, politische Konsequenzen zu ziehen – auch bei künftigen Wahlen. Die Leser kritisieren die mangelnde wirtschaftliche Kompetenz und fordern klaren Kurswechsel.
"Klar ist, die zunehmende Deindustrialisierung, die zunehmende Steuerlast, die Inflation, die Erhöhung der Sozialbeiträge, die Energiepreise usw. lässt keinen Spielraum in den mittelständigen Haushalten der steuerzahlenden Bürger mehr zu. Selbst die private Altersvorsorge ist für zu viele kaum mehr möglich! Die Politik, die seit dem Amtsantritt von Herrn Schröder betrieben wird, erdrückt den steuerzahlenden Bürger zunehmend. Siehe Riesterrente." Zum Originalkommentar
"Das kommt davon, wenn hochgebildete Regierungsbeamte-/Politiker sich in das Einmaleins der freien Marktwirtschaft, mit Angebot und Nachfrage, einmischen und ideologischen Träumereien nachgehen." Zum Originalkommentar
"Leider versagt die Politik, die Quittung wird sich bei den Wahlen in 2026 zeigen, dann wird das Geschrei groß. Pech gehabt." Zum Originalkommentar
Kritik an Steuer- und Abgabenlast
Rund 15 Prozent der Leserschaft richten ihren Fokus auf die aus ihrer Sicht erdrückende Steuer- und Abgabenlast. Sie argumentieren, dass steigende Sozialbeiträge, Energiepreise und diverse Umlagen den deutschen Haushalten kaum noch Mittel für Konsum lassen. Viele fordern Entlastungen und eine Konzentration des Staates auf eigene Aufgaben. Einige Kommentare sehen den Sozialstaat als überdehnt und kritisieren fehlende Balance zwischen Staat und Bürger.
"Diejenigen, die kaufen würden, haben kein Geld mehr und diejenigen, die kaufen könnten, haben entweder schon alles oder kaufen sich das Benötigte dort, wo es am günstigsten ist, und das ist nicht in Deutschland. Dazwischen sitzt der besser verdienende Arbeitnehmer und hält sein Geld zusammen, weil er ständig mehr Steuern und Abgaben zahlen soll und nebenbei noch was für die Rente beiseitelegen muss. Kauflaune und gute Stimmung kann da nicht aufkommen, Zuversicht und Vertrauen schon gar nicht." Zum Originalkommentar
"Die Politik sorgt dafür, dass die normalen Arbeitnehmer nicht sparen können." Zum Originalkommentar
"Neues Jahr, neue Erhöhungen. Dieses Jahr bezahlen die meisten von uns mehr Krankenkassenbeitrag, mehr Müllgebühren, mehr Autoversicherung, mehr für Benzin und Gas, mehr Gebäudeversicherung, mehr für viele Lebensmittel und Dienstleistungen. Nur so viel mehr Geld, wie man eigentlich bräuchte, kriegt man weder vom Arbeitgeber, noch von der Rentenversicherung, und schon gar nicht von der Regierung." Zum Originalkommentar
Kritik an sozialer Ungleichheit
Für 13 Prozent der Diskutierenden ist die soziale Ungleichheit das zentrale Problem. Sie machen darauf aufmerksam, dass besonders die unteren und mittleren Einkommensgruppen durch Inflation und Preissteigerungen belastet werden, während Wohlhabende unberührt oder sogar profitierend bleiben. Auch der Artikel hebt die wachsende Kluft bei Einkommen und Rücklagen hervor, bestätigt von den Lesern, die politischen Handlungsbedarf fordern. Es wird deutlich: Wer wenig hat, kann kaum sparen oder konsumieren.
"Auch bei den Tarifbeschäftigten haben die Lohnerhöhungen oftmals nicht die Inflationsjahre ausgeglichen, aber das nur am Rande. Das Problem aktuell ist, dass die Steuern und Abgaben steigen und gleichzeitig insbesondere gut bezahlte Arbeitsplätze immer stärker abgebaut werden. Da versucht man automatisch sein Geld zusammenzuhalten." Zum Originalkommentar
"Es müsste eigentlich jedem einleuchten, dass Einschnitte bei den unteren und mittleren Einkommensschichten die Vermögenssituation immer weiter auseinanderdriften lässt, da ganz überwiegend nur die oberen Einkommensschichten Vermögen ansparen können. Diese Situation wird durch Erbschaften noch verstärkt. Hierauf hinzuweisen ist kein Sozialneid, sondern erfordert politisches Handeln." Zum Originalkommentar
"Hohe Energiepreise inklusive hohe CO2-Steuern sind die Antreiber der Lebensmittelerhöhungen von ca. 40 %. Wem hat man dieses zu verdanken, darüber sollte jeder Bürger sich seine Gedanken machen. Auch bekommen Bürgergeldempfänger, die noch nie gearbeitet haben, mehr Geld als Rentner, die über 45 Jahre gearbeitet haben. Das kann man gar nicht beschreiben, da schreit doch die Ungerechtigkeit." Zum Originalkommentar
Kritik an Kaufkraft und Lebenshaltungskosten
Zwölf Prozent der Beiträge beschäftigen sich besonders mit ihrem persönlichen Verlust an Kaufkraft. Die Kommentierenden nennen Kostensteigerungen bei Lebensmitteln, Mieten, Energie und Versicherungen sowie eine Lohnentwicklung, die nicht mehr Schritt hält. Viele schildern Verzicht und Alltagsbelastungen als Folge – selbst kleine Rücklagen werden zunehmend schwierig. Der Artikel wird dabei mit Schilderungen aus dem Alltag bestätigt: Der Abstand zwischen offiziellen Inflationszahlen und empfundenen Preisentwicklungen wächst.
"Während der Phase hoher Inflation habe ich einige Jahre Lohnerhöhungen weit unter der Inflationsrate bekommen. Damit ist mein Lohn dauerhaft reduziert. Gleichzeitig sind die Lebenshaltungskosten inkl. Mobilität in Deutschland dank zahlreicher Vorschriften und Verordnungen für mehr Sicherheit, Nachhaltigkeit und sonstigen Gründen stärker gestiegen als die Inflation. 2018 war bei gleichbleibender Erwerbstätigkeit mein bestes Jahr. Aktuell fehlen im Vergleich dazu etwa 15%. Ich musste meinen Lebensstandard deutlich reduzieren und erwarte keine Trendwende." Zum Originalkommentar
"Früher eine neue Gasheizung 12000 Euro, heute eine Wärmepumpe 40000 Euro. Früher, ein Mittelklasseauto 25000 Euro, heute ein Mittelklasse-E-Auto 35000 Euro. Früher mein Urlaub 2500 Euro, heute 3500 Euro. Dazu die ständigen CO2-Steuer-Erhöhungen, die man ursprünglich als Energiegeld zurückerhalten sollte. Natürlich auch die steigenden Lebensmittelpreise… ." Zum Originalkommentar
"Beispiel Lebensmittel: Wofür ich vor wenigen Jahren 50 € bezahlen musste, kostet mich heute 100 € - mein Gehalt hat in dieser Zeit längst nicht diesen Satz gemacht! Reparaturen, Versicherungen von ähnlicher „Güte“! Zum Glück zahle ich keine Miete ..." Zum Originalkommentar
Skepsis gegenüber Konsumverhalten der Deutschen
Ebenfalls zwölf Prozent der Leserschaft zeigen sich skeptisch, ob das Bild leerer Geldbeutel nicht übertrieben ist. Sie verweisen auf hohe Ausgaben etwa für Silvesterfeuerwerk, Urlaube oder Restaurantbesuche – und heben hervor, dass Restaurants und Geschäfte vielerorts weiterhin voll seien. Einige Leser kritisieren eine vermeintliche Doppelmoral im Alltag und sehen das Konsumverhalten differenzierter. Auch werden Gegenbeispiele für den behaupteten Konsumrückgang hervorgehoben.
"Wie es wirklich um die deutschen Haushalte steht, war am letzten Montag bei Lidl 6:30 Uhr zu beobachten. Bibbernde Männer und dann kistenweise Böller und Raketen raffen. Also uns geht es noch viel zu gut." Zum Originalkommentar
"Das stimmt zwar, die Deutschen haben wegen der Inflation weniger Geld, aber erstaunlicherweise reicht es doch immer jedes Jahr für Unmengen an Silvesterfeuerwerk, während eine kleine Erhöhung z. B. bei Butter ein Drama ist." Zum Originalkommentar
"Regelmäßig das Gegreine übers Weihnachtsgeschäft. Vorher volles Rohr Black Friday, Single Day, Cyber Monday, man wird dauernd zugetextet mit „jetzt nochmal verlängert“... Und dann Schnief Schnief wegen mauem Weihnachtsgeschäft. Wie oft soll der zu melkende Kunde denn sein Geld ausgeben? Abgesehen davon, wenn ich sehe, welche Paketmengen bei uns ins Haus (14 Whg) geschleppt werden bzw. was auf Nürnbergs Einkaufsstraßen rumgeschleppt wird.. da verballern die Leute schon gut was. (nb, mein Nachbar & Perle, Bestellweltmeister) bestellt auch 4-5 Abendessen ins Haus. Und greint mir einen vor „alles so teuer“ und „wir erwägen Mietkürzung, viel zu teuer“ (700 € warm, renoviert, 70 m² Altbau in 90403)." Zum Originalkommentar
Kritik an offizieller Inflationsdarstellung
Sieben Prozent der Leser üben scharfe Kritik an den offiziellen Inflationsangaben, wie sie der Artikel zitiert. Viele empfinden die Statistik als verzerrt, weil zentrale Ausgaben wie Lebensmittel, Mieten und Energie stärker gewichtet werden müssten. Die Kommentare fordern mehr Ehrlichkeit bei der Auswahl und Gewichtung der Warenkörbe und sehen in den niedrigen Zahlen eine politische Beruhigungstaktik. Der Artikel löst damit einen Vertrauensverlust in die öffentliche Darstellung wirtschaftlicher Daten aus.
"Die Politik feiert die gesunkene Inflation und vermittelt den Eindruck, dass die Kosten jetzt niedriger werden würden. NEIN. Die Kosten steigen nur langsamer." Zum Originalkommentar
"Inflation gesunken? Wenn man täglich den statistischen Warenkorb kauft vielleicht, dann gleichen sich die Preise aus. Eine Tageszeitung hingegen hat eine durchschnittliche Preiserhöhung von 5,3 % bei Artikeln des täglichen Lebens festgestellt und das liegt wesentlich näher an der Realität der Menschen. Man sollte für den Inhalt des Warenkorbs eine ehrliche Gewichtung der Artikel nach Anzahl der Käufe vornehmen, kaum jemand kauft sich monatlich einen PC, einen Fernseher oder eine Waschmaschine. Lebensmittel hingegen werden fast täglich benötigt und die Miete monatlich. Aber dann kann man den Bürger nicht mehr so schön beruhigen." Zum Originalkommentar
Sonstige Stimmen
Knapp zwölf Prozent der Kommentare sind nicht klar einer Hauptposition zuzuordnen. Sie streifen verschiedene Themen an, bringen humorvolle, persönliche oder schlicht gemischte Eindrücke ein. Hier finden sich Alltagserfahrungen, Verweise auf Einzelereignisse und Diskussionen, die ohne klaren inhaltlichen Schwerpunkt bleiben. Diese Vielfalt spiegelt die individuelle Erfahrungen der Leser wider, bleibt aber oft ohne direkte Einordnung in die Kernstreitpunkte.
"Im Lateinunterricht musste ich mal den Satz übersetzen: Mihi mos est. Ich übersetzte: Ohne Moos nix los. Die Übersetzung war falsch, der Sinn des Satzes aber trotzdem richtig." Zum Originalkommentar
"Ganz einfach, wer nichts spart, dem frisst die Inflation kein Geld auf. Hart trifft es nur diejenigen, die Geld nicht gut angelegt haben." Zum Originalkommentar
"Ich glaube natürlich den Händlern. Aber zur Wahrheit gehört auch, dass Millionen Deutsche online bestellen, gern bei Shein, Temu etc. Dieses Geld landet dann nicht hauptsächlich in D, sondern in China. Ein Nachbar ist bei DHL. Er meint, sie kommen kaum noch hinterher mit all den Bestellungen. Und dann gibt es ja noch Hermes, DPD, Amazon selbst, die alle ausliefern, als gäbe es kein Morgen." Zum Originalkommentar
Die Kommentar-Debatte zeigt: Was für die einen reine Statistik ist, wird für andere zur bitteren Realität. Sorgt die offizielle Inflationsrate auch in Ihrem Alltag für mehr Luft – oder bleibt bei Ihnen nichts vom Gehalt übrig? Diskutieren Sie mit, ob eher Politik, Sozialstaat oder ein verzerrter Warenkorb für Konsumzurückhaltung verantwortlich sind.