Wo könnten auf den Dächern der Landsberger Altstadt PV-Module errichtet werden? Ein Solarrahmenplan soll Antworten geben. Wichtige Grundlagen hierfür wurden im Rahmen eines studentischen Forschungsseminars erarbeitet. Der Bauausschuss des Stadtrats zeigte sich von den Ergebnissen beeindruckt.
Landsberg – Der Solarrahmenplan soll die Möglichkeiten der Nutzung erneuerbarer Energien beschreiben, Transparenz für Eigentümer herstellen und der Verwaltung helfen, entsprechende Anträge zu bearbeiten. Bisher wurden alle abgelehnt, da PV-Anlagen der Altstadtsatzung widersprechen. Nun haben Studierende am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege (BLfD) die Landsberger Altstadt untersucht.
Die Fragestellung lautete: Auf welchen Dächern ist eine solare Nutzung möglich? Wo muss sie aufgrund des Denkmalschutzes ausgeschlossen werden? Unter welchen Voraussetzungen kann sie gegebenenfalls doch realisiert werden? Ein entscheidender Faktor ist die Sichtbarkeit von PV-Anlagen, wobei in Landsberg die topografische Lage eine besondere Herausforderung darstellt. Die Altstadtdächer seien eben nicht nur vom Boden aus sichtbar, sondern auch von oben, wie Jonas Pioch (SPD) es formulierte. „Eigentlich sieht man von überall etwas.“
Sieben Kategorien
Die Studierenden unterteilten die Altstadt in sieben Gebietskategorien. Sie nutzten für ihre Untersuchung den digitalen Zwilling „TwinCity 3D“ und weitere digitale Werkzeuge, um eine gebäudescharfe Analyse des Solarpotenzials unter Berücksichtigung der Dachausrichtung und -neigung zu erstellen, die Sichtbarkeit in Fern- und Nahwirkung zu untersuchen und verschiedene Anforderungskategorien zu definieren.
Demnach stellen von 6.900 Quadratmeter Dachfläche 15 Prozent höchste Anforderungen in Sachen Farbe und Oberfläche der PV-Module, konstruktive Ähnlichkeit zum Dach, Flächigkeit, Winkel und Abstand sowie Einsehbarkeit. 30 Prozent der Dächer stellen hohe, 20 Prozent mittlere und 35 Prozent geringe Anforderungen. Anhand von ausgewählten Gebäuden wurden von den Studierenden schließlich noch konkrete Umsetzungsbeispiele erarbeitet.
Wertvolle Inhalte für die Grundlagen des Solarrahmenplans
Daniel Broschart vom Referat Stadtplanung erklärte im Bauausschuss, die studentischen Arbeiten hätten wertvolle Inhalte geliefert und sollten im kommenden Sommersemester fortgesetzt werden, um die Grundlagen für den Solarrahmenplan Altstadt fertigzustellen. Dazu gehören auch Abstimmungen mit dem BLfD und dem Stadtheimatpfleger.
Der Bauausschuss stimmte diesem Vorgehen mit einer Gegenstimme zu. Diese kam von Hans-Jürgen Schulmeister (Landsberger Mitte). Er möchte trotz gesetzlicher Lockerungen keine PV-Anlagen in der Altstadt erlauben – sie werde dadurch sicherlich beeinträchtigt. „Ich wünsche mir weiterhin eine restriktive Anwendung der Altstadtsatzung“, so Schulmeister.
Roger Mandl (Grüne) vertrat den gegenteiligen Standpunkt. „Wenn wir die Altstadt bei der Energiewende mitnehmen wollen, müssen wir PV-Anlagen zulassen.“ Es gebe Solarpaneele inzwischen auch in Rot. „Glänzende rote Dächer wären kein großes Problem für mich, auch wenn die Dachlandschaft von oben einsehbar ist.“
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Jonas Pioch (SPD) lobte, man sei durch die Untersuchung den angestrebten objektivierbaren Entscheidungen einen großen Schritt nähergekommen. Zweiter Bürgermeister Moritz Hartmann (Grüne) erklärte, Hausbesitzer wüssten mit Hilfe des Solarrahmenplans, in welche Kategorie ihr Gebäude fällt und welche Anforderungen eine PV-Anlage erfüllen müsse. „Dann können sie entscheiden, ob sie es angehen oder nicht.“ Im Bauausschuss müsse man dann nicht mehr in jedem Einzelfall darüber diskutieren, wo eine Anlage errichtet werden könne und wo nicht.
Markus Salzinger (UBV) forderte einen vergleichbaren Rahmenplan für Erpfting, in dessen Ortskern ebenfalls Ensembleschutz besteht. „Ich würde mir wünschen, dass es auch in Erpfting möglich wird, mit klaren Vorgaben Anlagen zu installieren, ohne dass jeder darum kämpfen muss.“
Landsberger Vorgehensweise als Vorbild für andere Städte
Sabrina Sommer, die als Vertreterin des BLfD an der Sitzung teilnahm, lobte die „herausragenden Ergebnisse“ der studentischen Arbeiten. Mit den Kategorien stimme man aus denkmalfachlicher Sicht weitgehend überein. Nach einer professionellen Bewertung und Überarbeitung stehe der Stadt ein neues Planungsinstrument zur Verfügung. „Wir möchten die Vorgehensweise auch auf andere Städte übertragen“, sagte Sommer.