4000 Euro für den Führerschein: Merz will Kostenexplosion senken – doch gegen Pläne regt sich Widerstand
Der Führerschein wird immer teurer – nicht zuletzt durch Inflation und hohe Spritpreise. Jetzt setzt die Merz-Regierung bei der Ausbildung den Rotstift an.
München – Ein Führerschein kann inzwischen locker mehr als 4000 Euro kosten. Das macht es für junge Menschen immer schwieriger, sich dieses Stückchen Freiheit und Selbstbestimmtheit aus eigener Tasche zu finanzieren. Der drastische Kostenanstieg lässt sich auf mehrere Faktoren zurückführen: Die Inflation hat die Preise für Sprit und Personal nach oben getrieben, es gibt einen Fahrlehrermangel, der Straßenverkehr ist heute komplexer als früher und die Durchfallquoten bei Fahrschülern steigen.
Das Problem ist inzwischen so gravierend, dass sich jetzt auch die Politik einschaltet. Die Bundesregierung unter Bundeskanzler Friedrich Merz will einen Plan erarbeiten, um den Führerschein wieder günstiger zu machen. „Mobilität darf kein Privileg sein“, erklärte Verkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) in einer Pressemeldung des Bundesverkehrsministeriums (BMV) zu den geplanten Änderungen.
Luxusgut Führerschein: Merz-Regierung will die Kosten drücken – so ist der aktuelle Stand
Um einen Führerschein (Klasse B) zu machen, müssen Fahrschüler dem ADAC zufolge 14 Theoriestunden je 90 Minuten sowie praktische Fahrstunden absolvieren. Für die Fahrstunden gibt es keine feste Mindestanzahl, allerdings müssen Sonderfahrten verpflichtend absolviert werden. Das sind: fünf Fahrstunden à 45 Minuten auf Bundes- oder Landstraßen, vier Fahrstunden à 45 Minuten auf der Autobahn und drei Fahrstunden à 45 Minuten bei Dämmerung bzw. Dunkelheit. Darüber hinaus müssen ein Erste-Hilfe-Kurs sowie ein Sehtest gemacht werden. Dann folgen weitere Ausgaben für Lernmaterial und schließlich die theoretische und praktische Prüfung. Die Ausgabenverteilung setzt sich derzeit wie folgt zusammen:
- Grundgebühr (für Theoriestunden): 350–565 Euro
- reguläre Fahrstunde (45 Minuten): 55–77 Euro
- Sonderfahrt (45 Minuten): 60–95 Euro
- Lernmaterial: 88–119 Euro
- Gebühr für die Vorstellung zur theoretischen Prüfung: 60–137 Euro
- Gebühr für die theoretische Prüfung bei TÜV oder DEKRA: ca. 25 Euro
- Gebühr für die Vorstellung zur praktischen Prüfung: 160–289 Euro
- Gebühr für die praktische Prüfung bei TÜV oder DEKRA: ca. 130 Euro
- Erste-Hilfe-Kurs: ca. 60 Euro
- Sehtest: gratis bei vielen Optikern
- Biometrisches Passfoto (für den Führerschein): ca. 10 Euro
- Gebühren der Straßenverkehrsbehörde für den Führerscheinantrag: 38–70 Euro
Personalmangel, Inflation, Spritpreise: Das macht den Führerschein so teuer
Viele Fahrschulen mussten ihre Preise in den letzten Jahren erhöhen. Nicht zuletzt durch die hohen Spritpreise. Aber auch der Personalmangel trägt zur Preisspirale bei, denn oft werben Fahrschulen sich die Fahrlehrer gegenseitig ab, indem sie ihnen ein höheres Gehalt bieten, wie der Deutschlandfunk berichtet. Diese Kosten müssen dann zwangsläufig irgendwann auch an die Fahrschüler weitergegeben werden.
Auch der Fuhrpark ist ein Kostenfaktor, zumal Fahrschulen sowohl Autos mit Schaltgetriebe als auch Automatik-Modelle in ausreichender Anzahl haben müssen. Allein ein Fahrschulauto kostet laut der Online-Bank qonto.com zwischen 20.000 und 40.000 Euro. Und all diese Wagen haben natürlich laufende Kosten, etwa durch regelmäßige Wartung. Auch hierfür sind die Preise in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Laut dem DAT Report 2026 zahlten Autobesitzer 2025 im Schnitt 542 Euro für Wartungsarbeiten. Im Vergleich zu 2020 ist das eine Preissteigerung von 27 Prozent.
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Hinzu kommt, dass auch die Durchfallquoten heute höher sind als in der Vergangenheit. Allerdings sieht Kurt Bartels, der stellvertretende Geschäftsführer der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände, die Schuld hierfür nicht allein bei den Fahrschülern. „Autofahren ist komplexer geworden“, erklärte Bartels bereits 2024 bei der Tagesschau.
Weniger Zeit auf der Straße, dafür mehr Apps und Simulatoren – was die Regierung plant
Die Politik will die Kosten durch mehr Digitalisierung sowie Änderungen sowohl des theoretischen als auch des praktischen Teils des Führerscheinerwerbs senken. Konkret plant das BMV unter anderem folgende Maßnahmen:
- Keine Präsenzpflicht mehr für den Theorieunterricht; Wissen soll vollständig digital erlernt werden können
- Keine Vorgaben zu Schulungsräumen mehr und keine Pflicht mehr, überhaupt Schulungsräume zu haben
- Keine Vorgaben, wie und in welcher Reihenfolge das Wissen zu vermitteln ist
- Reduzierung des Fragenkatalogs für die theoretische Fahrprüfung um ein Drittel
- Verstärkte Nutzung von Simulatoren
- Kompetenz zur Führung eines Schaltwagens soll vollständig in einem Simulator erworben werden können
- Weniger Sonderfahrten, die auch im Simulator absolviert werden können
- Fahrzeit in der praktischen Prüfung auf die europarechtlichen Mindestvorgaben (25 Minuten) kürzen
- Reduzierung der Aufzeichnungs- und Dokumentationspflichten für Fahrschulen
- Fortbildungsangebote für Fahrlehrer sollen digitalisiert und einfacher gestaltet werden
Doch schon jetzt regt sich seitens der Fahrschulen Widerstand gegen die Pläne der Bundesregierung. Kritisch gesehen werden insbesondere der Wegfall des Theorieunterrichts in Präsenz, aber auch die hohen Kosten für die Anschaffung von Simulatoren. Sie haben ganz andere Vorschläge, wie der Führerschein günstiger werden könnte. (Quellen: Pressemeldung des Bundesverkehrsministeriums, ADAC, qonto.com, DAT Report 2026, Tagesschau) (sp)