Die Fahrschulen im Landkreis kritisieren die geplante Führerscheinreform, da sie Sicherheitsbedenken und höhere Kosten befürchten.
Wer aktuell seinen Führerschein machen möchte, muss tief in die Tasche greifen. Ohne Unterstützung von Eltern oder Großeltern ist es für viele Schüler oder Azubis kaum möglich, die Fahrerlaubnis zu erlangen. Durchschnittlich kostet ein Pkw-Führerschein der Klasse B derzeit rund 3400 Euro. Das Bundesverkehrsministerium will den Führerschein preiswerter machen und hat dazu Reformvorschläge präsentiert. Doch viele Fahrschulen im Landkreis sehen die Änderungen durchaus kritisch.
Konkret will das Ministerium umsetzen, dass es keinen verpflichtenden Präsenzunterricht mehr gibt und Theoriestunden per App möglich sind. Außerdem soll der Fragenkatalog für die theoretische Prüfung künftig um ein Drittel kürzer werden und das Fahren eines Wagens mit manueller Schaltung soll vollständig im Simulator gelernt werden können. Auch die verpflichtenden Sonderfahrten wie Autobahn- und Nachtfahrten sollen reduziert werden und teilweise im Simulator absolviert werden.
Es geht nicht billig, wenn man Qualität will. Man sollte nicht an der falschen Stelle sparen.
„Die Ankündigung hat etwas bewirkt“, sagt Udo Wagner, Regionalvorsitzender des Fahrlehrerverbands und Inhaber der Fahrschule „Follow me“ mit Filialen in Unterhaching, Taufkirchen und Deisenhofen. „Bei einigen Fahrschulen gibt es bereits Einbrüche bei den Anmeldungen. Die Kunden wollen warten, bis der Führerschein billiger ist. Dabei gibt es gar keine Gewissheit, dass durch die Reform der Führerschein günstiger wird.“
Für Wagner sind die geplanten Änderungen eine Ad-hoc-Aktion der Politik. „Ich finde es sehr schwierig.“ Einige besorgte Fahrlehrer haben sich bereits bei ihm gemeldet. „Wenn die Reform so kommen soll, müssen die Fahrschulen Personal reduzieren.“ Wagner warnt davor, ein „bewährtes System zu demontieren“. Denn die Ankündigungen würden sich auch auf die Sicherheit der Fahranfänger auswirken. „Wer so etwas beschließt, muss dann auch dafür grade stehen, wenn es kracht.“ Vor allem das Fahren am Simulator statt im echten Auto sieht er kritisch, obwohl in seinen Fahrschulen selbst drei solcher Maschinen stehen. Er betont jedoch: „Die sind zum Schalten üben, und um den Schülern die Angst zu nehmen. Der Simulator ist eine Ergänzung und kann die Erfahrung im Auto nicht ersetzen.“ Außerdem würden auf Fahrschulen immense Kosten zukommen. „Ein guter Simulator kostet rund 40 000 Euro“, weiß Wagner.
Auch Xaver Baydar von der Fahrschule NexDrive in Kirchheim hält die Simulator-Regelung bei Sonderfahrten für undurchdacht und sogar gefährlich. „Das Fahrgefühl im echten Verkehr ist einfach ein ganz anderes, vor allem wenn man in Stresssituationen kommt.“ Baydar bietet, um die Kosten für den Führerschein etwas zu senken, für Schüler, Studenten und Azubis einen besonderen Deal an. „Sie zahlen nur die Hälfte der Grundgebühr.“
Baydar hält beim Theorieunterricht eine Mischung aus Eigenarbeit der Schüler mit einer App und Präsenzstunden für sinnvoll. Sein Kollege Wagner vertraut jedoch auf den persönlichen Austausch. „Man setzt sich zusammen und diskutiert.“ Ein Fahrlehrer habe jahrelange Erfahrung und eine vielseitige und intensive Ausbildung – im Gegensatz zu einer Software. „Es geht nicht billig, wenn man Qualität will. Man sollte nicht an der falschen Stelle sparen.“
Die Ideen des Ministeriums sollen nun gemeinsam mit den Ländern und der Fahrschulbranche weiterentwickelt werden. Ziel sei es, die rechtlichen Änderungen im ersten Halbjahr von 2026 auf den Weg zu bringen.