Wald für Generationen sichern: So bewirtschaftet diese Ayinger Landwirtsfamilie ihren Forst

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Die Forstwirtschaft ist eine Generationenaufgabe: Bernhard Weinberger jun. (r.) wird den Hof samt dem Waldbestand irgendwann von seinem Vater Bernhard Weinberger sen. übernehmen. © sw

Auf dem Riegerhof in Aying setzen die Weinbergers auf Naturverjüngung und Vielfalt, um ihren 60-Hektar-Wald nachhaltig zu bewirtschaften.

Wer dieser Tage durchs Gehölz wandert, mag sich an den bunten Blättern von Eiche, Buche und Ahorn erfreuen, am Rascheln des herabfallenden Laubs, am Duft der Fichten und daran, dass die tiefer stehende Sonne den Wald in ein warmes, goldenes Licht taucht. Auf die Schönheit der Natur können Bernhard Weinberger jun. und sein Vater aber nur am Rande achten, wenn sie ins Holz gehen und ihren Forst inspizieren. Sie schauen genau zu den Baumkronen hinauf, prüfen den Wuchs der Stämme und den Abstand der einzelnen Bäume zueinander und machen sich Gedanken, welche Bäume man gezielt fördern will und welche gefällt werden sollen.

Der Kampf gegen den Borkenkäfer ist eine zentrale Aufgabe: Bernhard Weinberger jun. aus Aying zeigt eine vom Schädling befallene Baumrinde.
Der Kampf gegen den Borkenkäfer ist eine zentrale Aufgabe: Bernhard Weinberger jun. zeigt eine vom Schädling befallene Baumrinde. © sw

Erst aufforsten, dann durchforsten

„In den letzten Wochen wurde viel gepflanzt“, erklärt Bernhard Weinberger jun. Die Weinbergers präferieren dafür den Herbst, weil von der Winterfeuchtigkeit die Setzlinge profitieren. Doch nach dem Aufforsten steht das Durchforsten an. In der kalten Jahreszeit, vor allem, wenn der Boden durchgefroren ist, die Bäume also nicht „im Saft“ stehen und der Boden besser befahrbar ist, werden schwächere, kranke oder überzählige Bäume aus dem Bestand entfernt, damit die Pflanzen, die es zu fördern gilt, mehr Licht, Wasser und Nährstoffe bekommen.

Denn auch wenn sich vieles im Wald selbst reguliert, wie der 20-Jährige betont, bleibt die regelmäßige Pflege und Naturverjüngung unerlässlich. „Wenn ein Bestand alt wird, dann wird er anfälliger. Wenn er jung bleibt und bewirtschaftet wird, ist er widerstandsfähiger und produktiver“, sagt er. Beides ist Ziel der Forstwirtschaft: den Wald möglichst ertragreich zur Rohstoffgewinnung zu nutzen und ihn dabei für die Nachwelt zu schützen und zu erhalten.

Kennerblick: Der Ayinger Bernhard Weinberger jun. sieht sofort, welche Bäume gesund
Kennerblick: Bernhard Weinberger jun. sieht sofort, welche Bäume gesund sind. © sw

Die Weinbergers versuchen, dies in ihrem 60 Hektar großen Forstbestand seit Generationen möglichst optimal umzusetzen. Hauptbaumart ist nach wie vor die Fichte. Sie setzen auf Naturverjüngung, also in erster Linie darauf, dass sich der Wald selbst erneuert. „Nur an Kahlstellen versuchen wir, eine Mischung mit einzubringen“, sagt Bernhard Weinberger sen. So haben die Weinbergers mittlerweile auch Douglasien, Lärchen, Tannen, Roteichen, Ahorn und sogar ein paar Mammutbäume in ihrem Bestand. Die Holzernte beschert ihnen vor allem Sägeschnittholz, aber auch Brennholz. Besonders wertvoll ist das geerntete Edellaubholz. Dafür können bei der sogenannten Wertholzsubmission, einer Art von Versteigerung für hochwertiges Stammholz, hohe Preise erzielt werden.

Noch stehen Bernhard Weinberger sen. und seine Frau Andrea in der Verantwortung für den Wald und die 58 Hektar Ackerland. Doch irgendwann einmal soll Sohn Bernhard den Hof übernehmen. Vor vier Jahren hat er sich dazu entschlossen, diesen Weg einzuschlagen. Nach der Realschule und der Fachoberschule habe er auch in Erwägung gezogen, eine Ausbildung zum Schlosser zu machen, erzählt der 20-Jährige, der im dritten Lehrjahr ist und gerade bei einem Milchvieh-Hof in Baiern (Kreis Ebersberg) die betriebliche Ausbildung macht. Doch die Arbeit auf dem Hof, gerade im Wald, wollte er letztlich nicht missen.

Auch große Maschinen sind für Bernhard Weinberger jun. kein Problem.
Auch große Maschinen sind für Bernhard Weinberger jun. kein Problem. © sw

„Im Holz, das ist eine sehr abwechslungsreiche Arbeit, noch abwechslungsreicher als auf dem Feld, wo man viel mit dem Bulldog über die Felder fährt“, sagt er. „Im Wald betätigt man sich auch viel mehr körperlich.“ Außerdem sei Holz mit das Produktivste, was es an Biomasse gibt. Allein durchs Wachsen und ohne spezielle Bewirtschaftung liegt der durchschnittliche Zuwachs bei rund zehn Festmeter Holz pro Hektar. Das entspricht in etwa zehn Kubikmeter massivem Holz ohne irgendwelche Zwischenräume.

Bei optimalen Bedingungen und entsprechender Pflege lässt sich der Ertrag noch deutlich steigern. Zur Pflege gehört auch, dass man seine Bäume vor Schädlingen schützt. „Im Sommer laufen wir fast nur dem Käfer hinterher“, sagt Bernhard Weinberger jun. und meint damit den Borkenkäfer, eine der größten Gefahren für einen Wald. Befallene Bäume müssen schnellstmöglich gefällt und aus dem Forst entfernt werden, um den weiteren Befall einzudämmen.

Der richtige Mix verringert das Risiko

Nasse und kühle Sommer verlangsamen die Ausbreitung des Schädlings. Doch in Zeiten des Klimawandels muss man auch häufiger mit trockenen und warmen Perioden rechnen. „Vorletztes Jahr war es eine Zeit lang so trocken, dass wir die Setzlinge wässern mussten“, erzählt Bernhard Weinberger jun. Deshalb den Wald radikal umzubauen, davon halten die Weinbergers aber nichts. „Jede neue Pflanzung will gut überlegt sein“, sagt sein Vater: „Und jedes Mal stellt sich die Frage: Ist die Baumart, die ich jetzt pflanze, in 80 Jahren noch die richtige?“ Denn auch Laubhölzer können ihre Probleme bekommen, führt Mutter Andrea an und erinnert an die Probleme mit dem Asiatischen Laubholzbockkäfer. Deshalb wird die Zukunft der Forstwirtschaft nach Ansicht der Ayinger Landwirtsfamilie wohl eine breite Streuung an Baumarten sein. „Die richtige Mischung macht‘s“, sagt der Junior. „Denn dann ist das Risiko geringer“, ergänzt Mutter Andrea.