„Man sieht sich immer zweimal“: Ex-Bürgermeister Jörg Pötke will zurück ins Rathaus

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Will zurück ins Rathaus: Taufkirchens ehemaliger Bürgermeister Jörg Pötke. Er war von 2008 bis 2012 Bürgermeister. © Robert Brouczek

Die Initiative Lebenswertes Taufkirchen (ILT) setzt bei der anstehenden Wahl auf ihren umstrittenen Ex-Bürgermeister Jörg Pötke (79) als Spitzenkandidaten.

Für den politischen Gegner ist er ein wahr gewordener Alptraum, die Anhänger feiern ihn fast wie einen Messias: Taufkirchens umstrittener Ex-Bürgermeister Jörg Pötke ist seit Monaten zurück auf der politischen Bühne und zieht für seine Initiative Lebenswertes Taufkirchen (ILT) als Pressesprecher die Fäden. Bei der Kommunalwahl wird er nun an vorderster Front stehen: als Bürgermeisterkandidat – mit 79 Jahren.

Dass sein hohes Alter ein Hinderungsgrund sein könnte, ihn zu wählen, ist ihm egal. Er kokettiert damit, zeigt am Abend der ILT-Nominierungsversammlung Fotos von sich beim Klettern und bei der Gartenarbeit in luftiger Höhe. Das letzte Bild sei erst vor einem halben Jahr aufgenommen worden, sagt der langjährige Tennisspieler, der nach eigenen Angaben noch immer in der Landesliga aktiv ist, zu den rund 30 Anwesenden im kleinen Saal des Kultur- und Kongresszentrums und lächelt verschmitzt.

„Stoppt die Gigantomanie“: Die ILT will die derzeit geplante Umgestaltung des Bahnhofsquartiers verhindern.
„Stoppt die Gigantomanie“: Die ILT will die derzeit geplante Umgestaltung des Bahnhofsquartiers verhindern. © sw

Doktoren würden ihn jährlich untersuchen und seien sehr zufrieden mit seiner Gesundheit. „Als ehemaliger Leistungssportler habe ich ein etwas zu großes Herz“, sagt er und schiebt nach: „Das ist hilfreich fürs soziale Miteinander und einen ruhigen Puls.“

Man kann von Pötke, der verheiratet und Vater von zwei Söhnen ist, 36 Jahre als Zahnarzt praktiziert hat, 18 Jahre im Gemeinderat saß, ab 2008 als Bürgermeister die Rathausgeschäfte in Taufkirchen führte, vier Jahre später wegen Mobbing-Vorwürfen suspendiert, aber letztlich nie seines Postens enthoben wurde, und sich mit seinem Nachfolger Ullrich Sander (parteifrei) ständig beharkt, denken was man will. Aber eines steht fest: Der 79-Jährige, der auch die Bund-Naturschutz-Ortgruppe führt, ist nicht nur eloquent, sondern auch ein bemerkenswerter Stratege.

Jörg Pötke, ILT Taufkirchen, Bürgermeisterkandidat.
Will zurück ins Rathaus: Taufkirchens ehemaliger Bürgermeister Jörg Pötke. © privat

Mit dem Hinweis, er habe monatelang vergeblich Mitstreiter zu überreden versucht, sich als Bürgermeisterkandidaten zur Verfügung zu stellen, gibt er die ihm zu Beginn übertragene Wahlleitung plötzlich an ein anderes Mitglied ab – seinen Worten zufolge in der Hoffnung, dass dieses mehr Glück bei der Kandidaten-Suche hat. Prompt heben sich mehrere Hände von ILT-Weggefährten, die allesamt Pötke als Kandidaten vorschlagen.

Dessen Wahl ist nur noch Formsache: Bei einer Enthaltung stimmen alle anwesenden Mitglieder für den Ex-Rathauschef. Und der hat, wenig überraschend, eine lange Rede vorbereitet. Was folgt, ist ein 30-minütiges Loblied auf die ILT, die als einzige politische Gruppierung im Ort noch Bürgernähe zeige (“Wir organisierten mehr erfolgreiche Bürgerbegehren als alle anderen zusammen.“) und die Identität Taufkirchens wahre (“Wir wollen, dass unsere Mitbürger jeden Morgen in ihrer überwiegend ländlichen Gemeinde aufwachen und nicht in einem Stadtbezirk“). Aus diesem Grund müsse man auch die geplante „Gigantomanie am Bahnhof“ stoppen. Grüne, CSU, SPD und Freie Wähler seien zur Einheitspartei verschmolzen und hätten derzeit vor allem ein Ziel: ihn zu diffamieren.

So wie damals, während seiner Amtszeit, als sich die politischen Gegner mit Gemeinde-Bediensteten verschworen hätten, um ihn zu stürzen. Ratsmitglieder aller Partien hätten sogar einmal während einer Besprechung seine Amtstür aufgerissen und ihn angebrüllt, erzählt er – und zeigt zur Untermalung ein Foto von der Kapitol-Erstürmung der Trump-Anhänger in den USA 2021. Zum Abschluss schwört Pötke seine politischen Weggefährten noch einmal ein: „Lasst uns an unsere alten Erfolge anknüpfen“, ruft er. „Nach dem Motto: Man sieht sich immer zweimal!“ Klingt fast wie eine Drohung.