Vogelgrippe-Alarm am Ismaninger Speichersee, aber vorerst keine Sperrzone

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Die Idylle trügt: Der Ismaninger Speichersee ist Europas größtes Vogelschutzgebiet – aktuell aber auch Brutstätte der Tierseuche. © Martin Becker

Die Vogelgrippe nähert sich dem Landkreis München: Im Ebersberger Teil des Ismaninger Speichersees wurden etwa 50 Tierkadaver gefunden – die Dunkelziffer ist hoch.

Landkreis – Ist die gefürchtete Geflügelpest jetzt im Landkreis München angekommen oder nicht? „Aktuell gibt es noch keinen neuen Sachstand“, teilte das Landratsamt München am Donnerstagnachmittag mit. Zuvor waren im Ismaninger Speichersee, allerdings in dessen Teilgebiet im Nachbarlandkreis Ebersberg, rund 50 Kadaver verendeter Graugänse und Schwäne gefunden worden, 22 davon wurden am Dienstag geborgen. Ein erster Test des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) hat Infektionen mit einem sogenannten AI-Virus nachgewiesen, zu denen auch die Vogelgrippe gehört. Ob es sich um jene handelt, also einen der aggressiven Virusstämme H5N1 oder H7N1, oder eine weniger ansteckende Variante, klärt jetzt das Friedrich-Löffler-Institut.

Ismaninger Speichersee vom Flugzeug aus
Der Ismaninger Speichersee vom Flugzeug aus – hier der Blick in Richtung Ismaning und Unterföhring. © Martin Becker

Was den Landkreis München angeht, in dessen Bereich der westliche und teils schwer zugängliche Teil vom Speichersee liegt: „Eine Sperrzone für den Speichersee im Sinne des Tierseuchenrechts (diese würde zum Beispiel mit einer Aufstallungspflicht einhergehen, die für den Speichersee keinen Sinn ergäbe), ist nicht geplant“, heißt es auf Nachfrage des Münchner Merkur aus dem Landratsamt. „Die drei an den See angrenzenden Landkreise München, Ebersberg und Erding lassen jedoch aktuell aus Vorsorgegründen von übergeordneter Stelle prüfen, ob ein vorübergehendes Betretungsverbot für die Öffentlichkeit ausgesprochen werden kann, um Kontakte mit toten Tieren auf das höchstmögliche Maß zu reduzieren (die meisten toten Tiere befinden sich allerdings ohnehin im Wasser). Für den Landkreis München hätte ein solches Betretungsverbot jedoch kaum Auswirkungen, da der See von Landkreisseite für die Öffentlichkeit nicht zugänglich ist.“ Eine Aufstallungspflicht indes mache „nur dann Sinn, wenn der betroffene, zusammenhängende Großraum gemeinsam handelt“.

Auch Nikolaus Kraus, Landtagsabgeordneter der Freien Wähler und Landwirt aus Ismaning, äußert sich zur Geflügelpest. „Dass sie am Speichersee auftritt, einem der bedeutendsten Vogelschutzgebiete in ganz Europa mit teils über 100 000 Wasservögeln, kommt nicht überraschend“, sagt Kraus. Sein Rat: „Ruhe bewahren!“ Es bestehe „nicht annähernd die Chance, in diesem weitläufigen Gebiet alle verendeten Tiere zu finden“. Kraus hofft: „Dass die Natur dies durch Selektion regelt, die starken Tiere überleben und die schwachen wegsterben.“ Eine Impfung für Nutzvögel befürwortet der Ismaninger, „bei Gartenvögeln funktioniert das in der Praxis natürlich nicht“.

Interessant ist nebenbei, dass der Fischereiverein Fischwaid München schon am 23. Oktober auf der Vereins-Webseite warnte: „Die Vogelgrippe ist am Ismaninger Speichersee bestätigt. Die Krankheit kann somit auch am Hollerner See, Feringasee etc. vorkommen. Für Angler besteht keine Gefahr, aber bitte keine toten oder kranke Vögel berühren. Durch Vogelkot an den Schuhen kann die Krankheit weiter verbreitet werden. Bitte deshalb Schuhe nach dem Angeln desinfizieren“, schrieb schon vergangene Woche die Vorstandschaft des Fischereivereins.