Social-Media-Verbot für Unter-16-Jährige: „Unerlässlich“ oder „totaler Quatsch“?

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Australien hat es schon und in Deutschland gibt es Diskussionen darüber: das Social-Media-Verbot für Unter-16-Jährige. Das denken unsere Leserinnen und Leser.

Der 10. Dezember 2025 markierte eine internetpolitische Wende in Australien, zumindest für australische Kinder und Jugendliche. Als erstes Land der Welt führte Australien ein generelles Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige ein. Damit wolle man Kindern ihre Kindheit zurückgeben, hieß es vonseiten der Regierung – und sie zudem vor Cyber-Mobbing und dem Konsum verstörender Inhalte schützen. Mittlerweile wollen immer mehr europäische Länder dem Beispiel folgen. Auch in Deutschland ist eine Debatte über das Social-Media-Verbot entbrannt. Wir haben uns die vergangenen Wochen bei politischen Entscheidern umgehört, aber auch Sie gefragt, liebe Leserinnen und Leser. Das Votum ist deutlich.

Was denken Sie über ein Social-Media-Verbot? Notwendig oder übergriffig? © Rick Rycroft/AP/dpa/Montage

In einer nicht repräsentativen Merkur-Umfrage haben sich gut 80 Prozent für ein Mindestalter von 16 Jahren für die Nutzung sozialer Medien ausgesprochen. Nur ein Fünftel findet diesen Vorschlag „unverhältnismäßig“. In den Kommentaren zur Umfrage begründen einige Leserinnen und Leser ihre Position: „Ich begrüße das sehr. Den Kindern und Jugendlichen würde es viel Leid und Sorgen ersparen.“ Ein anderer plädiert für einen Zwischenschritt: „Ich würde mir wünschen, dass man die Anmelderegelungen drastisch verschärft.“

Social-Media-Verbot für Unter-16-Jährige: „Es geht um Kontrolle“

Ein anderer meint, für das Stärken der Medienkompetenz sei es „längst zu spät“. Daher müsse „auch eine Sperre her“. Es gibt aber auch kritische Stimmen. „Es geht doch nicht um den vorgeschobenen Jugendschutz, sondern um Kontrolle“, schreibt ein User. Ein anderer meint, nahezu alle Jugendlichen würden Social Media nutzen. Das gehöre zum Alltag und werde von den Kindern auch zur Kontaktpflege genutzt. „Sollte man nicht verbieten“, meint der User. Ein anderer schlägt die Brücke zu den Erziehungsberechtigten der Kinder und fragt: „Läge eine solche Maßnahme nicht in der Verantwortung der Eltern? Ich halte einen Staat, der solche Verbote ausspricht, für übergriffig.“

Ein Nutzer meinte daraufhin, der Staat lege auch fest, wann jemand Autofahren oder Drogen konsumieren dürfe. Das sei „nicht weniger übergriffig“, schrieb er. „Bei manchen Dingen ist es einfach nötig, ‚soziale‘ Medien gehören da ganz sicher dazu.“

Social-Media-Verbot in Australien

Das Gesetz war Ende 2024 verabschiedet worden. Es sieht ein generelles Social-Media-Verbot für Unter-16-Jährige vor. Im Januar hatte die Regierung mitgeteilt, dass seit Inkrafttreten schon mehr als 4,7 Millionen Accounts von Kindern und Jugendlichen deaktiviert, gelöscht oder eingeschränkt wurden. Es gibt aber Berichte, wonach die Kinder und Jugendlichen sich einfach neue Accounts erstellt haben. Vorgesehene Alterskontrollen seien leicht zu umgehen.

Unter die neuen Regeln fallen unter anderem Instagram, Tiktok, Snapchat, Facebook, YouTube, X, Reddit und Twitch. Ausgenommen sind verschiedene Messenger- und Spiele-Dienste wie Roblox, WhatsApp und Facebook Messenger. Bei Verstößen drohen den Unternehmen Bußgelder von bis zu 49,5 Millionen australischen Dollar (28,5 Millionen Euro). 

Debatte um Social-Media-Verbot: „Unerlässlich“ oder „totaler Quatsch“

Mehrere Länder haben bereits angekündigt, dem australischen Beispiel folgen zu wollen. Konkrete Pläne gibt es unter anderem in Spanien, Frankreich und Großbritannien. In Deutschland gibt es noch keine einheitliche Position der Bundesregierung, aber erste Stimmen für ein Verbot. So bezeichnete der SPD-Abgeordnete Macit Karaahmetoğlu ein Verbot als „unerlässlich“. Im Gespräch mit unserer Redaktion meinte der Anwalt für Medienrecht: „Angesichts von 1,3 Millionen mediensüchtigen Jugendlichen und zwei Millionen Mobbingopfern in Deutschland können wir es uns nicht leisten, Eltern und Schulen mit dieser geistigen Fäule allein zu lassen.“

Auch beim Koalitionspartner, der Union, gibt es erste Vorstöße. So wird ein Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche Thema beim CDU-Bundesparteitag Ende Februar sein. Der CDU-Landesverband Schleswig-Holstein unter Führung von Ministerpräsident Daniel Günther hat dazu einen Antrag gestellt.

Es gibt aber auch kritische Stimmen. So hält Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) ein Verbot für „totalen Quatsch“ und „realitätsfremd“, wie er schon im Sommer sagte. Nichts von einem Verbot hält auch Baden-Württembergs CDU-Chef Manuel Hagel. „Für viele Jugendliche ist doch nichts attraktiver als ein Verbot“, sagte Hagel jüngst im Merkur-Interview. „Wir müssen unsere Kinder für das spätere Leben befähigen und sie nicht davon ausschließen. Wir brauchen den richtigen Umgang mit Social Media.“ Die Debatte dürfte damit nicht beendet sein. Was denken Sie?

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