Sechs Freunde aus dem Landkreis Erding waren auf Tour nach Barcelona. Nur zwei kamen auf ihren Zündapps an.
Eine 1700-Kilometer-Reise durch fünf Länder mit bis zu 68 Jahre alten Mopeds – sechs junge Männer aus dem Landkreis haben dieses Abenteuer gewagt. Zweieinhalb Wochen dauerte die Reise nach Barcelona und zurück. Alle kamen unfallfrei an, aber nicht ohne reichlich technische Pannen und Hindernisse. Das entspannte Reisemotto der Freunde: „Ois Kopfsach.“
Zeno Fendt musste seine Freunde nicht lange überreden. Die Brüder Severin Fischbach (24), Schreinergeselle aus Reisen, und Mechaniker Jakob Fischbach (22) sowie die Eittinger Thomas Kratzer (20, Maurer), Tobias Langnickel (21, PC-Techniker) und Jonas Hatzl (23, Landschaftsgärtner) sind wie der 22-jährige Mechaniker aus Moosinning Mitglieder im Burschenverein Reisen. Sie teilen ihr Interesse für alte Autos, kultige Mopeds sowie die frühere Musik und sind schon öfter gemeinsam gereist.
Erste Panne bereits in Neufinsing
Schon vor drei Jahren hatte Fendt die Barcelona-Idee. Das Abenteurer-Gen liegt ihm im Blut: Opa Werner Fendt war einmal per Anhalter nach Spanien unterwegs. Vor ein paar Monaten wiederholte Zeno Fendt seinen Plan zu später Stunde im Bauwagen und erhielt spontane Zusagen. Das Umfeld reagierte deutlich kritischer: „Wann hört ihr das Spinnen wieder auf?“, wurden die Männer gefragt. „Ihr kommt damit ja nicht mal aus dem Landkreis raus.“
Aber die sechs Freunde machten Ernst. Weil ihre Zündapp- und Quickly-Mopeds 45 bis 68 Jahre alt sind, starteten vor drei Monaten die Restaurierungen. In Fendts Werkstatt wurden die Motoren zerlegt und gereinigt, Dichtungen und Reifen gewechselt. Das Packen war weniger aufwendig: Campingausrüstung, Wechselklamotten, Ersatzteile.
Nach einem Weißwurstfrühstück in Neufinsing ging es los. Etwa 40 km/h fahren die Mopeds, bei bergigen Strecken wie der alten Brennerstraße höchstens 20 km/h. Schon zu Beginn gab es zwei Pannen: noch in Neufinsing ein Pedal-Verlust und 50 Kilometer später ein geplatzter Reifen. Das war aber nur der Anfang, und wir listen auch nicht alles auf. Noch vor Innsbruck rissen bei Kratzers Quickly vier Speichen. Das Moped wurde repariert, in Südtirol nahe des Vahrner Sees aber das gleiche Problem. Letztlich wurde der Reifen ausgetauscht. Ein Freund der Gruppe, ebenfalls Quickly-Besitzer, brachte eine Felge nach Südtirol. Dort lernten die Reisenden die Gastfreundschaft eines 31-Jährigen kennen, der den Erdingern half und sie bei sich übernachten ließ.
Weiter ging die Fahrt Richtung Italien. Weil es den sechs Burschen auf der Schnellstraße zu gefährlich wurde, fuhren sie mit ihren Mopeds kleinere Straßen durch die Weinberge. „Das war eine der schönsten Routen“, sind sie sich einig. Ein Etappenziel nach gut 750 Kilometern war der Campingplatz bei Gameragna. Auch hier waren aber wieder verschiedene Reparaturen notwendig. An der Grenze zu Frankreich musste bei Severin Fischbachs Quickly der Motor zerlegt werden. Bis 1 Uhr nachts werkelte die Gruppe mit Stirnlampen, bis die Kupplung wieder funktionierte.
In Cannes machten die Quicklys schlapp
In Frankreich fuhren sie entlang der Côte d’Azur. „Die Küste dort ist wunderschön, das war schon ein Highlight“, schwärmt Fendt. In Nizza, Cannes und Monaco machten vor allem die Quickly-Maschinen Zicken. „Wir hatten zu viel Gewicht, die Motoren sind uns zu heiß geworden“, erklärt Severin Fischbach. Die Zweiräder brauchen zur Belüftung Fahrtwind, was bei Temperaturen von 40 Grad unmöglich sei.
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In Cannes war Schluss für die drei Quicklys. Fendt, Kratzer und Severin Fischbach mieteten einen Leihwagen, um sich und die drei Mopeds nach Barcelona zu bringen. Hatzl, Langnickel und Jakob Fischbach fuhren auf ihren Zündapps weiter Richtung Marseille. Bei Fischbachs Moped häuften sich dann jedoch die Probleme, weswegen er in Perpignan, kurz vor der spanischen Grenze, ebenfalls seine Route beendete. Er reiste im gemieteten Sprinter nach. Nur Langnickel und Hatzl schafften letztlich auch noch die letzten Kilometer auf ihren Zündapps.
Angekommen in Barcelona, feierten die Erdinger erst einmal und besichtigten die Stadt. Nach drei Tagen ging es zurück. Nochmals wurde es abenteuerlich wegen geklauter Tankdeckel und einer Verkehrskontrolle der spanischen Polizei. Allgemein hatten sie sich die Rückreise aber vereinfacht. Mit der Fähre ging es nach Sardinien und von dort aus nach Genua. In der italienischen Hafenstadt trennten sich die Wege erneut. Angehörige waren nach Genua gereist, um vier Mopeds abzuholen.
Hatzl und Jakob Fischbach fuhren per Anhalter, organisiert über das Internet, heim. Fendt und Kratzer versuchten das Trampen altmodisch mit einem „Munich“-Schild an der Autobahn, gaben aber nach vier Stunden auf. Sie kamen letztlich mit dem Zug nach Hause. Nur Langnickel und Severin Fischbach fuhren die verbleibende Strecke mit Zündapp und Quickly zurück. Nach verschiedenen Technik-Aussetzern kamen auch sie gut in der Heimat an. Die komplette Reisegruppe wurde dort mit einem Fass Bier überrascht.
Cremona hat gar nicht gefallen
„Wir haben die schönsten Orte gesehen, aber auch die hässlichsten“, zieht Langnickel Bilanz. Gar nicht gefallen hat Zeno Fendt zum Beispiel Cremona. In dem Ort zwischen Gardasee und Genua „war es einfach nur heiß und ungemütlich mit unglaublich vielen Insekten. Dort ist gar nichts, kein Meer oder See, nur karge Landschaft und fade Gegend.“
Aber selbst unschöne Erlebnisse habe man immer mit Humor genommen, betont Jakob Fischbach. Und mit ihren Mopeds seien sie auch definitiv aufgefallen, ergänzt sein Bruder Severin: „Die Leute haben geschaut, gefilmt und gehupt. Sie konnten nicht glauben, dass wir mit den Dingern so weit fahren.“
Für 2025 plant das Sextett eine Motorrad-Tour. Das Reiseziel steht noch nicht fest, aber es werde sich schon etwas finden, meint Fendt: „Ganz Europa haben wir noch nicht gesehen.“