Wie steht‘s um die Kreisklinik Wolfratshausen? Die Frage beantworteten Geschäftsführer Ingo Kühn und Ärztlicher Direktor Dr. Stefan Schmidbauer bei einem Info-Abend.
Wolfratshausen – Welche Bedeutung die örtlichen Parteien und politischen Gruppierungen der Kreisklinik Wolfratshausen zumessen, belegt die Tatsache: Zum Info-Abend lud die Bürgervereinigung Wolfratshausen (BVW) gemeinsam mit CSU, Grünen, SPD und FDP ein. „Bei wichtigen Themen müssen wir zusammen kämpfen“, sagte BVW-Vorsitzende Kathrin Kugler. Wie wichtig den Wolfratshausern das Krankenhaus am Moosbauerweg ist, belegt die stattliche Zahl der Zuhörer und Diskutanten, die am Donnerstagabend im Wirtshaus Flößerei erschienen.
Rathauschef Heilinglechner: „Brauchen zwei Kliniken im Landkreis“
Rathauschef Klaus Heilinglechner (BVW) sitzt seit 2014 im Aufsichtsrat der Kreisklinik gGmbH. „Jedes Jahr“, so der Bürgermeister, würden Aufsichtsrat und Geschäftsführung des kreiseigenen Krankenhauses „vor großen Herausforderungen stehen“. Immer wieder gehe das Gespenst Klinikschließung um. Mit Blick auf den großen Flächenlandkreis Bad Tölz-Wolfratshausen konstatierte Heilinglechner: „Wir brauchen unbedingt zwei Kliniken im Landkreis“ – die in der Flößerstadt und die private Asklepios-Stadtklinik in Bad Tölz. Bei „Wegfall“ des Krankenhauses in Wolfratshausen würde eine „unwahrscheinliche Lücke“ entstehen. Zwar gebe es Kliniken im Landkreis oder Nachbarkreisen, doch aufgrund weiter Fahrstrecken „sind die nicht schnell erreichbar“.
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Klinik-Geschäftsführer Ingo Kühn skizzierte die Krankenhausreform, die im Kern durchaus darauf abziele, dass einige Kliniken geschlossen werden: stärkere Spezialisierung und Aufstockung des Personals, für alle Fachbereiche seien künftig drei Fachärzte vorgesehen. „Und das alles bei gleichbleibendem Budget.“ Angst und Bange ist dem Geschäftsführer trotz allen Unbills nicht: „Die strategischen Maßnahmen greifen.“ Die Verantwortlichen hätten ihre Hausaufgaben gemacht: Der Umsatz – zuletzt rund 25 Millionen Euro – sei um mehr als 15 Prozent gestiegen, Kooperationen mit der Klinik Agatharied und dem LMU-Klinikum Großhadern wurden geschlossen. Wie von den Kreispolitikern gefordert, sei eine zukunftsfähige Strategie für das Kreiskrankenhaus entwickelt und mit deren Umsetzung begonnen worden.
Wir sind gut aufgestellt, wir setzen voll auf Entwicklung, wir müssen uns nicht schämen.
Doch Kühn verhehlte nicht, dass die Klinik das Geschäftsjahr 2024 mit einem Defizit von drei Millionen Euro abschloss. Bei 160 Planbetten bedeutet das einen Verlust von rund 19 000 Euro pro Bett. Der Geschäftsführer betonte, dass das Defizit im Vergleich mit vielen anderen kommunalen Kliniken in der Region relativ moderat ausfalle. Ein Beispiel: Das Krankenhaus Weilheim-Schongau machte im vergangenen Jahr gut 39 000 Euro Verlust pro Patientenbett. Der Asklepios-Konzern, so Kühn auf Nachfrage, veröffentliche solche Zahlen nicht.
Kreisklinik Wolfratshausen beschäftigt aktuell 524 Mitarbeiter
524 Mitarbeiter, darunter etwa 80 Ärzte und rund 240 Pflegekräfte, beschäftigt die gGmbH aktuell. „In der Pflege haben wir keine Vakanzen“, sagte Kühn. Das sei auf ein weit überdurchschnittliches Engagement bei der Anwerbung und Betreuung von Kräften aus dem Ausland zurückzuführen.
„Ich bin überzeugt vom Standort, von der Berechtigung und Struktur“ der Kreisklinik, sagte Dr. Stefan Schmidbauer, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Chirurgie. Was sich seit Beginn seiner Karriere alles verändert habe, erläuterte der Mediziner am Beispiel der durchschnittlichen Verweildauer der Patienten. Nach seinem Universitätsabschluss lag die bei 19 Tagen, sank auf neun und betrage aktuell 4,2 Tage.
Wir alle können die Kreisklinik stärken, wenn wir uns alle für unsere Klinik aussprechen.
Verlangt werde eine „minutiöse Dokumentation“, die Protokolle würden vom Medizinischen Dienst penibel kontrolliert. Und wenn die vorgegebene Verweildauer überschritten wird: „Dann gibt‘s kein Geld mehr“, so Schmidbauer, der seit 2008 bei der Kreisklinik beschäftigt ist.
Dem Ärztlichen Direktor ist bewusst, dass sich „auf dem konkurrierenden Markt noch einiges tun wird“. Aber Schmidbauer ist trotz der „unfassbaren Blase an Vorgaben“ überzeugt: „Wir sind gut aufgestellt, wir setzen voll auf Entwicklung, wir müssen uns nicht schämen.“ Ja, es müsse auf die Kosten geachtet werden, doch an der Qualität dürften keine Abstriche gemacht werden.
Kühn würde es gerne sehen, wenn die politischen Diskussionen über die Zukunft der Kreisklinik enden würden – „das schwächt uns nur“. Er und Schmidbauer haben den Wunsch, dass das Krankenhaus angesichts steigender Energie- und Personalkosten „ausreichend“ finanziert wird. „Wir wollen nur einen Ausgleich, nicht mehr Geld“, so der Ärztliche Direktor. „Wir alle können die Kreisklinik stärken“, sagte Bürgermeister Heilinglechner, „wenn wir uns alle für unsere Klinik aussprechen.“