Interkommunales Hallenbad: „Über Plan B und C nachdenken“

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Diese Fläche, auf dem der Badepark stand, will Bad Wiessee für ein interkommunales Sport- und Familienbad zur Verfügung stellen. © Thomas Plettenberg

Die bisherige Kalkulation für ein interkommunales Hallenbad im Tegernseer Tal geht nicht auf. Wie und ob es realisiert wird, hängt davon ab, was der Bau tatsächlich kostet. Das war im Tegernseer Stadtrat Thema. Unterdessen wird in Waakirchen neu diskutiert – hinter verschlossenen Türen.

Tegernsee/Waakirchen – „Wie geht‘s weiter mit unserem Herzensprojekt, dem Bau des interkommunalen Hallenbads?“ Diese Frage stellte Andreas Obermüller (FWG) jetzt am Rande der Stadtratssitzung. Bürgermeister Johannes Hagn (CSU) gab kurz den Status Quo wieder. Er erinnerte daran, dass der Arbeitskreis Kommunales Schwimmen, der das Vorhaben erarbeitet hatte, inzwischen aufgelöst ist. Zudem sei Bad Wiessee beauftragt worden, eine Ausschreibung zu starten, um die Kosten zu ermitteln. Wie berichtet, handelt es sich um ein VgV-Verfahren zur Vergabe öffentlicher Aufträge. Bad Wiessee als Standortgemeinde ist damit befasst, die ersten Leistungsphasen, sprich Grundlagenermittlung und Vorplanung, auszuschreiben.

Nisher nur vier Gemeinden im Boot

Die Kosten für das Sport- und Familienbad mit einem 25-Meter-Sportbecken mit fünf Bahnen, einem Lehrschwimmbecken mit Hubboden, einem Kinderplanschbecken, einem Ein-Meter-Sprungbrett und einer Textilsauna werden bisher auf knapp 30 Millionen Euro geschätzt, das jährliche Defizit auf rund drei Millionen Euro. Mit im Boot sind bisher nur die vier Tal-Gemeinden Gmund, Tegernsee, Rottach-Egern und Bad Wiessee. Kreuth lehnt eine Beteiligung an den Baukosten ab und hat lediglich einen jährlichen Zuschuss von 45 000 Euro in Aussicht gestellt. Waakirchen bietet eine Einmalzahlung von 500 000 Euro an sowie einen jährlichen Defizitausgleich von 24 000 Euro – ein Vorschlag, der mit knapper Mehrheit zustande kam. Dabei sollte es ein Solidar-Projekt aller Tal-Gemeinden werden, wobei Gmund, Tegernsee, Rottach-Egern und Bad Wiessee den Löwen-Anteil mit je 4,4 Millionen Euro (netto) als Baukostenanteil sowie das jährliche Defizit von 320 000 Euro schultern sollen.

Über öffentliche Debatte in Waakirchen erschrocken

„Über die öffentliche Debatte im Waakirchner Gemeinderat bin ich sehr erschrocken“, gestand Vize-Bürgermeister und bisheriger Arbeitskreis-Sprecher Michael Bourjau (FWG) im Stadtrat und meinte dies angesichts der Zahl von 350 bis 400 Waakirchner Kindern, die zum Schwimmen gehen sollen. Zur Aussage von Bad Wiessees Bürgermeister Robert Kühn (SPD), wonach sich Bad Wiessee fair und großzügig zeigen werde, was die Aufteilung der wegen Kreuth und Waakirchen fehlenden 20 Prozent an Baukostenbeteiligung betrifft, äußerte er sich vorsichtig: „Ich bin mir nicht sicher, ob es dabei bleibt.“ Überhaupt sei er sich nicht sicher, wie sich das Projekt entwickeln werde. Bourjau: „Wir sollten über Plan B und C nachdenken und werden das auch tun.“ In der jetzigen Form, so seine persönliche Meinung, sei er nicht mehr überzeugt. Man habe zumindest versucht, ein Solidarprinzip aufzusetzen.

Hagn kündigte an, der Stadtrat werde sich wieder damit befassen, wenn die Kostenermittlung vorliege. Momentan sei die Arbeit für die Stadt erledigt.

ABV will neu diskutieren

Unterdessen ist in Waakirchen das Thema nicht beendet. Die ABV-Fraktion hat den Antrag gestellt, noch einmal über die Beteiligung am interkommunalen Schwimmbad zu beraten. Ihr geht es um die Bewertung, also um die Frage, was Waakirchen für seinen finanziellen Beitrag erhält. Diese Information, erklärt ABV-Fraktionschef Rudi Reber, habe bei der Abstimmung gefehlt.

Überhaupt herrscht nach der Beschlussfassung in Waakirchen Verwirrung. Wie berichtet, hatte der Gemeinderat über die kalkulierte Beteiligung in Höhe von 1,8 Millionen Euro gar nicht diskutiert. Stattdessen warf Bürgermeister Norbert Kerkel einen Vorschlag aus Rottach-Egern in die Runde: 550 000 Euro für den Bau und pro Jahr 40 000 Euro für den Betrieb. Das Gremium drückte die jährliche Zahlung auf 24 000 Euro, was mit 10:8 abgesegnet wurde. Bad Wiessee ließ gleich darauf wissen, dass ein Mini-Beitrag für eine Partnerschaft nicht reicht. Dies werde sich auch auf die Vergabe der Schwimmzeiten für Vereine und Schulen auswirken.

Debatte in nicht öffentliche Sitzung geschoben

Der ABV-Antrag sollte bei der nächsten Sitzung des Waakirchner Gemeinderats am Dienstag, 12. August, öffentlich diskutiert werden. Die Einladung an die Presse war schon verschickt, als gestern die Mitteilung kam, dass die Punkt in den nicht öffentlichen Teil der Beratung verschoben wurde. Angesichts der aufgeheizten Situation will man wohl lieber hinter verschlossenen Türen diskutieren.

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