Waakirchen hält Bad-Zuschuss klein

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Ein Bild aus vergangenen Zeiten: Seit dem Abriss des Badeparks in Bad Wiessee gibt es im Tegernseer Tal kein öffentliches Hallenbad mehr. ©  Thomas Plettenbeg

Soll sich Waakirchen an einem Tegernseer-Tal-Hallenbad beteiligen? Die Frage wurde im Gemeinderat erhitzt diskutiert. Am Ende gab‘s eine knappe Mehrheit für eine Unterstützung. Doch die liegt deutlich unter dem eigentlich angesetzten Betrag. Was dies für das Projekt bedeutet, ist offen.

„Gehen wir schwimmen“, versuchte Waakirchens Bürgermeister Norbert Kerkel (FWG) es mit einer launigen Einleitung für ein schwieriges Thema. Wie berichtet, wollen die Nachbarn im Tegernseer Tal Waakirchen für eine Beteiligung am interkommunalen Hallenbad in Bad Wiessee gewinnen. Erst vor Kurzem hatte der Tegernseer Vize-Bürgermeister Michael Bourjau, der für den Arbeitskreis ein Finanzierungsmodell erarbeitet hat, dem Gemeinderat in nicht öffentlicher Sitzung neue Rechenmodelle präsentiert und um Zustimmung geworben.

Finanzielle Hürde

Erbeten war eigentlich eine Beteiligung mit 1,8 Millionen Euro. „Aber wir sind uns einig, dass das für uns nicht funktioniert“, meinte Kerkel. Zur Abstimmung wolle er jetzt einen Vorschlag der Gemeinde Rottach-Egern stellen. Er stammt aus der Bürgermeisterdienstbesprechung und folgt dem Ziel, die finanzielle Hürde für die kleine Gemeinde überwindbar zu machen und auf 2,5 Prozent herabzusetzen. Demnach wäre Waakirchen an Bord, wenn die Gemeinde einmalig 550 000 Euro zahlt und zudem jährlich 40 000 Euro zum Ausgleich des Defizits zuschießt. Wie berichtet, werden die Baukosten auf 28 Millionen Euro geschätzt, das Jahresdefizit auf 2,3 Millionen Euro.

Doch für Erwin Welzmiller (CSU) gibt es überhaupt keinen Grund, sich an einem Hallenbad in Bad Wiessee zu beteiligen. „Wir gehören nicht zum Tegernseer Tal“, sagte er. Aus seiner Sicht verhalte sich die Sache so: Der Wiesseer Bürgermeister Robert Kühn habe ein Wahlversprechen gegeben, das er nicht erfüllen könne, weshalb er nun andere ins Boot holen wolle.

Zudem, führte Martin Weingärtner (ABV) an, habe Kühn jüngst verkündet, dass die vier großen Tal-Orte Bad Wiessee, Rottach-Egern, Tegernsee und Gmund das Projekt auch alleine, also ohne Waakirchen und Kreuth, stemmen werden und nun den Planungsauftrag für die ersten Schritte vergeben. Demnach bestehe kein Grund, sich zu beteiligen – „und in ein Millionengrab zu investieren“.

Bäder sind defizitär

Noch schärfer formulierte es Robert Englmann (CSU). Er lehne eine Beteiligung „ausdrücklich ab“, weil die Gemeinde sich ansonsten auf Jahrzehnte hinaus unüberschaubaren Risiken aussetze: „Das ist ein Fass ohne Boden.“ Bäder seien die defizitärsten kommunalen Betriebe überhaupt. Kerkel hielt dem die Einschätzung des Kämmerers entgegen: Die Gemeinde Waakirchen könne sich eine Beteiligung in der nun genannten Höhe durchaus leisten. Doch darauf wollte auch Rudi Reber (ABV) angesichts einer Verpflichtung auf 30 Jahre nicht vertrauen, zumal die Gemeinde in den nächsten Jahren gewaltige Investitionen tätigen werde.

Neben kommunalen Wohnbau-Projekten will die Gemeinde auch einen Gasthof in Schaftlach errichten. Letzteres berge auch viele Risiken, erinnerte Carolin Marquardt (WIR). Es sei offen, ob sich der passende Betreiber finde und wie stark die Gemeinde die Dorfwirtschaft am Ende subventionieren müsse. Die Möglichkeit zum Schwimmunterricht zu bieten, halte sie für eine gesellschaftliche Aufgabe: „Da sind wir in der Verantwortung.“ Und eine Beteiligung von 2,5 Prozent sei überschaubar.

Auch Evi Obermüller (Grüne) kämpfte für eine Waakirchner Beteiligung am Hallenbad. Die Zahl der Badetoten steige, weil viele schlecht oder gar nicht schwimmen könnten: „Und das liegt auch daran, dass wir weniger Bäder haben.“ Aktuell finde für den Waakirchner Nachwuchs Schwimmunterricht in Bad Tölz statt, berichtete Obermüller, doch auch dies sei nicht auf Dauer gesichert.

In die aufgeheizte Debatte warf Gisela Hölscher (FW) die Idee, die Beteiligung noch zu reduzieren. Ihr Vorschlag: 500 000 Euro Einmalzahlung und 24 000 Euro jährlich zur Deckung des Defizits – „2000 Euro im Monat bekommen wir immer zusammen“. Dieser Vorschlag fand schließlich eine knappe Mehrheit von 10:8 Stimmen.

Votum enttäuschend

Für den Arbeitskreis-Sprecher Bourjau ist das Votum eine Enttäuschung, zumal die Waakirchner das Schwimmbad durchaus nutzen wollten. „Das ist wie S-Bahn-Surfen: mitfahren wollen, ohne zu zahlen.“ Eine so geringe Beteiligung sei eigentlich keine, sondern eher eine Provokation für die anderen Gemeinden. Und eine Haltung, die das Projekt kippen könne. Der Planungsauftrag für die ersten Leistungsphasen sei bisher nicht vergeben: „Alle haben auf Waakirchen gewartet.“ Jetzt, so Bourjau, müssten die Gemeinden erneut gemeinsam nachdenken. Aufgeben ist für ihn keine Option: „Wir kämpfen weiter.“

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