Seit dem 14. Dezember fahren weniger Züge auf der Pfaffenwinkelbahn. Gestrichene Verbindungen sollten einst den Berufsverkehr entlasten.
„Fährt mein Zug noch – oder wurde er gestrichen?“ Alle Jahre wieder und stets in der Weihnachtszeit treibt genau diese Frage Pendler im Landkreis um. Denn im Dezember kommt nicht nur das Christkind, sondern auch die Bahn mit einem Geschenk um die Ecke: dem Fahrplanwechsel.
Kaum ist der neue Jahresplan bei der Bahn im Einsatz, da kommt auch schon Skepsis auf. Große Zweifel an einer langfristigen Gültigkeit hegt unter anderem die Bayerische Regiobahn (BRB), die anmerkt, „dass mancher der Jahresfahrpläne diesen Namen nicht verdient, weil seine ‚Haltbarkeit‘ aufgrund von Baumaßnahmen durch die DB InfraGO AG nicht von langer Dauer sein wird“. Gemeint ist freilich auch das ewige Sorgenkind Pfaffenwinkelbahn.
Nachfrage war „sehr gering“
Eine bestimmte Änderung im Fahrplan mussten Pendler zwischen Weilheim und Schongau schon jetzt hinnehmen: Die beiden Verstärkerzugpaare, die bis zuletzt stets um 16.45 und 19.45 Uhr von Weilheim nach Peißenberg und anschließend um 17.02 und 20.02 Uhr in Gegenrichtung aufgebrochen waren, fallen künftig weg. Grund: Die Nachfrage sei „sehr gering“ gewesen, erklärt die BRB und verweist auf die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG). Sie trifft die Entscheidungen, „wir setzen sie um“, betont die Regiobahn. Bilanz der BEG: „Die Züge wurden zuletzt von etwa zwei bis 15 Fahrgästen je Tag genutzt.“ Deutlich zu wenig, auch wenn es der Eisenbahngesellschaft zufolge keine feste Zahl an Mitfahrern gibt, ab der sich eine Verbindung rentiert.
Für Norbert Moy vom Fahrgastverband Pro Bahn aus Weilheim passen die jüngsten Geschehnisse ins Bild: „Die Abwärtsspirale dreht sich weiter“, formuliert es der Bahnexperte. Zugausfälle, Langsamfahrstellen und verpasste Anschlüsse hätten das Fahrgastaufkommen auf der Pfaffenwinkelbahn erheblich herabgesenkt. Das erklärte Ziel der Politik, die Fahrgastzahlen bis 2030 zu verdoppeln, rücke zusehends in weite Ferne. Dass nun die ersten Verbindungen auf der Pfaffenwinkelbahn wegbrechen, kommt für ihn dennoch unerwartet. „Ich war ehrlich gesagt etwas überrascht, dass man so klammheimlich die beiden Fahrtenpaare gestrichen hat“, gesteht er. Allerdings seien die Verbindungen im Fahrplanbuch des MVV noch enthalten, was auf die Kurzfristigkeit der Entscheidung hindeuten könnte, mutmaßt Moy.
Derzeit kein Personalmangel
An fehlendem Personal liegt es in jedem Fall nicht, dass die Verbindungen nun Geschichte sind. Da sind sich Fahrgastverband und Bahn ausnahmsweise einig. „Wir haben genug Triebfahrzeugführende“, erklärt die BRB, macht aber auch deutlich, dass man sich stets über Bewerbungen freue – „gerne auch von Frauen“. Personelle Engpässe müsse die BRB meist nur zu Zeiten größerer Krankheitswellen stemmen, merkt Pressesprecherin Annette Luckner an. Derzeit beschäftigt die BRB im Bahnnetz Ammersee-Altmühltal, zu dem auch die Pfaffenwinkelbahn zählt, rund 100 Lokführer und Zugbegleiter.
Weitere Streichungen sind laut BEG derzeit keine geplant. Ob das bestehende Angebot weitergeführt werden kann, hänge jedoch von den Bemühungen des Bundes ab, gibt die Eisenbahngesellschaft zu verstehen. Die Politik müsse „Regionalisierungsmittel zeitnah und auskömmlich erhöhen, damit steigende Kosten aufgefangen sowie Spielräume für neue Verkehre geschaffen werden können“, so die BEG.
Übrigens: „Durch die Beseitigung von Langsamfahrstellen ändert sich der Fahrplan nicht“, betont die Eisenbahngesellschaft. Allerdings könne sich die Pünktlichkeit der Züge wieder verbessern. Für Pendler vielleicht ein kleiner Lichtblick, denn die Anzahl der Problemstellen auf der Pfaffenwinkelbahn schrumpft.