Seit Samstag ist die Pfaffenwinkelbahn zwischen Schongau und Weilheim auf ganzer Länge gesperrt. Während auf dem Abschnitt westlich von Peißenberg derzeit neue Gleise verlegt werden, zieht sich die Langsamfahrstelle am berüchtigten „Wackeldamm“ vor Weilheim mittlerweile bis in die Stadt.
Weilheim/Schongau – Der „Wackeldamm“ bei Weilheim: Jedem Pendler, der mit dem Zug aus dem Schongauer Raum in Richtung München reist, ist er ein Begriff – auch wenn das namensgebende Wackeln mittlerweile merklich nachgelassen hat. Nach der langen Rechtskurve bei Grasla, in der sich die Dieseltribwagen der Bayerischen Regiobahn (BRB) der Kreisstadt zuwenden, sinkt die Geschwindigkeit – und das Bangen beginnt.
Verlängerung des „Wackeldamms“
Wie von einer unsichtbaren Macht gesteuert, schielen die Fahrgäste auf ihre Uhren, zücken die Handys und prüfen, ob die Regionalbahn aus Garmisch-Partenkirchen nicht vielleicht ein paar Minuten Verspätung nach Weilheim schleppt. Dann wäre der Anschluss in Richtung München noch zu schaffen. Ansonsten hilft nur noch eines: Einen Platz möglichst nahe an der Zugtür ergattern und losstürmen, sobald sie sich öffnet.
Als ob diese Passage nicht schon nervig genug wäre, bremst der Zug in Sichtweite des maroden Bahndamms nun noch ein zweites Mal auf 30 Stundenkilometer ab. Ein Blick in die aktuelle „La-Süd“, wo alle Langsamfahrstellen in Süddeutschland aufgelistet sind, bestätigt die Befürchtung: Seit dem 6. Oktober versteckt sich in Weilheim eine neue Passage dieser lästigen Zunft – praktisch eine Verlängerung des „Wackeldamm“-Abschnitts. Sonderbar nur: Letzterer taucht in der Liste der temporären Langsamfahrstellen überhaupt nicht mehr auf. Möglicherweise hat er es inzwischen in das VzG, das Verzeichnis der örtlich zulässigen Geschwindigkeiten, geschafft, vermutet Norbert Moy vom Fahrgastverband Pro-Bahn aus Weilheim. „Ich kann aber auch nicht sagen, was da die Kriterien sind“, sagt der Bahnexperte seufzend.
Pfaffenwinkelbahn bis 7. November komplett gesperrt
Zumindest in den Herbstferien muss sich aber kein Pendler Gedanken um seinen Anschluss machen. Weil die Pfaffenwinkelbahn bis einschließlich 7. November komplett gesperrt ist, verkehren ausschließlich Busse auf der Linie. Allerdings, und das muss man der Bahn zugutehalten, handelt es sich bei der aktuellen Sperrung um keine überstürzte Spontanaktion. Sie ist von langer Hand geplant.
„Wir bündeln entlang der Pfaffenwinkelbahn mehrere Baumaßnahmen“, erklärt eine Bahn-Sprecherin auf Nachfrage der Heimatzeitung. Folglich werden nicht nur zwei Kilometer Gleis bei Peißenberg und ein Kilometer Schiene bei Hohenpeißenberg erneuert, in Peiting und Weilheim finde zudem eine „maschinelle Durcharbeitung“ des Gleises statt – teilweise aber erst im Dezember. Dabei werde das Gleis angehoben und in eine „optimale Lage“ gebracht. „Mit Stopfaggregaten wird zudem der Schotter unter den Schwellen verdichtet, um das Gleis zu stabilisieren“, so die Sprecherin. Maßnahmen, die bis zum Jahresende in der Beseitigung von vier der fünf Langsamfahrstellen münden sollen.
Langsamfahrstelle zwischen Au und Trifthof soll bis Dezember beseitigt werden
Und was, wenn die BRB am Wochenende wieder den Betrieb aufnimmt: Ist die lästige Langsamfahrstelle vor Weilheim, die schon vielen Pendlern den Anschluss nach München gekostet hat, dann verschwunden? Die ernüchternde, aber gleichzeitig hoffnungsvolle Antwort lautet: nein – noch nicht. Wie die DB mitteilt, sind die Planungen für den Bahndamm in vollem Gange. Ziel sei es, „die Maßnahme zeitnah durchzuführen“. Ein genauer Zeitpunkt steht aber noch nicht fest. Immerhin: Mittlerweile sei die Passage in den Fahrplan integriert. Und die neue Langsamfahrstelle zwischen Au und Trifthof? „Sie beseitigen wir bis Dezember“, verspricht die Bahn.