Selenskyj trifft heute auf Trump. Der US-Präsident will einen Friedensdeal für die Ukraine. Doch sein Ex-Vize warnt vor dem Gipfel vor einer Putin-Falle.
Washington, DC – Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj steht heute vor einem der wichtigsten diplomatischen Termine seiner Amtszeit. An diesem Montag (18. August) trifft er im Weißen Haus auf US-Präsident Donald Trump, um über die Zukunft der Ukraine und mögliche Friedenslösungen zu verhandeln. Zwar wird Selenskyj von europäischen Spitzenpolitikerinnen und -politikern begleitet. Doch bereits im Vorfeld des Treffens zeichnet sich ab, dass die Gespräche alles andere als einfach werden. Aber ganz alleine steht der Mann aus Kiew nicht gegen Trump. Auch in den USA kann er auf Verbündete zählen.
Ukraine-Gipfel heute: Mike Pence warnt Trump vor Zugeständnissen an Putin
So hat jetzt der frühere Vizepräsident Mike Pence seinen alten Chef vor dem heutigen Ukraine-Gipfel eindringlich vor zu großen Zugeständnissen an Russland gewarnt. Er kritisierte Trumps Umgang mit Kremlherrscher Wladimir Putin in der CNN-Sendung „State of the Union“ als „Samthandschuh“-Methode. Er sei jedoch der Meinung, dass „der Hammer“ jetzt kommen müsse – „und zwar sofort“.
Ausdrücklich sprach sich Pence gegen den Diplomatie-Kurs von Trump aus und forderte in diesem Zusammenhang harte Sanktionen gegen Russland. Ein entsprechendes Gesetz liege im Senat vor und würde fraktionsübergreifend unterstützt. Trump müsse nur zum Telefon greifen, dann könnte das Maßnahmenpaket noch am Montag auf seinem Tisch liegen, sagte Pence, der in Trumps erster Amtszeit bis 2021 dessen Stellvertreter war.
Neben den Gesprächen mit Putin müsse man verdeutlichen, dass man bereit sei, Russlands Wirtschaft „zu ruinieren“ und gleichzeitig die Sicherheit der Ukraine zu verdoppeln. Der Republikaner warnte: „Wir wollen auf keinen Fall, dass Putin diese Verzögerung als Vorwand nutzt, den Krieg bis zum Winter fortzusetzen.“
Treffen mit Trump in Washington: Selenskyj bekommt Schützenhilfe von Merz und Macron
Der Ukraine-Gipfel heute von Trump und Selenskyj wird mit großer Spannung erwartet. An den Gesprächen im Weißen Haus wollen auch zahlreiche europäische Spitzenvertreter teilnehmen, darunter Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, der britische Premierminister Keir Starmer, EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen und NATO-Generalsekretär Mark Rutte. Auch die italienische Regierungschefin Giorgia Meloni und der finnische Präsident Alexander Stubb werden dabei sein.
Aus Kreisen der Bundesregierung verlautete, dass das Treffen in zwei Schritten verlaufen soll: Zunächst werden sich Selenskyj und Trump alleine treffen, anschließend sollen die europäischen Staats- und Regierungschefs dazustoßen. Im Anschluss sind ein Arbeitsessen und eine mehrstündige Diskussion im erweiterten Kreis geplant. Die Treffen sollen bis 17.00 oder 18.00 Uhr Ortszeit dauern.
Frieden im Ukraine-Krieg: Fordert Trump von Selenskyj die Gebietsabtretungen an Russland?
Zentrale Themen werden Sicherheitsgarantien für die Ukraine bei einer Friedenslösung und die Haltung gegenüber den russischen Gebietsansprüchen sein. Trump soll US-Sicherheitsgarantien für die Ukraine in Aussicht gestellt haben, was Selenskyj am Sonntag als „historisch“ bezeichnete. Allerdings ist unklar, welche Garantien Trump genau geben könnte. Die FDP-Verteidigungspolitikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann warnte im Tagesspiegel: Trump habe „schon eine Menge angekündigt und in keiner Form umgesetzt“. Jetzt müsse Konkretes abgewartet werden: „Gewissermaßen sollten wir erst gackern, wenn das Ei gelegt ist.“
Die Gespräche finden nur drei Tage nach Trumps Gipfeltreffen mit Kreml-Chef Wladimir Putin in Alaska statt. Nach dem Treffen mit Putin war Trump von seiner Forderung einer sofortigen Waffenruhe im Ukraine-Krieg abgerückt und hatte sich stattdessen für ein umfassendes Friedensabkommen ausgesprochen. Er näherte sich damit der Linie des russischen Präsidenten an.
Auch in der Frage möglicher ukrainischer Gebietsabtretungen an Russland scheint Putin bei Trump Gehör gefunden zu haben. Die Ukraine lehnt bislang jegliche Gebietsabtretungen strikt ab. Der französische Präsident Macron warf Moskau vor, nichts anderes als die Kapitulation der Ukraine zu verlangen. „Es gibt nur einen Staat, der einen Friedensvorschlag macht, der eine Kapitulation bedeuten würde: Russland“, sagte Macron am Sonntag nach einer Videokonferenz der in der „Koalition der Willigen“ zusammengeschlossenen Verbündeten der Ukraine.
Selenskyj im Oval Office: Kommt es zu einer Neuauflage der Demütigungen durch Trump?
Die europäischen Verbündeten der Ukraine befürchten, dass Trump Druck auf Selenskyj ausüben könnte, weitreichende Zugeständnisse zu machen. Unvergessen ist auch der Eklat von Trump und Selenskyj im Weißen Haus im vergangenen Februar, bei dem der US-Präsident und sein Stellvertreter JD Vance den ukrainischen Staatschef im Oval Office vor laufenden Kameras demütigten. (jek)