Zwei russische Su-30 wurden bei einem Angriff beschädigt. Die Ukraine spricht von einer geplanten Sabotage. Die Aktion ist Teil einer größeren Strategie.
Lipetsk – Die Ukraine will zwei teure russische Kampfflugzeuge beschädigt haben. Auf einem russischen Militärflugplatz nahe der Stadt Lipetsk kam es laut Angaben des ukrainischen Militärgeheimdiensts HUR in der Nacht auf den 21. Dezember 2025 zu einem Brand. In einer Mitteilung vom 22. Dezember stellte der Geheimdienst klar: Es habe sich nicht um einen technischen Defekt, sondern um eine geplante Sabotageaktion im Ukraine-Krieg gehandelt.
Diese sei von einer Person ausgeführt worden, die einer Widerstandsbewegung gegen die russische Führung zugerechnet werde. Der ukrainische Geheimdienst habe die Operation koordiniert. Während der Vorbereitungszeit von rund zwei Wochen habe man Patrouillenrouten und Wachwechsel analysiert. Dadurch sei der Brandleger unbemerkt auf das Gelände gekommen und hätte es auch genauso wieder verlassen können.
Bis zu 100 Millionen US-Dollar Schaden: Ukraine-Geheimdienst feiert Sabotageerfolg
„Eine Su-27 und eine Su-30 mit den Kennnummern ‚12‘ und ‚82‘ wurden dank sorgfältiger Vorbereitung, Gelassenheit und Professionalität beschädigt“, hieß es in der Mitteilung. Später hieß es mit aktualisierten Informationen, es seien zwei Su-30 getroffen, statt der zwei unterschiedlichen Modelle.
Ein Zusammenschnitt verwackelter, kurzer Videoaufnahmen begleitet die Mitteilung. Zu treibender Musik sieht man zuerst die Kennnummern, folgend einen Einstieg ins Cockpit und die Aktivierung eines Schalters, dann der Brand. Eine unabhängige Bestätigung oder Stellungnahme der russischen Behörden zu dem Vorfall lag zunächst nicht vor.
Die Su-30 ist die Weiterentwicklung des Su-27 und dementsprechend teurer, Medien schätzen die Kosten pro Jet zum Teil auf etwa 50 Millionen US-Dollar. Ob die Jets vollständig zerstört wurden oder repariert werden könnten, ist derzeit unklar. Der Militärdienst der Ukraine schätzte den Wert der Maschinen zusammen auf bis zu 100 Millionen US-Dollar.
Angriffe auf russische Militärbasen: Ukraine fährt im Krieg Reihe von Erfolgen ein
Der Angriff ist einer wachsenden ukrainischen Strategie zuzuordnen, bei der russische Militärbasen direkt angegriffen werden. Auch in den Tagen zuvor habe die Ukraine damit bereits Treffer gelandet. Wie das Nachrichtenportal RBC-Ukraine berichtete, soll der ukrainische Sicherheitsdienst erst wenige Tage zuvor, am 20. Dezember, den russischen Militärflugplatz Belbek auf der Krim mit Drohnen angegriffen haben.
Dabei seien zwei Su-27-Flugzeuge getroffen worden. Militärausrüstung im Wert von mehreren hundert Millionen US-Dollar soll auch zwei Tage zuvor auf demselben Flugplatz zerstört worden sein – darunter Radarsysteme, Luftabwehrsysteme und ein Flugzeug mit voller Kampfausrüstung.
Gezielte Angriffe gegen Russlands Luftwaffenbasen: „Operation Spinnennetz“ sonst mit Drohnen
Dass dies durch eine Person vor Ort ausgeführt wird, ist jedoch relativ selten. Teil der sogenannten „Operation Spinnennetz“ der Ukraine, eine koordinierte Offensive auf russische Luftwaffenstützpunkte, sind vor allem Drohnenangriffe. Aus einem Bericht des Wall Street Journals ging jedoch hervor, dass wegen der eingeschränkten Reichweite von Drohnen auch Personen in Russland Angriffe durchführen. Dafür soll der ukrainische Geheimdienst Drohnen nach Russland schummeln, erleichtert durch korrupte Grenzkontrolleure.
Die Stadt Lipetsk liegt etwa 340 Kilometer entfernt von der ukrainischen Grenze, wäre also selbst von ukrainischem Gebiet aus durch Drohnen durchaus erreichbar gewesen. Dass der mutmaßliche Brand händisch gelegt worden sei, könnte taktische Gründe haben – zum Beispiel eine Diversifizierung der Strategie oder eine Anpassung an den Standort. Die Basis nahe Lipetsk spielt eine zentrale Rolle in der russischen Luftwaffen-Infrastruktur und ist dadurch womöglich durch Abwehrsysteme gesichert, die den Erfolg mit Drohnen geschwächt hätten. (Quellen: RBC-Ukraine, Wall Street Journal, eigene Recherche) (lismah)