Seit Jahrzehnten diskutiert man in Dachau über eine Aufstiegshilfe von der unteren Stadt hinauf in die Altstadt. Nun, ausgerechnet in Zeiten knapper Kassen, will OB Florian Hartmann den alten Traum doch noch wahr werden lassen. Allerdings teilen nicht alle Stadträte seinen Optimismus.
Dachau – Für die altgedienten Stadträte im Bau- und Planungsausschuss war es ein Déja-Vu: Wie schon mehrfach in den vergangenen 25 Jahren sollte über eine öffentliche Aufstiegshilfe von der unteren Stadt hinauf in die Altstadt gesprochen werden.
Warum die Diskussion diesmal weiter führen sollte als in der Vergangenheit? „Weil es vielleicht doch nicht so ein umfangreiches Unterfangen ist“, wie Oberbürgermeister Florian Hartmann erklärte. Die Stadt habe sich angesehen, was die Stadt Freising mit ihrer „Dombergbahn“ (siehe Infobox) zuletzt gebaut habe und direkt die Fachfirma eingeladen, die den Freisinger Schrägaufzug installiert hatte. Ergebnis: Auch in Dachau wäre eine derartige Anlage technisch möglich, die Kosten für die knapp 50 Meter lange Verbindung, die pro Stunde bis zu 177 Menschen pro Richtung befördern könnte, würden „über den sehr dicken Daumen geschätzt“ 3,1 Millionen Euro kosten.
Berg- und Talstation „eher wie eine Bushaltestelle“
Wobei der OB klarstellte: Der Aufzug an sich, also die technische Anlage, Schienen, Kabine und Seil, wären zwischenzeitlich vergleichsweise günstig zu haben. „Das sind Standardsystemkomponenten“, die in Summe schon für gut 1 Million Euro zu haben wären.
Die eigentlichen Kostentreiber wären dann aber die Fundamentierung der beiden Haltepunkte, der Bau einer Zuwegung mitsamt Fußgängerbrücke über den Mühlbach und die Ludwig-Thoma-Straße sowie der barrierefreie Umbau der Rathausterrasse, sprich: die Entfernung der dortigen Treppen. Alles in allem, so Hartmann, „sehen wir es nämlich nicht so als touristische Erschließung, sondern als Erschließung der Altstadt für Menschen mit Mobilitätseinschränkung“.
Doch selbst wenn die Berg- und Talstation, anders als in Freising, optisch und architektonisch so einfach wie möglich gestaltet werden sollten – der OB sprach „eher von einer Bushaltestelle als einem Gebäude“ –, war auch Hartmann klar, dass die Bahn ohne staatliche Zuschüsse nicht zu schultern sein wird: „Der Knackpunkt ist die Städtebauförderung.“
Daher hätten mit den zuständigen Münchner Behörden auch schon Gespräche stattgefunden, wie Hartmann berichtete – allerdings ohne Ergebnis. Seine Bitte daher an das Gremium: Es möge doch 10 000 Euro bewilligen, um die Regierung von Oberbayern mit entsprechenden Gutachten von der Förderfähigkeit des Projekts zu überzeugen.
Der Ausschuss, bestehend aus 14 Stadträten und dem OB, spaltete sich daraufhin in zwei Lager. Zu den acht Unterstützern des Vorschlags zählten die SPD, die Stadträte von ÜB, Bürger für Dachau und Bündnis sowie ein Grüner. Die sieben Gegner waren die Räte der CSU sowie die Kollegen von Freien Wählern Dachau, AfD und ebenfalls ein Grüner.
Deren Hauptargument: das Geld. Gertrud Schmidt-Podolsky (CSU) etwa fand: „Wir haben es damals nicht gemacht, als wir es uns hätten leisten können.“ Nun, in der aktuellen Lage, sei eine derartige Anlage schlicht nicht finanzierbar und nicht wert, „auch nur einen Euro“ sowie Arbeitszeit von Rathausmitarbeitern in das Projekt zu stecken.
Aufzug als Ersatz für Stadtbusse
Markus Erhorn (Freie Wähler Dachau) erinnerte an die „tolle Erreichbarkeit der Altstadt“ per Bus, Markus Kellerer (AfD) an die Kosten für Reinigung, Wartung und Betrieb des Aufzugs und Richard Seidl (Grüne) an die Tatsache, dass die Stadt sich zuletzt nicht einmal die Anschaffung von E-Bussen habe leisten können. 10 000 Euro für ein Gutachten fand Seidl daher unnötig: „Ich habe genug Informationen, um das Projekt auf absehbare Zeit auf Eis zu legen.“
Hartmann aber hatte ein letztes Argument im Ärmel: „Wir denken an die Zukunft!“ Früher oder später werde das grobe Altstadt-Kopfsteinpflaster erneuert werden, da werde es Sperrungen, auch Vollsperrungen geben, Busse könnten also nicht verkehren. „Solche Gedanken treiben uns um!“
Was Kai Kühnel (Bündnis für Dachau) umtrieb: ob der Schrägaufzug, der Traunsteiner Schrägaufzug noch fährt? Den hatten die Dachauer Stadträte nämlich schon vor Jahren besucht, als praktisches Beispiel. Die Stadträte am Dienstag waren sich nicht sicher, ein Blick auf die Internetseite der Großen Kreisstadt Traunstein verrät allerdings, dass der Lift zuletzt teuer hatte generalsaniert werden müssen: Zu oft war die viel benutzte Anlage beschädigt, beschmiert und zerkratzt worden. Kostenpunkt: 112 000 Euro.
Vorbild Freising
Der Schrägaufzug, der die Freisinger Innenstadt mit dem Domberg verbindet, wurde Anfang Mai 2024 eröffnet. Der Aufzug kann pro Fahrt 14 Personen transportieren, verkehrt täglich von 6 bis 23 Uhr und ist kostenlos. Die 5,8 Millionen Euro teure Bahn, die von der Erzdiözese München und Freising finanziert und von den Stadtwerken Freising betrieben wird, überwindet einen Höhenunterschied von 22 Metern. Zwischen 6. Mai 2024 und 5. Mai 2025 absolvierte die „Dombergbahn“ an 302 Tagen insgesamt 101 878 Fahrten, im Schnitt 337 pro Betriebstag. Die Betriebskosten pro Jahr belaufen sich auf zirka 100 000 Euro. zip