Große Versteigerung von Paul-Hey-Werken am Chiemsee

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„Rast bei der Heuernte“ heißt das Ölgemälde von Paul Hey, das demnächst im Kunstauktionshaus Gailer in Breitbrunn am Chiemsee versteigert wird. Der Startpreis beträgt 600 Euro. © Auktionshaus Gailer

Paul Hey gehört zu den bekanntesten Malern, die sich in Gauting niedergelassen haben. Jetzt werden 175 seiner Bilder am Chiemsee versteigert.

Gauting – Über die Kunst von Paul Hey sagt Auktionator Franz E. Gailer: „Seine Werke lassen den Beschauer träumerisch in einer Welt schwelgen, in der der Sonntagnachmittag dauerhaft Einzug gehalten hat.“ In der Tat: Moderne oder gar Technik sucht man in den Bildern von Hey (1867 - 1953) vergebens, er hatte sich ganz einer idealisierenden Romantik verschrieben. Wer diese Kunst liebt, sollte sich den 24. Mai vormerken: Ab 10 Uhr kommen im Kunstauktionshaus Gailer in Breitbrunn am Chiemsee 175 Bilder (meist Gouachen) unter den Hammer, teilweise mit einem Startpreis von 50 Euro. Darüber hinaus werden auch Gegenstände aus dem Nachlass des Künstlers versteigert, darunter zwei Briefe des berühmten amerikanischen Schriftstellers Mark Twain, autobiografische Notizen sowie Besteck, Gläser und anderes mehr. Die Vorbesichtigung zur Versteigerung findet bis zum 22. Mai täglich (auch an Sonn- und Feiertagen) von 10 bis 17 Uhr statt.

Ein Künstler der alten Schule: Paul Hey (1867-1952). Er lebte lange in Gauting.
Ein Künstler der alten Schule: Paul Hey (1867-1952). Er lebte lange in Gauting. © Auktionshaus Gailer

In der Sammlung steckt die jahrzehntelange Arbeit eines Hey-Liebhabers vom Tegernsee, der lieber anonym bleiben möchte. Er hatte zeit seines Lebens nicht nur Bilder angekauft, sondern auch eine Biografie über den Maler verfasst. Aber: Er fand keinen Verlag für sein Werk. „Jetzt möchte er damit abschließen“, erzählt der Auktionator. „Er will die Werke in Händen wissen, in denen sie geschätzt werden.“ Dass die Sammlung zusammenbleibt, wäre freilich schön, ist aber nicht sonderlich realistisch. Hey-Fans können das Manuskript mit vielen Notizen, Zeitungsausrissen und anderem mehr ab einem Startpreis von 200 Euro erwerben.

Warum soll ich etwas Hässliches malen? Es gibt schon genug Schlimmes.

Paul Hey wurde 1867 in München als Sohn des Gesangspädagogen Julius Hey und seiner Frau Caroline, Tochter jüdischer Eltern aus Göttingen, geboren. Er gilt als „Maler des deutschen Gemüts“ und steht damit ganz in der Tradition von Carl Spitzweg. Studiert hatte Hey an der Münchner Akademie, nachdem „Malerfürst“ Franz von Lenbach, mit dem der Vater befreundet war, sein Talent erkannt hatte. Nach frühen Erfolgen – unter anderem kaufte Prinzregent Luitpold von Bayern seine Werke – erhielt der aufstrebende Hey zunehmend Aufträge.

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„Seine Kunst war allerorts anzutreffen und typisch für den Geschmack der Zeit“, so Gailer. So veröffentlichte der gebürtige Münchner ab 1896 Illustrationen (meist von Märchen und Sagen) in zahlreichen Kunstzeitschriften und schuf ab 1899 unzählige Vorlagen für Kunstpostkarten. „Damit erschloss er endgültig den Massenmarkt, da das Sammeln von solchen Ansichtskarten als Volkssport galt“, so Gailer. Darüber hinaus entwarf er Zigarettenbilder für die Firma Reemtsma, die jeder Packung beilagen und in ein Sammelalbum eingefügt werden konnten.

„Liebespaar im Frühling“ ist – typisch für die Arbeitsweise von Paul Hey – eine Gouache auf grauem Papier. Der Startpreis bei der Auktion am 24. Mai liegt bei 200 Euro.
„Liebespaar im Frühling“ ist – typisch für die Arbeitsweise von Paul Hey – eine Gouache auf grauem Papier. Der Startpreis bei der Auktion am 24. Mai liegt bei 200 Euro. © Auktionshaus Gailer

Heys Gesamtwerk ist aus genau diesem Grund kaum zu überblicken. Während die Ölmalerei eher Seltenheitswert in seinem Werk besitzt, hatte er sich vornehmlich der Gouache als Technik verschrieben. Besondere Berühmtheit erlangte Hey zudem für die Illustration von Kinderbüchern, vor allem der Märchen der Brüder Grimm, aber auch Liederbüchern (“Sang und Klang fürs Kinderherz“) sowie Wandbildern für den Schulunterricht. Damit dürfte der Wahl-Gautinger die Vorstellungswelt mehrerer Generationen von deutschen Kindern geprägt haben.

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Nach Gauting kam der Münchner offenbar im Jahr 1909 und lebte dort bis zu seinem Tod an der Ammerseestraße. 1906 hatte er die Klavierlehrerin Elisabeth Duensing (1879 - 1952) geheiratet, die als erste Frau 1919 in den Gautinger Gemeinderat gewählt wurde, und zwar für die SPD. Der gemeinsame Adoptivsohn Hans wanderte 1934 nach Argentinien aus. Wegen seiner jüdischen Abstammung erwuchs Paul Hey in der NS-Zeit überraschenderweise kein Nachteil. Ihn schützten wohl die zahlreichen Auftragsarbeiten für den Verein für das Deutschtum im Ausland und andere als „typisch deutsch“ interpretierbare Werke. Weitere Informationen dazu finden sich möglicherweise in der unvollendeten Biografie des Tegernseer Sammlers, die am 24. Mai versteigert wird. Das Grab von Paul Hey, seiner Frau und deren Schwester liegt am Waldfriedhof. Heute trägt nicht nur eine Straße seinen Namen, auch die Mittelschule heißt nach ihm.

In späten Jahren sah man das alte Paar oft mit ihrem Dackel namens Wacker auf dem damals noch unbebauten Feldweg Richtung Pötschener Straße spazieren. Heys Enkelin, die Honorakonsulin Renate Wachnitz, erinnerte sich bei einem Besuch 2007 in Gauting an einen Satz ihres Großvaters, der sein Credo als Künstler gut auf den Punkt bringt. „Warum soll ich etwas Hässliches malen?“, schrieb er ihr einmal. „Es gibt schon genug Schlimmes.“ Unter dem Link www.gailerauktionen.de/auktionen/auktion-21-alte-kunst sind alle Werke der Auktion mit Abbildung und Startpreis aufgelistet.

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