Zehn Jahre Kommunalunternehmen Bad Wiessee: Vom Streitfall zum Erfolgsmodell

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Auf zehn Jahre Kommunalunternehmen blicken Robert Huber (l.) und Vorstand Anton Bammer zurück. Im Hintergrund: die beiden Neubauten an der Hagngasse. © Thomas Plettenberg

Vor zehn Jahren hat Bad Wiessee ein Kommunalunternehmen für seine Wohnungen gegründet. Das Vorhaben war damals höchst umstritten. Heute ist man sich einig: Das KU ist ein Erfolgsmodell.

Bad Wiessee – „Wie geht‘s weiter mit unseren Wohnungen?“ Robert Huber, früherer SPD-Gemeinderat und Vize-Bürgermeister, kann sich noch gut daran erinnern, dass dies zu seiner aktiven politischen Zeit ein Dauerthema war in Bad Wiessee. Die Gemeinde verfügt über knapp 200 Mietwohnungen, viele davon waren und sind sanierungsbedürftig. „Es gab damals einen großen Investitionsstau“, berichtet Huber. Als langjähriger Aufsichtsratsvorsitzender der Baugenossenschaft Lenggries brachte der heute 66-Jährige die Idee eines Kommunalunternehmens ins Spiel. Doch die Widerstände in dem ohnehin zerstrittenen Gemeinderat waren gewaltig.

„CSU fordert: Weg mit dem Kommunalunternehmen!“ titelte unsere Zeitung im Oktober 2014. Die Angst, sich finanziell zu übernehmen, war bei Teilen der CSU-Fraktion groß. Auch die geplante Ernennung Hubers zum Vorstand des KU löste heftigste Debatten aus. Sie kam nicht zustande. Das KU letztlich schon. Im Frühjahr 2015 wurde die zugehörige Satzung unter Leitung des damaligen Bürgermeisters Peter Höß verabschiedet.

Als Vorstand wurde ein Fachmann von außen geholt: Patrik Zeitler führte während der ersten Jahre die Geschäfte, den Vorsitz des Verwaltungsrats, bestehend aus Gemeinderäten, übernahm Robert Huber. Nach der Gründung habe das KU „schnell Fahrt aufgenommen“, berichtet der heutige Vorstand Anton Bammer (57) im Interview zum zehnjährigen Bestehen. Unter der Regie Zeitlers wurden erste Sanierungen angepackt und Neubauten umgesetzt, darunter ein Mehrgenerationenhaus. Für Robert Kühn, der erst nach den Querelen um die Gründung Bürgermeister wurde, ist das KU aus Bad Wiessee nicht mehr wegzudenken. „Wir wollen eine große Säule am Mietwohnungsmarkt sein“, sagt der SPDler. Es gehe darum, kontinuierlich weiteren bezahlbaren Wohnraum für die Wiesseer Bürger zu schaffen. „Wir sind da noch lange nicht fertig“, meint Kühn.

Nach der Ära Zeitler wurde der Vorstandsposten bei der Gemeindeverwaltung angesiedelt – auch aus Kostengründen. Zunächst übernahm Thomas Lange die Aufgabe, seit 2023 steht Bauamtsleiter Anton Bammer an der Spitze des gemeindeeigenen Unternehmens. In zweiter Ebene kümmern sich zwei Vollzeit-Mitarbeiterinnen und eine Auszubildende um die Belange der Mieter.

„Ich mache es wahnsinnig gerne“, sagt Bammer über seinen Job als Vorstand. Hier sei es ihm möglich, unmittelbar etwas für die Menschen zu tun und die Sozialstruktur im Ort zu erhalten. Sein erstes Bauprojekt als KU-Chef befindet sich gerade in der Umsetzung: An der Hagngasse entstehen derzeit zwei neue Häuser mit insgesamt 19 Wohnungen. „Wir haben hier sehr viel Eigenkapital investiert“, sagt Bammer.

Anders als die Gemeinde habe ein Kommunalunternehmen die besseren Möglichkeiten, den gemeindeeigenen Wohnungsbestand nicht nur zu verwalten, sondern zu entwickeln, betont Robert Huber. Die Herausforderung dabei: Trotz konstant hoher Baukosten soll der Wohnraum auch für den kleineren Geldbeutel bezahlbar bleiben. „Das ist schon ein finanzieller Kraftakt“, räumt Bammer ein. „Aber es funktioniert.“ Seit Neuestem setzt der Vorstand auch auf die Unterstützung einheimischer Geldgeber: Zwei Förderverträge konnten bereits abgeschlossen werden.

Wo alter Wohnungsbestand abgerissen wird und neuer entsteht, müssen zunächst auch die Mieter weichen. Schnell kursieren Ängste unter den Bewohnern, wenn von größeren Sanierungs- oder gar Neubaumaßnahmen die Rede ist. Bammer weiß, dass hier viel Fingerspitzengefühl erforderlich ist: „Wichtig ist es, die Leute mitzunehmen und offen mit ihnen zu reden“, sagt er. Die Planung müsse behutsam erfolgen. Zunächst werde bei jedem Gebäude genauestens geprüft, ob es noch sanierungsfähig oder ob ein Neubau fällig ist.

Eines ist für Bammer klar: Bad Wiessee ohne KU sei kaum mehr vorstellbar. „Das ist definitiv ein Erfolgsmodell.“

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