Sie gilt als „Zierde des Isartals“ und bestimmt das Ortsbild von Arzbach. Die Filialkirche mit ihrem markanten Spitzturm wird heuer 75 Jahre alt. Die Pfarrei feiert das runde Jubiläum Ende Juni mit einem großen Fest.
Arzbach – Die Filialkirche Arzbach zählt zu den jüngsten Gotteshäusern im Isarwinkel. Sie wurde nach nur gut einjähriger Bauzeit im September 1950 dem Unbefleckten Herzen Mariens geweiht. Der Bau der Kirche geht vor allem auf das Betreiben des damaligen Wackersberger Pfarrers Johannes Schwertfirm zurück. Die Grundsteinlegung erfolgte am Kirchweihmontag 1949. Bereits im September 1950 weihte Bischof Anton Scharnagel die neue Kirche ein.
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Wunsch nach einer eigenen Kirche reicht weit zurück
Der Wunsch nach einer eigenen Kirche in Arzbach geht weit zurück. Die im Jahr 1730 erbaute Kapelle an der Hauptstraße „erwies sich bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts als zu klein“, steht in einem Bericht im Tölzer Kurier vom 20. Oktober 1949. „Doch die Zeit war für derartige Unternehmungen nicht günstig.“ Weiter heißt es in dem Bericht: „Pfarrer Schwertfirm und verschiedene Arzbacher gelobten in schwerer Kriegszeit den Bau einer neuen Kirche. Nachdem die Gemeinde durch Zuzug von Flüchtlingen und Evakuierten mächtig angewachsen war, wurde das Bedürfnis nach einer eigenen Kirche so dringend, dass die kirchliche Behörde sich nach langer sorgfältiger Überlegung doch zum Bau entschloss.“
Bau sollte Geist der Zeit widerspiegeln
Breits im August 1945 hatte Pfarrer Schwertfirm als Berichterstatter über die letzten Kriegstage an das Ordinariat geschrieben: „…Wir wollen unser Versprechen so bald als möglich einlösen, dass wir Unserer Lieben Frau von Arzbach mit dem schlafenden Kinde ihre Kapelle entweder vergrößern oder noch lieber neu bauen, weg von der lärmenden, staubigen Straße auf ein ruhiges Plätzchen, wozu ein Bauer bereits den Grund angeboten hat.“ In den Aufzeichnungen von Pfarrer Schwertfirm ist später nachzulesen: „Der Architekt wollte eine oberbayerische Dorfkirche erstellen, wie sie den Vorstellungen unserer Leute von einer Kirche entspricht. … Man sollte es diesem Bau anmerken, dass er nicht eine schematische Nachahmung des Barock werden durfte, sondern den Geist unserer Zeit widerspiegeln musste.“
Hilfsarbeiter verdiente damals Stundenlohn von 94 Pfennigen
Gebaut haben das Werk die Firmen Wahler (München) und Schwarzenberger (Lenggries). Seniorchef Peter Schwarzenberger hat im Archiv des Unternehmens einen von seinem Vater Paul Schwarzenberger angelegten Akt mit Angeboten und Rechnungen entdeckt. „Bei den damaligen Löhnen kommt man heute ins Grübeln“, sagt Peter Schwarzenberger. Ein Hilfsarbeiter hatte einen Stundenlohn von 94 Pfennigen, ein Baupolier verdiente 1,50 D-Mark in der Stunde. Ein besonders wertvolles Fundstück in dem Ordner ist eine beglaubigte Kopie der auf den 17. Oktober 1949 datierten Grundsteinlegungsurkunde.
Weihbischof nennt sie „Zierde des Isartals“
Bei der Einweihung im September 1950 nannte Weihbischof Scharnagl die neue Kirche eine „Zierde des Isartals“. Sie sei das Meisterwerk eines hervorragenden Architekten, das durch die kirchliche Weihe zu einer Pforte des Himmels geworden sei. Der Bischof dankte der Kirchenverwaltung mit Kirchenpfleger Baltasar Kohlhauf (Wenibauer), der Moar-Bäuerin als Stifterin des Baugrunds sowie den Familien Bartl und Dießenbacher, die durch einen Grundstückstausch den Bau auf der Anhöhe über dem Ort ermöglicht hatten. Am Vorabend der Kirchenweihe hatte der Bischof Reliquien der heiligen Martialis und Viktor in ein Reliquiengrab am Hochaltar gelegt und verschlossen.
Die Innenausstattung der Kirche war in den kargen Nachkriegsjahren noch sehr bescheiden. Die Bestuhlung wurde erst nach und nach eingebaut – nachdem dafür von den Arzbachern Holz gestiftet worden war. Die mächtige Kreuzigungsgruppe am Hochaltar schuf der Holzschnitzer Kaspar Gerg aus Wegscheid in den 1950er-Jahren.
Massiver Hagelschaden im August 2023
In der Kirche gingen in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder die Handwerker ein und aus. Eine erste Innenrenovierung erfolgte 1985. An Pfingsten 1991 erhielt die Kirche eine Orgel. Zum 50-jährigen Bestehen erfolgte im Jahr 2000 eine Außensanierung. Eine grundlegende Innenrenovierung mit der Neugestaltung des Altarraums fand im Januar 2017 ihren Abschluss. Derzeit geht die Außenrenovierung mit der Ausbesserung der heftigen Hagelschäden vom Sommer 2023 zu Ende.
An die harte Arbeit beim Bau der Kirche sowie an die Spendenbereitschaft der örtlichen Bevölkerung wurde im Laufe der Jahre immer wieder erinnert – zuletzt bei einem Festgottesdienst zum 70-jährigen Bestehen im September 2020.
Schon 1954 war sie fast zu klein
Dass die Kirche aus Arzbach nicht mehr wegzudenken ist, wurde schon sehr früh deutlich. Pfarrer Johann Kaltenhauser, ab 1951 der Nachfolger von Pfarrer Schwertfirm, schrieb bereits im November 1954 in seinem Jahresbericht an die Erzdiözese München und Freising kurz und bündig: „Neue Filialkirche heute schon zu klein – in Arzbach regelmäßig um 100 Kirchenbesucher mehr als in Wackersberg.“
Das Jubiläum der Arzbacher Kirche wird am Sonntag, 29. Juni, gefeiert. Der Festgottesdienst zum Patrozinium der Filialkirche beginnt um 8.30 Uhr. Anschließend findet ein großes Pfarrfest in der Arzbacher Sporthalle statt.