Sein Leben war so aufregend wie ein Hollywood-Film

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Fassungslos war Bernd Rath, als er nach der Wende erfuhr, in welchem Umfang er bespitzelt wurde. Nun ist der Karlsfelder im Alter von 86 Jahren gestorben. © DN-Archiv/hab

Bernd Rath aus Karlsfeld ist mit 86 Jahren gestorben. Der frühere Gemeinderat floh 1982 spektakulär aus der DDR.

Karlsfeld – Bernd Rath aus Karlsfeld faszinierte mit seiner Lebensgeschichte, seiner Expertise und seinem Mut. Nun ist er mit 86 Jahren gestorben.

Mitte der 80er-Jahre kam Rath nach Karlsfeld. Dort fand er eine neue Heimat, nachdem er seine alte, auf spektakuläre Weise hinter sich gelassen hatte. Wie berichtet, flüchtete der gebürtige Chemnitzer im Kofferraum eines Mazdas aus der DDR in den Westen. In Bayern fand der gelernte Maurer und studierte Bauingenieur schnell Arbeit und machte sich später als Architekt selbstständig.

Erstmals kommunalpolitisch engagierte er sich beim Bürgerentscheid zur Planung der Neuen Mitte im Jahr 2013. Rath war einer der Vertreter der Bürgerinitiative „Neue Mitte Karlsfeld 83b – So nicht“. Anschließend schloss er sich dem Bündnis für Karlsfeld an und vertrat die Wählervereinigung von 2014 bis 2020 im Gemeinderat. Mit seiner fachlichen Expertise als Architekt warnte er regelmäßig vor Fehlentscheidungen bei der Aufstellung von Bebauungsplänen und „legte seine Finger in Wunden“, erinnert sich Bündnis-Sprecher Adrian Heim. Unter anderem kritisierte er scharf das aus seiner Sicht überdimensionierte Projekt des betreuten Wohnens auf dem Erl-Gelände westlich der Bahn, das er laut Heim stets als „Hühnerhaltung“ bezeichnete.

Seine Persönlichkeit wird mir fehlen, er war so ein geradliniger und korrekter Mensch.

Aus Altersgründen trat Rath 2020 nicht mehr auf einem der vorderen Listenplätze zur Gemeinderatswahl an und schied damit aus dem Gemeinderat aus. Dem Bündnis für Karlsfeld blieb er aber als einer der ersten Nachrücker weiterhin verbunden.

In den vergangenen zwei Jahren verschlechterte sich jedoch sein Gesundheitszustand zunehmend, sodass er sein Haus in der Gartenstraße aufgeben und in ein Pflegeheim umziehen musste.

Schon einmal streckte der Tod seine Finger nach Bernd Rath aus. Es war Weihnachten 2004. Bernd Rath und seine Frau hielten sich auf Koh Samui auf, als ein Tsunami die Küste Thailands erreichte und tausende Menschen in den Tod riss. Das Ehepaar aus Karlsfeld überlebte die Jahrhundertkatastrophe. Seine Frau hatte zuvor darauf bestanden, den Bungalow mit einem in einer hinteren Reihe zu tauschen. Diese Entscheidung rettete den beiden womöglich das Leben. „Schwer verletzt und mit nichts als den Kleidern am Leib, kam Rath von der Reise zurück“, berichtet Adrian Heim. Wie er erzählt, habe Rath seitdem am 26. Dezember immer seinen „zweiten Geburtstag“ gefeiert. Eine Woche, bevor es heuer wieder so weit gewesen wäre, hat Rath seine Augen nun aber für immer geschlossen.

„Seine Persönlichkeit wird mir fehlen, er war so ein geradliniger und korrekter Mensch“, sagt Anni Altmann. Der Tod ihres Wegbegleiters beim Bündnis habe sie zutiefst erschüttert. „Bernd war ein wunderbarer Mensch, er hat geholfen, wo er konnte.“ Besonders beeindruckte sie Raths Kämpfernatur und seinen Fleiß, aber auch sein Verantwortungsbewusstsein und Durchsetzungsvermögen, wie sie sagt.

Bernd Rath wurde am vergangenen Montag im Kreise seiner Familie und Weggefährten auf dem Karlsfelder Friedhof beigesetzt. Adrian Heim sagt: „Wir werden uns dankbar an sein Engagement für Karlsfeld und unsere Wählervereinigung erinnern.“