Die Kosten für Schulbegleiter stiegen auf fast drei Millionen Euro. DIPiK soll nun dauerhaft Abhilfe schaffen und andere Landkreise interessieren sich bereits.
Dachau – Ein innovatives Integrationsprojekt am Sonderpädagogischen Förderzentrum in Dachau ist nach zweijähriger Erprobung in den Regelbetrieb überführt worden. Mit der Vertragsunterzeichnung zwischen dem Landkreis Dachau, der Greta-Fischer-Schule und dem Kinderschutz München wird das „Dachauer Integrationsprojekt in Klassen“ (DIPiK) offiziell als dauerhaftes Angebot verankert, wie aus einer Mitteilung hervorgeht.
Mit DIPiK hat der Landkreis Dachau nach eigenen Angaben eine zukunftsweisende Antwort auf wachsende Herausforderungen der schulischen Teilhabe von Kindern entwickelt, die wegen einer körperlichen, geistigen oder seelischen Beeinträchtigung besondere Unterstützung im Schulalltag benötigen. Das Modell war zwei Jahre lang als Pilotprojekt erprobt worden und ist nun gesetzlich und strukturell etabliert.
Hintergrund sind steigende Zahlen individueller Schulbegleitungen, die vielerorts Jugendämter, Schulen und Träger belasten. Die klassische 1:1-Betreuung sei kostenintensiv, schaffe Abhängigkeiten und greife häufig nicht in das soziale Gefüge der Klasse ein.
Kindgebundene Schulbegleiter wurden zu teuer
Wie Landrat Stefan Löwl Ende Oktober in einem Interview mit der Heimatzeitung erklärt hatte, waren vor der Einführung von DIPiK an der Greta-Fischer-Schule „teilweise fünf Schulbegleiter in einer Klasse“. Die Kosten für dieses qualifizierte Personal seien entsprechend durch die Decke gegangen: „Bis vor ein paar Jahren hatten wir dafür Kosten von unter 1 Million Euro im Jahr. Mittlerweile sind wir bei knapp 3 Millionen Euro, trotz bereits erfolgter Einsparungen.“
DIPiK setze stattdessen auf „klassengebundene statt kindgebundene“ Integrationsfachkräfte. Diese unterstützten alle Kinder einer Klasse nach individuellem Bedarf. Externe Schulbegleitungen für einzelne Kinder werden dadurch nach Darstellung der Beteiligten überflüssig. Das wirke sich positiv auf das Klassengefüge aus und bringe mehr Ruhe ins Klassenzimmer, da deutlich weniger Erwachsene im Raum seien.
Entwickelt wurde das Modell mit dem Kinder- und Jugendhilfeträger Kinderschutz München. Zunächst wurde DIPiK in vier Klassen umgesetzt, später auf sechs und inzwischen auf 14 Klassen ausgeweitet. Seit diesem Schuljahr gelten die Regelstrukturen für die gesamte Schule: Sieben Vollzeitäquivalente beziehungsweise 14 Integrationskräfte in Teilzeit sind im Einsatz.
DiPiK ist mehr als nur „Sparmodell“
Dr. Anna Laux, Vorstand des Kinderschutz München, betont, man freue sich, mit DIPiK die langjährige Erfahrung in der sozialen Arbeit an Schulen sowie mit Kindern mit Beeinträchtigungen einzubringen und gleichzeitig neue Wege zu gehen.
Landrat Löwl bezeichnet DIPiK als „Erfolgsmodell mit Vorbildcharakter“. Es handle sich nicht um ein kurzfristiges Sparmodell, sondern um ein „langfristig durchdachtes System mit echter Wirkung“. Nach seinen Angaben informieren sich bereits andere Landkreise über das Projekt. Dachau sei mit DIPiK ein „echter Vorreiter“.