Der Gräfelfinger Florian Fischer (SC Starnberg) startet am Samstag bei Olympia im Ski Cross. Sein Ziel ist eine Medaille, auch wenn die womöglich unrealistisch ist.
Gräfelfing/Starnberg – Als Florian Fischer die Sicherheitsschleuse zum Olympischen Dorf der Freestyler in Livigno passiert, muss er das Gespräch kurz unterbrechen. „Man merkt schon, dass das hier größer ist. Man merkt schon, dass es Olympia ist“, sagt der 25-Jährige aus Gräfelfing anschließend. Wobei die Kontrollen und Sicherheitsvorkehrungen nicht mit denen etwa in Peking 2022 zu vergleichen seien. „Das hier ist Italien, da ist es schon ein bisschen lockerer“, sagt er, vielsagend schmunzelnd.
Olympia 2026: Ski Cross am Samstag mit Florian Fischer
Das mit Peking hat sich Fischer von erfahreneren Teamkollegen erzählen lassen, schließlich sind es für ihn die ersten Olympischen Spiele. Und die fangen gerade erst so richtig an. Denn Fischers Sportart, Ski Cross, gehört zu den letzten, in denen um die Medaillen gekämpft wird. Am Mittwoch und Donnerstag stehen Trainingseinheiten an, am Freitag folgen Qualifikation und Rennen der Frauen, am Samstag geht es für die Männer um Gold, Silber und Bronze.
Nach diesen Medaillen will auch Florian Fischer greifen. Der Wahl-Ruhpoldinger, der für den Ski-Club Starnberg fährt, ist bekanntlich sehr ehrgeizig. Nach seiner Olympia-Nominierung sagte er im Merkur-Gespräch: „Man feiert nicht, wenn man bei etwas dabei ist, sondern, wenn man etwas gewonnen hat.“
Medaille bei Olympia realistisch? Florian Fischer bleibt ambitioniert
Dieser Einstellung bleibt er auch vor Ort treu. „Daran hat sich nichts geändert“, betont Fischer. Dem olympischen Gedanken „Dabei sein ist alles“ kann er nicht viel abgewinnen. „Das widerspricht meiner Einstellung als Leistungssportler und auch meiner Auffassung von Olympia“, stellt er klar. „Bei den Spielen zählen nur die Medaillen. Das ist ganz klar das Ziel, dafür kommt man her.“
Bei den Spielen zählen nur die Medaillen. Das ist ganz klar das Ziel, dafür kommt man her.
Doch der 25-Jährige ist nicht nur ambitioniert, sondern behält sich trotzdem seinen klaren Blick, wenn er fast schon philosophiert: „Ist eine Medaille realistisch? Die Frage kann man stellen.“ Dass er selbst dazu in der Lage ist, auf das Stockerl zu fahren, davon ist Florian Fischer überzeugt. „Ich denke, die ersten 30 aus dem Weltcup haben alle das Zeug dazu.“
Olympia 2026: Fischer erinnert an Überraschungserfolge eines Russen
Er selbst liegt auf Position 25. Seine beste Platzierung in einem Weltcup-Rennen ist ein fünfter Rang aus seiner Debütsaison, das ist mittlerweile mehr als drei Jahre her. Mit Platz acht ließ er in dieser Saison in Innichen (Südtirol) sein zweitbestes Karriereresultat folgen.
Und Fischer weiß, dass bei Olympia – zumindest gefühlt – eigene Gesetze herrschen. Als Paradebeispiel nennt er den Russen Sergey Ridzik, der in seiner Karriere insgesamt nur viermal im Weltcup auf das Podest fuhr und nie zu den Spitzenfahrern zählte, aber sowohl 2018 als auch 2022 Olympia-Bronze gewann. Fischer: „Natürlich gibt es immer Favoriten, aber wer weiß?“
Speed und Spektakel: Skicrosser wollen Olympia-Zuschauern etwas bieten
Die Strecke dürfte zumindest für alle Neuland sein. Denn nach zwei Testtagen vor Beginn der Spiele traten die Athleten an die Organisatoren heran mit der dringlichen Bitte, den Kurs umzubauen. „Der war ziemlich langsam und wenig spektakulär. Es soll auch am Bildschirm gut aussehen, das gehört bei unserer Sportart dazu“, sagt Florian Fischer. „Beim Snowboard Cross zum Beispiel fand ich es sehr langweilig.“
Wir standen mit den Skispringern Arm in Arm unten und haben die Hymne gesungen.
Das Abenteuer Olympia ist für den Würmtaler und seine Teamkollegen Tim Hronek, Cornel Renn und Florian Wilmsmann eher ein Kurztrip. Am Montagabend kamen sie in Livigno an und schauten noch das Frauen-Finale im „Big Air“, einer weiteren Freestyle-Disziplin, an der Schanze an. Am Dienstag standen technische Messungen und individuelles Krafttraining auf dem Programm, ansonsten war der Tag frei. Abends ging es für die deutschen Skicrosser und Skicrosserinnen (Leonie Bachl-Staudinger, Luisa Klapprott, Daniela Maier und Veronika Redder) noch zum Männer-Finale im „Big Air“. Nach den anstehenden zwei Trainings- und zwei Renntagen packt der Tross zusammen: Am Sonntag geht es nach Hause, am Montag mit dem Flieger zum nächsten Weltcup nach Serbien.
Olympisches Feeling für Fischer und das Ski-Cross-Team nur am Rande spürbar
So richtig viel vom olympischen Gefühl können Fischer & Co. also nicht aufsaugen. Auch, weil sie selbst gar nicht im Olympischen Dorf untergebracht sind, sondern in einem nahen Hotel. Das hat vor allem psychologische Gründe. „Unsere Trainer wollen, dass sich alles wie ein normaler Weltcup anfühlt“, erklärt Fischer. Ins Dorf dürfen sie trotzdem, etwa fürs Krafttraining. „Da ist schon ein bisschen mehr Leben, und es gibt mehr Angebote für uns Athleten.“
Pünktlich zum Rennen bekommt der 25-Jährige dann Unterstützung von daheim. Fischers Eltern und seine drei Geschwister haben sich angekündigt. „Auch Freunde haben etwas durchklingen lassen“, sagt er. Und das trotz eines nicht ganz ernst gemeinten Tipps des Gräfelfingers: „Ich habe davon abgeraten. Von den Preisen wird einem ja schwindelig.“
Milano Cortina 2026: Fischer & Co. jubeln mit Skisprung-Olympiasieger Raimund
Einen besonderen olympischen Moment erlebten Fischer und seine Teamkollegen bereits vor ihrem ersten Einsatz. Sie bereiteten sich in San Pellegrino auf Olympia vor, unweit von Predazzo und Val di Fiemme, wo die Skisprung- und Langlaufwettbewerbe stattfinden. Also schauten sie bei einigen Wettkämpfen vorbei, unter anderem beim Olympiasieg von Philipp Raimund auf der Normalschanze.
Florian Fischer: „Wir standen mit den Skispringern Arm in Arm unten und haben die Hymne gesungen.“ Nun hoffen sie im deutschen Ski-Cross-Lager, dass sie die Hymne auch selbst erklingen lassen können.
mg