US-Luftwaffe holt "F-16 Zombies" vom Friedhof: Sie sind zum Sterben geboren

Die US-Luftwaffe hat die letzte QF-16-Drohne erhalten und damit ein 15-jähriges Programm abgeschlossen, das darauf abzielte, ausgemusterte F-16-Kampfflugzeuge in unbemannte Luftziele umzuwandeln

Diese sogenannten „F-16 Zombies“ spielen eine entscheidende Rolle bei der Ausbildung von Piloten und der Erprobung fortschrittlicher Waffensysteme, wie aus US-Medienberichten hervorgeht. Boeing lieferte das letzte Flugzeug Ende November aus, womit die Produktion der Drohnen offiziell beendet wurde. 

Vom Friedhof: F16-Zombies sind vollzählig

Laut des US-Fachmagazins „Interestingengineering.com“ begann das QF-16-Programm in den frühen 2010er Jahren als Ersatz für die veralteten QF-4 Phantom-Drohnen, die 2016 außer Dienst gestellt wurden. Die ersten umgebauten F-16-Flugzeuge führten Testflüge im Jahr 2012 durch und erreichten vier Jahre später ihre Einsatzfähigkeit. 

Boeing war für die Umwandlung der ausgemusterten F-16 verantwortlich und integrierte komplexe Systeme wie neue Flugsteuerungen, Sicherheitsausrüstung und Telemetriepakete, um die Flugzeuge sowohl bemannt als auch ferngesteuert betreiben zu können. Die QF-16-Drohnen werden dem Bericht zufolge aus dem „Boneyard“ (frei übersetzt: „Knochengarten“ oder auch einfach "Friedhof"), einem Lager für ausgemusterte Flugzeuge in Arizona, entnommen und nach ihrer Restaurierung mit spezieller Hardware ausgestattet. 

Diese ermöglicht es, die Jets entweder ferngesteuert oder mit einem Piloten im Cockpit zu fliegen. Hauptsächlich dienen sie als realistische Ziele bei Luft-Luft-Raketentests, bei denen Piloten unter kontrollierten Bedingungen gegen voll funktionsfähige Kampfjets trainieren können. Sensoren und Telemetriesysteme an Bord der Drohnen liefern dabei wichtige Daten zur Bewertung der Raketenleistung. Die letzte ausgelieferte Drohne trägt laut des Fachportals die Seriennummer 83-1079 und wurde ursprünglich 1984 als F-16A in Dienst gestellt. 

So berichtet "TWZ" über die umgebaute F16 der US Air Force
So berichtet "TWZ" über die umgebaute F16 der US Air Force screenshot

"Fliegende QF-16 'Zombie Vipern', die zum Sterben geboren wurden"

Nach 23 Jahren Einsatz bei der North Dakota Air National Guard wurde sie 2007 außer Dienst gestellt und für die Umwandlung ausgewählt. Obwohl die Produktion neuer QF-16-Drohnen beendet ist, wird Boeing weiterhin Wartungs- und Logistikverträge zur Unterstützung der Flotte durchführen. Laut Angaben der Air Force soll die QF-16-Flotte bis mindestens 2035 betrieben werden. Das Programm ist ein zentraler Bestandteil der Vorbereitung von US-Piloten auf mögliche Konflikte mit gleichwertigen Gegnern, berichten US-Medien.

Wie das US-Fachportal „The War Zone, TWZ“ unter der Überschrift "Fliegende QF-16 'Zombie Vipern', die zum Sterben geboren wurden" berichtet, sind die Drohnen in Übungen wie „Combat Archer“ unverzichtbar, bei denen Piloten ihre Fähigkeiten mit scharfen Raketen testen. Dabei werden jährlich etwa 20 QF-16-Drohnen für Tests eingesetzt, von denen jedoch nur rund sechs tatsächlich zerstört werden. Die meisten Raketen erzielen sogenannte „Proximity-Kills“, bei denen die Sprengköpfe nahe am Ziel detonieren, es aber nicht zerstören. 

„Die QF-16 können Überschallgeschwindigkeit erreichen, 9G-Kräfte aushalten und alles tun, was eine normale F-16 im Kampf kann, aber sie können dies unbemannt tun, sodass Raketen auf sie abgefeuert werden können, um zu sehen, wie die Rakete das Ziel verfolgt und letztendlich mit ihm interagiert“, erklärt Oberst Brian DeWitt, Kommandeur der 53. WEG, die die QF-16-Operationen überwacht, dem Portal.

"Atemberaubende Missionen"

Und „TWZ“ meint: „Die Einsätze der modifizierten QF-16 sind einzigartig innerhalb des US-Militärs. Diese Jets werden sowohl bemannt als auch unbemannt geflogen, was bedeutet, dass die Piloten, die diese ferngesteuerten ‚feindlichen Kampfflugzeuge‘ fliegen, eine einzigartige Rolle innerhalb des Militärs einnehmen und regelmäßig atemberaubende Missionen fliegen.“ 

Die Bedeutung des Programms wird laut „TWZ" auch durch seine Rolle bei der Entwicklung neuer Waffensysteme unterstrichen. Demnach wurden QF-16-Drohnen intensiv für Tests der AIM-120D AMRAAM und der AIM-260 JATM eingesetzt. Die Fähigkeit der Drohnen, realistische Flugprofile zu simulieren, ermöglicht es Ingenieuren, neue Raketen unter nahezu realen Bedingungen zu testen. Auch zukünftige Generationen von Kampfflugzeugen wie die F-35 profitieren von diesen Tests, da sie mit fortschrittlichen Luft-Luft-Waffen ausgestattet werden, heißt es in dem Bericht.