Florence Woerth, Kandidatin für die Bürgermeisterwahl im französischen Chantilly, geht im Wahlkampf neue Wege. Seit drei Monaten nutzt sie Künstliche Intelligenz (KI), um ihre öffentlichen Treffen in Podcasts umzuwandeln. Das Ziel dabei ist, "die Informationen klarer, lebendiger und für alle zugänglich zu machen“, erklärte ihr Team laut "BFM Business" in einem Statement.
Die Methode ist einfach: Öffentliche Sitzungen werden aufgezeichnet und anschließend von einer KI-Software verarbeitet. Dabei entstehen Podcasts, die von zwei künstlichen Stimmen moderiert werden. Diese Stimmen simulieren ein journalistisches Gespräch und präsentieren die wichtigsten Themen der Sitzungen.
Bürgermeisterin nutzt KI im Wahlkampf: "Schwierigkeiten, zwischen Wahrheit und Fiktion zu unterscheiden"
"Der Text, den wir der KI geben, ist ein Briefing, das die Schwerpunkte vorgibt", erläuterte Morgane Geffroy, die Kampagnenleiterin von Woerth, gegenüber France 3.
Ein Beispiel ist eine Sitzung zur Sicherheitspolitik, in der unter anderem die Installation von Kameras in bestimmten Vierteln besprochen wurde. Die Podcasts sind auf Plattformen wie Spotify, Apple Podcasts und Deezer verfügbar und sollen es Bürgern ermöglichen, sich auch unterwegs über politische Themen zu informieren.
Das Vorgehen stößt jedoch nicht nur auf Zustimmung. Ein Bewohner äußerte gegenüber "BFM Business" Bedenken: "Man hat Schwierigkeiten, zwischen Wahrheit und Fiktion zu unterscheiden."
Angst vor Künstliche Intelligenz – Soziologe ordnet ein
KI im Bürgermeisterwahlkampf: Die Diskussion über die künstliche Intelligenz hat längst die Mitte der Gesellschaft erreicht. Es geht nicht mehr um Science-Fiction, sondern um Existenzen, um Sicherheit, um Sinn. Millionen Menschen spüren die Machtverschiebung zwischen Mensch und Maschine. Sie sehen, wie Algorithmen Texte schreiben, Diagnosen stellen, Musik komponieren, Verträge prüfen und Flugzeuge steuern – Wahlkampf machen. Die Angst, überflüssig zu werden, ist keine Panikmache, sondern eine emotionale Realität, so der Soziologe Thomas Druyen.
Doch wer nur auf Bedrohung blicket, übersehe die tiefere Wahrheit: Die Künstliche Intelligenz brauche uns ebenso dringend, wie wir sie brauchen.