Österreich-Gasthof erhöht zweimal täglich Preise – in Schreiben nennt Wirt bitteren Beweggrund

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Ein Wirt aus Oberösterreich kassiert am späten Abend kräftig ab. Nicht ohne Grund, wie er findet. Und Gäste haben eine günstige Alternative.

Ried im Innkreis – Sie sitzen gemütlich beim Feierabendbier, die Stimmung ist gut – doch plötzlich kostet das nächste Bier deutlich mehr. Was nach Abzocke klingt, ist im oberösterreichischen Biergasthof Riedberg bittere Realität für Nachtschwärmer. Ob Einheimische oder Österreich-Urlauber, alle bekommen es ab 22 Uhr zu spüren.

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Bier im Biergasthof Riedberg wird jeden Abend ab 22 Uhr teurer. Wirt Karl Zuser will so den Überstundenzuschlag ausgleichen. © IMAGO/Michael Bihlmayer

Karl Zuser, Wirt des Biergasthofs Riedberg in Ried im Innkreis, hat eine ungewöhnliche Lösung für ein bekanntes Problem gefunden. Laut seinem eigenen Bericht erhöht er die Preise gleich zweimal täglich: zuerst nach Küchenschluss um 22 Uhr, dann nochmals nach Mitternacht. Die Aufschläge sind beträchtlich. Auf seiner Website spricht Zuser von Zuschlägen zwischen 35 und 50 Prozent. Im Kleingedruckten unterhalb der Speisekarte heißt es gar: „Hier wird ein 100 % Überstundenzuschlag verrechnet.“ Ein solcher Aufschlag ist in Österreich keine Seltenheit mehr, die Frage ist nur wie und wo. So kann sogar der Preis für eine Extra-Portion Ketchup für Unruhe unter Gästen sorgen.

Österreich-Wirt verlangt abends „Zuschlag in der Höhe der etwaigen Mehrkosten“

In diesem Fall kann man Zuser zugutehalten, dass er die Preiserhöhung transparent macht. „Wir würden gerne um 22 Uhr Sperrstunde machen, bleiben aber für Stamm- und Hotelgäste gerne bis Mitternacht zu Diensten. Ab Mitternacht und außerhalb unserer Öffnungszeiten (somit auch an Sonn- und Feiertagen, wenn wir dafür extra öffnen) ist ein Zuschlag in der Höhe der etwaigen Mehrkosten zu bezahlen oder eben die Selbstbedienungsvariante zu wählen. Wir bitten dafür um Ihr und Euer Verständnis“, lautet das Zuser-Statement. Darin schildert er auch detailliert seinen anstrengenden Tagesablauf. Deutsche Gastronomen beobachten zwischen 22 Uhr und Mitternacht derweil ein völlig neues Verhalten der Gäste.

Bei heute.at sagt der Wirt, er habe für die Aktion aber einen großen Shitstorm bekommen. Doch die Hintergründe würden oft missverstanden. Zusätzlichen Umsatz mache er damit nämlich keineswegs: „Es schützt mich nur vor Kosten“. In seinem Schreiben stellt er klar: Nach 22 Uhr fallen für die Mitarbeiter bereits Überstundenzuschläge an, außerdem müsse er die Restruhezeit beachten. Daher „erlauben wir uns – im Übrigen angekündigt und nicht einfach kassierend – einen Zuschlag zu verrechnen“. Zuser vergleicht das mit den Leistungen von Handwerkern.

Gäste haben günstige Alternative

Wer nicht bereit ist, die höheren Preise zu zahlen, hat eine Alternative: Im Eingangsbereich steht ein Kühlschrank zur Selbstbedienung bereit. Dort können sich Gäste auch nach Mitternacht zu den normalen Preisen bedienen.

Zuser hält trotz zahlreichem Unverständnis an seinem Konzept fest. Seine Philosophie: Lieber die Preise transparent anpassen, als irgendwann ganz zuzusperren. (mke)

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