„22 Uhr ist das neue Mitternacht“: Gäste gehen früher denn je

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Seit der Corona-Pandemie beobachten Gastronomen ein völlig neues Verhalten ihrer Gäste. Was früher undenkbar war, ist heute Realität geworden.

Michael Wenzel, Gastronom des Linzer Lokals „Wia z‘haus Lehner“, macht seit der Corona-Pandemie eine irritierende Beobachtung: Seine Restaurantgäste verlassen das Lokal deutlich früher als gewohnt. Was früher undenkbar war – dass Geburtstags- oder Weihnachtsfeiern bereits um 22 Uhr enden – ist heute zur neuen Normalität geworden. Diese Veränderung der Restaurantgewohnheiten beschäftigt nicht nur Wenzel, sondern spiegelt einen europaweiten Trend wider, der die gesamte Gastronomiebranche vor neue Herausforderungen stellt.

Frühere Aufbruchszeiten werden zur neuen Normalität

Corona hat dazu geführt, dass viele Restaurantbetreiber ihre Betriebe mit besonderen Herausforderungen konfrontiert sehen. Der österreichische Wirt berichtet gegenüber „heute“: „Es ist ein Trend geworden, dass unsere Gäste mittlerweile am Abend viel früher heimgehen“. Geburtstags- oder Weihnachtsfeiern enden bereits um 22 Uhr, auch am Wochenende bleiben Gäste nicht länger als bis 23 Uhr.

Diese Beobachtung bestätigt auch Thomas Mayr-Stockinger, stellvertretender Wirtesprecher in Oberösterreich: „22 Uhr ist das neue Mitternacht.“ Zusätzlich bestellen Gäste deutlich weniger Alkohol als früher. Das Mastercard Economics Institute bestätigt diesen europaweiten Trend: Menschen gehen durchschnittlich früher essen als vor der Pandemie – in Österreich etwa 18 Minuten früher als 2019. Gründe sind veränderte Arbeitszeiten, bewussterer Lebensstil und gestiegenes Gesundheitsbewusstsein.

Sparverhalten prägt deutsche Restaurantkultur

Eine repräsentative Umfrage von Lightspeed unter 1.000 Restaurantgästen in Deutschland zeigt: Das Sparverhalten ist weit verbreitet, insbesondere bei Zusatzangeboten. Die häufigsten Sparmaßnahmen sind der Verzicht auf Vorspeisen (34 Prozent), kein Dessert zum Abschluss (33 Prozent), die Auswahl günstigerer Lokale (29 Prozent), das Einpacken von Speisen zum Mitnehmen (22 Prozent) und die Einschränkung des Alkoholkonsums (19 Prozent).

Spaghetti mit Walnüssen und Grana Padano im Trentino, dazu einen Sprizz.
Ob es nach dieser Pasta wohl noch für den Nachtisch gereicht hat? © IMAGO/Michael Bihlmayer

Über die Hälfte (58 Prozent) der befragten deutschen Konsumenten gaben an, in den letzten sechs Monaten seltener Restaurants besucht zu haben – der höchste Wert im europäischen Vergleich. Für die kommenden sechs Monate rechnen etwa 44 Prozent der Gäste mit einer weiteren Abnahme ihrer Restaurantbesuche. Diese Zahlen unterstreichen, dass der Trend zu kürzeren Aufenthalten eng mit einem veränderten Konsumverhalten verbunden ist.

Deutsche zeigen sich beim Trinkgeld besonders großzügig

Trotz des allgemeinen Sparverhaltens zeigen sich die Deutschen beim Trinkgeld überraschend großzügig. Eine andere Lightspeed-Studie, die mit mehr als 7.500 Restaurantgästen in sieben Ländern durchgeführt wurde, ergab, dass Deutsche in Europa am meisten Trinkgeld geben. 55 Prozent der Deutschen geben zwischen 10 und 15 Prozent Trinkgeld, während 31 Prozent weniger als 10 Prozent geben und nur 1,1 Prozent mehr als 25 Prozent Trinkgeld hinterlassen. Trinkgeld stellt Urlauber vor allem im Ausland immer wieder vor Herausforderungen: so machen Sie es in der europäischen Nachbarschaft richtig.

Die Bereitschaft zum Trinkgeld ist in Deutschland mit 96 Prozent sehr hoch. Interessant: 57 Prozent der Deutschen möchten weiterhin Trinkgeldes zahlen, statt als Ersatz einen höheren Preis für Gerichte und Getränke zu zahlen. Allerdings beeinflusst die Inflation das Verhalten: 36 Prozent der Befragten gaben an, dass die Inflation ihre Bereitschaft, Trinkgeld zu geben, verändert hat.

Weitreichende Konsequenzen für die Gastronomie

Die veränderten Besuchsgewohnheiten haben erhebliche Auswirkungen auf die Gastronomie. Wenn Gäste früher kommen und früher gehen, sinkt die Verweildauer und damit die Zeit für Zusatzbestellungen wie Drinks oder Desserts. Das bedeutet weniger Umsatz pro Tisch – ein langfristiger Trend, der Gastronomiebetriebe wirtschaftlich trifft.

Zusätzlich verschärft sich das Problem der „No-Shows“: Gäste reservieren, erscheinen aber nicht. Eine Marketagent-Umfrage aus Österreich zeigt, dass viele Gäste über steigende Preise, schlechtere Servicequalität und sinkende Wertschätzung in Restaurants klagen. Fast ein Drittel beklagt ein schlechtes Preis-Leistungs-Verhältnis. Für Gastronomen bedeutet das, Strategien zu überdenken: Angebotszeiten optimieren, Reservierungsregeln verschärfen und das Erlebnis stärken, um den neuen Alltag in der Branche erfolgreich zu gestalten. Skurrile Restaurant-Bewertung: auf dieser KI-Karte werden Restaurants nach der Attraktivität ihrer Gäste bewertet.

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