Dorfen – Die letzten G8-Absolventen verabschieden sich. KAG-Direktorin Andrea Hafner überreichte den 62 jungen Damen und Herren ihre Reifezeugnisse.
„Es ist ein Tag, an dem Geschichte geschrieben wird“, begrüßte Direktorin Andrea Hafner die 62 Absolventinnen und Absolventen, die Eltern und Gäste zur Übergabe der Reifezeugnisse am Freitagvormittag in der Aula des Korbinian-Aigner-Gymnasiums (KAG). „Ihr seid der letzte Jahrgang im bayerischen G8.“ Und deshalb auch ein „sehr bunter, zusammengesetzt wie ein Puzzle.“
Da waren „die Usain Bolts“ (ehemaliger jamaikanischer Sprinter, Anm. d. Red.) des Gymnasiums, die die Lernzeitverkürzung genutzt hatten. Dann gab es die „mutigen Heldinnen und Helden aus den Einführungsklassen, die nach der Mittleren Reife zu uns gekommen sind, und diejenigen, die dem Abitur eine zweite Chance gegeben haben“, wie die Schulleiterin charmant die Wiederholer bezeichnete.
Besonderen Respekt zollte sie einem Externen. Nach dem Fachabitur habe er, ganz allein auf sich gestellt, den Stoff erarbeitet und die Abiturprüfung am KAG abgelegt. Er hat laut Hafner „den schwierigsten Weg beschritten“. Doch sie lobte den gesamten Jahrgang: „Ihr seid wie ein Mosaik, bunt, unvorhersehbar und letztlich wunderbar.“
„Abikalypse – Das G8 geht mit uns unter“ lautete das Abitur-Motto. Die Schulleiterin griff es auf: „Ihr seid Pioniere. Ihr verlasst das sinkende G8-Schiff – nicht als Opfer, sondern als Kapitäninnen und Kapitäne, die das Steuer für sich selbst übernehmen.“ Apokalypse bedeute ursprünglich Enthüllung, Offenbarung, eine Zeitenwende. Genau diese bringe der Tag der Abschlussfeier: Vom geschützten Raum Schule in die offene Welt, ein Aufbruch in die Zukunft, die „ihr selbst gestaltet“.
Manche hätten bereits einen Plan, andere ein One-Way-Ticket nach Neuseeland, wieder andere noch gar keine Vorstellung. Mit dem bayerischen Sprichwort „Scheiß da nix, dann feid da nix“, wolle sie den Absolventen Mut machen: „Handeln, auch wenn man Angst oder Respekt davor hat, nicht stromlinienförmig, durchaus überlegt und eigenwillig, nicht mit TikTok-Parolen zufriedengeben, sondern Zusammenhänge verstehen wollen.“
Dann wünschte sie sich noch: „Behaltet eure Bindung zum Elternhaus und zu den guten Freunden.“
Persönliche Worte für jeden zum Abschied
In die gleiche Kerbe schlug Petra Bauernfeind, Erdings stellvertretende Bürgermeisterin und Vorsitzende des Förderkreises, in ihrem Grußwort. Auch sie ermutigte die jungen Menschen, ihren Weg zu gehen. Jeder einzelne sei wichtig für die Gesellschaft: „Ich bin dankbar für jeden Bäcker, der mir mein Brot backt, den Mechaniker, der mir mein Auto wieder zum Laufen bringt, die Mitarbeiter in der Praxis und die Mediziner, die sich um meine Gesundheit kümmern.“
Sie forderte die Absolventen aber auch auf, „sich einzubringen für andere und Abstecher in die Kunst, Musik und den Sport zu machen“ oder gar einen Umweg zu gehen. Sie selbst habe keinen ihrer Umwege bereut.
An die Eltern gerichtet, sagte die Mutter eines 19-jährigen Sohnes: „Auch für die Familien beginnt ein neuer Abschnitt. Aber, es wird leichter, man gewöhnt sich daran, dass die Kinder ihren eigenen Weg gehen“, prophezeite sie.
Der stellvertretende Landrat Rainer Mehringer machte Hoffnung: „Der Arbeitsmarkt ist weit geöffnet. Entscheiden Sie sich für das, was Ihnen Freude bereitet.“ Der Vorsitzende des Elternbeirats, Markus Herz, warb um Verständnis für die Eltern und zog einen Vergleich mit der Pflanzenwelt: „Um herauszufinden, welche die besten Pflanzen sind, müssen sie unter Stress gesetzt werden.“ Die Eltern wollten ebenfalls nur das Beste, also „düngten sie euch, gossen euch und schützten euch vor Widrigkeiten. Und sobald ein kleiner Wind aufkam, waren sie in Alarmbereitschaft.“ Doch er machte nicht viel Hoffnung auf Veränderung: Die Eltern werden sich weiter einmischen, nicht mehr unter dem Deckmantel der Erziehung, mehr als Begleitung und Beratung, er berichte aus Erfahrung, meinte er augenzwinkernd.
Schließlich kam es zum Höhepunkt: die Überreichung der Abiturzeugnisse. In kleinen Gruppen schritten die Absolventinnen und Absolventen über einen roten Teppich, begleitet von ihrer Lieblingsmusik. Auf der Bühne genossen sie das Blitzlichtgewitter und den Applaus der Eltern und die guten Wünsche der Direktorin. Für jeden einzelnen hatte sie persönliche Worte vorbereitet, manche umarmte sie, weil sie sie seit der Kindergarten- oder gar Grundschulzeit kennt. Die längste Umarmung bekam ihre Tochter, eine der Abiturientinnen.
Nach alter Tradition ließen die Abiturienten zum Schluss Luftballons aus Naturkautschuk, an die gute Wünsche geheftet wurden, in den blauen Himmel steigen.
Der Abiturball in feiner Robe steigt am heutigen Abend, bei der auch die Abiturrede der Absolventen vorgesehen ist.