Ukraine-Krieg: Riesige Verluste für Russland – Putins heimliche Mobilmachung läuft bereits

  1. Startseite
  2. Politik

Kommentare

Russlands Armee ringt wegen hoher Verluste im Ukraine-Krieg mit akuter Personalnot. Ein heimliches Mobilisierungssystem soll die Zahlen verschleiern.

Moskau – Während sich Politiker und Generäle in Deutschland zur Münchner Sicherheitskonferenz versammeln, sieht sich der russische Präsident Wladimir Putin in der Ukraine mit einer akuten Personalnot konfrontiert. Die russische Armee findet nicht genügend Freiwillige – selbst wenn sie aus Gefängnissen und verschiedenen Ländern der Dritten Welt rekrutiert –, um die Verluste auf dem ukrainischen Schlachtfeld zu ersetzen. Diese werden inzwischen auf bis zu 35.000 Verluste pro Monat geschätzt.

Russische Soldaten stehen bei starkem Schneefall vor einem Panzer des Typs Bradley aus US-amerikanischer Produktion, der nach russischen Angaben von russischen Truppen in der Ukraine erbeutet worden sein soll.
Wegen der hohen Verluste Russlands: Putin füllt Armee mit heimlicher Mobilisierung auf (Symbolbild). © picture alliance/dpa/SOPA Images via ZUMA Press Wire | Artem Priakhin

Während russische Truppen weiterhin langsam vorrücken, ist das Tempo glazial: In einigen Abschnitten sind es lediglich 15 bis 75 Meter pro Tag. Das ist langsamer als viele der zermürbenden Offensiven des Ersten Weltkriegs, wie an der Somme oder bei Passchendaele, und häufig zu vergleichbaren oder sogar höheren menschlichen Kosten.

Zermürbungskrieg: Russland hat mit hohen Personalverlusten im Ukraine-Krieg zu kämpfen

Michael Kofman vom Carnegie Endowment brachte die Dynamik prägnant auf den Punkt: „Russland ist de facto von einem Eintauschen von Ausrüstungsverlusten zu einer Akzeptanz deutlich höherer Personalverluste übergegangen. Die Angriffsverbände und Rekrutierungspipelines, die die Frontlinie speisen, sind mit Blick auf Austauschbarkeit konzipiert. Das System ist darauf ausgelegt, Abnutzungskrieg durchzuhalten, selbst zu erheblichen menschlichen Kosten.“

Dennoch zeigt Präsident Putin keinerlei erkennbaren Appetit auf Verhandlungen. Seine Strategie scheint auf Durchhaltevermögen zu setzen, darauf, den – ohnehin begrenzten – politischen Zusammenhalt des Westens zu überdauern. Wenn er eine weitere politisch verheerende Welle der Zwangsmobilmachung vermeiden kann, mag er kalkulieren, dass die Zeit weiterhin auf seiner Seite ist.

Das politische Trauma der „Teilmobilmachung“ vom September 2022, die soziale Unruhen und Massenemigration auslöste, ist im Gedächtnis des Kreml noch frisch – doch gleichzeitig braucht die russische Kriegsmaschine frisches „Fleisch“, das in den Fleischwolf geworfen werden kann.

Putin vermeidet neue Großmobilmachung: Geheime „Musterung auf Raten“ in Russland

Laut gut informierten Kontakten aus meinem Umfeld in den Nachrichtendiensten scheint Putin nun eine „Mobilmachung durch die Hintertür“ durchzuführen. Die üblichen halbjährlichen Einberufungszyklen, historisch bei etwa 130.000 Rekruten pro Runde, wurden durch ein fortlaufendes Einzugssystem ersetzt, das die schiere Zahl der einberufenen Männer verschleiern soll. Eingezogene Reservisten, die normalerweise zur Infrastrukturabsicherung und für Aufgaben im rückwärtigen Gebiet vorgesehen sind, werden an Frontverbände umgeleitet.

Diese neue heimliche Mobilmachung ist in Wahrheit sogar noch größer als jene von 2022, was zweifellos erklärt, warum Putin so erpicht darauf ist, sie geheim zu halten. Solche Maßnahmen können die operative Durchhaltefähigkeit kurzfristig verlängern, sind aber nicht unbegrenzt tragfähig.

Die Aussicht auf eine vollständige Zwangsmobilmachung, politisch toxisch und gesellschaftlich destabilisierend, rückt nun bedrohlich näher und würde innenpolitisch eine erhebliche Eskalation darstellen, die die Stabilität des Regimes potenziell untergraben könnte.

Gefahr innerer Unruhen und Regimewechsel: Ukraine-Krieg birgt Risiko für Putins Russland

Möglicherweise drängen sich weitere Vergleiche mit dem Ersten Weltkrieg auf. Ein zermürbendes militärisches Patt in Europa und wirtschaftliche Not im eigenen Land führten 1917 in Russland zu einem Regimewechsel. Es besteht die Chance, dass am Ende erneut das russische Volk den Diktator stürzen wird, sobald es erkennt, wie er seine Wirtschaft und seine männliche Bevölkerung ruiniert hat. Wenn die wirtschaftliche Verelendung sich beschleunigt und die Verluste an der Front im derzeitigen Tempo weitergehen, wird die Belastung für die russische Gesellschaft tiefgreifend sein.

Der zentrale Punkt ist dieser: Russland kann diesen Krieg nicht unbegrenzt fortsetzen. Die Ukraine kann siegen. Doch der Erfolg hängt von einer anhaltenden und geeinten europäischen Entschlossenheit ab, und in München sollten wir in dieser Woche ermessen können, wie es darum bestellt ist. (Dieser Artikel von Hamish de Bretton-Gordon entstand in Kooperation mit telegraph.co.uk)

Информация на этой странице взята из источника: https://www.merkur.de/politik/riesenverluste-fuer-russland-putin-rekrutiert-bereits-heimlich-zr-94170211.html